[aussortiert] Käfer

Nachlese des letzten Jahres. Mein Fotoprojekt 2018 sind Fotoalben, Bücher der vergangenen Jahre, aus Dateien Bilder machen. Dabei findet man dann auch mal so was: Urlaub, ein Käfer, ein Teller, ein Reisezoom. Klick.

[Life is thirtyfive] Die Kamera zur Tasche

Schwache Momente. Da war zum Beispiel der, als ich mir damals die NX1000 ins Haus geholt hatte. Und dann die NX300. Wunderbare kleine Kameras. Da lag die große Pentax erst mal schwer in der Schublade und lag und lag. Aber alles neue wird irgendwann wieder normal und die K-5 war einfach immer noch da und immer noch toll! Ich liebe optische Sucher. Meinen Samsungs habe ich längst Aufstecksucher verpasst aber an das Pentaprisma einer Pentax kommt (in dieser Klasse) nichts heran. Und dann kam letztes Jahr die KP auf den Markt und ich war ein bisschen verloren.

Eine Kamera, kaum größer als die klassische Leica, ohne diesen monströsen Handgriff, den alle digitalen Spiegelreflexkameras aus der Kameramode der 90er Jahre mitgenommen haben und nie mehr los wurden. Eine Form, nahe an meiner alten Nikon F301, die immer noch mit Film geladen in der Vitrine steht. Eine moderne spiegellose Systemkamera – nur mit Spiegel und echtem optischem Sucher. Ich habe ein Jahr lang widerstanden. In den USA hätte ich sie fast gekauft, bin aber vor den Zollformalitäten und der fehlenden internationalen Garantie zurückgeschreckt. Erst zum Jahreswechsel war es nun so weit. Mein schwacher Moment war erreicht.

Ich hatte die Kamera erst wenige Tage, da war klar, dass ich zumindest die Galaxy NX mit Ihrem Mäusekinosucher direkt verkaufe. Die beiden kleineren Gehäuse bleiben. Für die Tage an denen jedes bisschen Gewicht zählt. Und für das rauhe Leben in der Satteltasche des Fahrrads. Für das pure Fotografieren ist aber nun die KP da.

Für einen echten Erfahrungsbericht ist es noch zu früh. Bereits in meinem Beitrag vom 9. Januar waren erste Bilder aus der KP enthalten aber Gelegenheit für wirklich intensives Fotografieren mit der Pentax war noch wenig. Also ist dieser Bericht eher ein Auftakt. Ein ‚Hands-on‘, wie man auf Internetdeutsch so schön schreibt.

Wie man auf den Bildern sieht, ist bei mir gerade eine Leica M4 zu Gast. Das gute Stück ist so alt wie ich und ich fotografiere gerade eine Spule Film voll. Ein Schmuckstück. Anderes Thema. Hier ist sie nur zu sehen, um einen Maßstab für die Pentax zu liefern. Denn die Größe und Form ist natürlich ein Kernpunkt bei dieser Kamera. Die KP stammt entfernt von der K-5 ab (die ich wie die Galaxy NX mittlerweile ebenfalls verkauft habe). Sie trat vor einem Jahr im Grunde die Nachfolge der K-3 II an (zumindest mit Blick auf den üblichen 2-Jahres-Rhythmus, auf das AF-System, den Sensor und den Bildprozessor und auf das Magnesiumgehäuse), wendete das Konzept aber in eine ganz andere Richtung. Das Heulen und Zähneklappern im Pentaxlager war groß, denn die Kamera verzichtete auf allerlei Features, die an der K-3 II noch zu finden waren. Auf der Soll-Seite stehen:

– der ‚langsamere‘ Verschluss (max 1/6000 sek statt 1/8000) mit geringerer Auslegung (100.000 wie bei der K-5-Serie statt 200.000 wie bei der K-3-Serie)
– geringere Serienbildgeschwindigkeit und kleinerer Puffer
– kein HDMI-Port
– kein Schulterdisplay
– keine IR-Fernbedienung
– USB 2 statt USB 3
– kleinere Akkus mit ensprechend geringerer Zahl von standardisierten Auslösungen
– nur noch einen Kartenslot

Es gibt aber auch eine Haben-Seite:

+ Verbesserter Sensor mit verbessertem Rauschverhalten in RAW und jpg und erweitertem nutzbarem ISO-Bereich (und deutlich erweitertem ISO-Bereich der nur für Testaufnahmen sinnvoll ist – zum Beispiel bei der Nachtfotografie, bevor man dann wirklich die Langzeitbelichtung macht…)
+ 5-Achsen-Stabi
+ Prime IV CPU statt Typ III (die vermutlich gleichermaßen für die besseren RAWs als auch fpür die etwas gesunkene Geschwindigkeit verantwortlich sein dürfte)
+ Eingebauter Blitz
+ Autofokus bei Videoaufnahmen (per Taste) und Stereoton
+ Elektronischer Verschluss für die wirklich schnellen Belichtungszeiten und lautloses Auslösen
+ Neues Bedienkonzept mit 3 Rädern wie die K-1
+ Schwenkmonitor
+ leichtere und kompaktere Bauweise im Stil klassischer analoger SLR bzw. spiegelloser Retro-Kameras.
+ eingebautes WiFi mit einer wirklich funktionierenden App (Fernauslöser, Tethering, Remote-Sucher)

Natürlich hätte man manches davon auch in eine K-3 III einbauen können. Aber insgesamt ist das ein stimmiges Paket, auch mit den nun weggelassenen Punkten. Stimmig, wenn man davon ausgeht, dass das eine Kamera für Reise, Reportage, Straße und Alltag und Familie ist. Wenn man die KP mit einem Limited drauf neben die alte Leica oder (gedanklich) neben eine neue Fuji X-T2 legt, geht einem ein Licht auf. Und deshalb ist es auch kein Wunder, dass die KP perfekt zur Cosyspeed Streetomatic+ passt, die mich seit unserem Sommer in Amerika begleitet.

Neben dem neuen Gehäuse habe ich mir noch einen zweiten Wunsch erfüllt, der mich seit Jahren begleitet. Mein zweiter schwacher Moment. Ende 2013 hatte ich schon mal eine kleine Ode an den Bildwinkel von 35 mm (@ Kleinbildfilm) verfasst. Und an dieser verhinderten Zuneigung hatte sich seither nichts geändert. Nun bin ich endlich den Schritt gegangen, mir das Objektiv zu kaufen, das bei Pentax der 35-mm-Perspektive am nächsten kommt: Das 3.2/21 mm Limited. Es passt perfekt zum Charakter der KP und macht sie endgültig zu einem leichten Begleiter für Bilder vom Echten und Wichtigen im Leben. Life is thirtyfive. Und ich freu mich halt. Merkt man, oder? ;-)

[Steilvorlage] Stillgestanden

Das Jahr beginnt mit einer Auszeit. Advent, Heiliger Abend, Sylvester und Dreikönigstag stemmen gemeinsam eine Zäsur ins Jahr, der so leicht niemand entkommt. Schön war’s, dieses Mal. Ein knapper Advent hat dem eigentlichen Fest noch Raum zum Atmen gelassen und das überlange Weihnachtswochenende hat (bei mir) wirklich ein Stück Ruhe geschaffen.




Die erste Woche des neuen Jahres hat viel von einem landesweiten Stillstand. Erst langsam kommt alles wieder ins Rollen. Ich kann nicht sagen, dass ich viel Leerlauf gehabt hätte aber nichts davon war Alltag. Also war es gut. Denn was bei mir ins Rollen kam, war auch mein ganzes Foto- und Zeichending. Man könnte es unter ‚gute Vorsätze‘ einsortieren, damit hätte ich kein Problem. Tatsächlich arbeitet es schon länger in mir dass ich mit der Wucht des Jahreswechsels wieder zu einem regelmäßigeren Tritt finden will. Ich habe mir also tatsächlich vorgenommen, dieses Jahr jeden Tag entweder die Kamera oder den Skizzenblock zu bemühen. Was ich nicht vorhabe, ist, das Zeug täglich in die ’sozialen Medien‘ zu spülen. Im Gegenteil. Wenn ich meinen inneren Schweinehund im Griff behalte, will ich eher weniger als mehr bei Facebook und in meinen Foren aufschlagen. Was nicht heißt, dass ich dort ‚entsage‘, dafür kenne ich mich viel zu gut und dafür mag ich die Freunde dort zu sehr. Für Flickr, Twitter und Instagram gilt – mindestens vorerst – ähnliches. Aber das ist ja nicht unbedingt neu. Da bin ich eh lahm oder nie richtig warm geworden.

My home is my castle, mein Blog ist mein Blog.

Der Stilpirat Steffen Böttcher hat eben das Bloggen zum Arschgeweih im Portfolio der eigenen Karriere erklärt. Das halte ich aus (er ja auch). Zumal die Fotografie und Zeichnerei keiner Karriereplanung unterliegen. Ich bin Architekt und das ist gut so.




Meine Bilder der ersten Woche sind aufgesammelte Szenen des Innehaltens. Mal städtisch, mal näher an meinem alten ‚Heimatfilm‘. Ich habe lange nach einem Label, nach einem Projekttitel für das kommende Jahr gesucht. Ich habe keinen. Zumindest noch nicht. Das Ergebnis ist offen, ich weiss nicht wo es hingeht. Macht mir nichts, momentan. Fühlt sich gut an.

Imaging Media House ist ein klassischer Zeitschriftenverlag, der mit den Publikationen ‚fotoPRO‘, ‚Photopresse‘ und ‚PhotoKlassik‘ ein alter Hase am Markt ist. Die jüngste Idee des Verlags ist ganz anders: Das Magazin ‚Photo-Weekly‘ sieht zwar aus, wie die Online-Version eines Printmagazins, ist aber tatsächlich gar nicht auf Papier verfügbar. Stattdessen handelt es sich um ein für das Lesen am Smartphone optimiertes Magazin, das kostenlos gegen Registrierung einer E-Mail-Adresse angesehen oder heruntergeladen werden kann. Wenn man sich morgens oder abends mal in die U-Bahn oder einen Bus verirrt, kann man sehen, dass das möglicherweise gar keine blöde Idee sein könnte.

Ich hatte es schon erwähnt und die letzten 5-6 Artikel in meinem Blog kreisen ja schon um dieses Thema: Von ‚Photo-Weekly‘ habe ich eine Theta V zum Test erhalten (und kann sie jetzt behalten). Mein erstes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr. Unerwartet und nicht nur deshalb sehr schön :-) . Nun ist der Artikel zum Lesertest erschienen und auch mein bisheriges Lieblingsfoto mit der Theta V mit an Bord.

[Liebeslied] Glücksache

Ich war nie ein besonders ausgefuchster Schachspieler. Mehr als 2-3 Züge versuche ich selten im Voraus zu planen und meine Strategie besteht am ehesten darin, meinem Bauchgefühl zu folgen. So ein Glück! Mein Sohn hat noch nicht mehr als eine Hand voll Schachspielen absolviert (aber immerhin ein Buch mehr als ich darüber gelesen) trotzdem muss ich mich nicht verstellen, nicht künstlich schwach spielen. Ich helfe ihm ab und zu, wenn er sich einen Bauern holen will und mit einem Springer oder Läufer dafür büßen müsste aber das reicht schon, um die Spiele lange offen zu halten.

Little Planet Projektion mit um 180° gedrehter Blickrichtung, Theta V, Theta+, Lightroom, wie immer

(Buchstäblich) ganz nach innen gekehrt ist dieses Bild vom Schachspiel mit meinem Sohn. Obwohl es auf den ersten Blick vielleicht einfach ein witziger Effekt zu sein scheint: Diese Konzentriertheit erzählt ja auch vom Spielen. Der Kreis der Wahrnehmung engt sich ein, man taucht in das Spiel ein, eine Außenwelt gibt es nicht mehr. Die Möglichkeiten der Vollsphärenfotografie sind überraschend. So wie ein Schachspiel, wenn man kein besonderer Schachspieler ist.

[Heimatplanet] Luftschiff

Ein Lieblingsbild meiner ersten drei Wochen mit der Theta V. Der Asemwald als schwebende Kugel an deren Reling ich stehe, eine Seifenblase aus Beton, ein Luftschiff, ein UFO. Ein Ort ohne Schwere. Was könnte man schöneres über sein Zuhause sagen? So fühlt es sich für mich an, hier zu wohnen.

Theta V, 2/3 Unterbelichtung, ISO 80, Projektion mit ‚Theta+‘, Nachbearbeitung mit Lightroom.

Das Foto entwickelt in meinen Augen – wie schon das Bild vom Fernsehturm Stuttgart gestern – den Eindruck, es sei mit Hilfe einer Drohne entstanden. Dieser distanzierte Blick ist etwas, das mit der Theta leichter fällt als mit konventionellen Kameras. Jeder Asemwälder würde in dieser Aufnahme sein Haus erkennen und gleichzeitig ’stimmt etwas nicht‘. Eigentlich stimmt gar nichts, außer dem Gefühl. Der Betrachter wird verwirrt. Ehrlich gesagt bin ich selbst auch immer noch verwirrt. Und das ist ja nicht so schlecht. Das mag ich an der Theta.

[Heimatplanet] Ein skeptischer Blick

Wenn Stuttgart nur ein Wahrzeichen hätte, dann wäre es der Fernsehturm. Ich liebe diese schlanke Nadel und freue mich jedes Mal, wenn ich Gelegenheit finde, dort hinauf zu fahren. Der Fernsehturm dekoriert unsere Aussicht und man entrinnt mit jedem Meter, den einen der Aufzug in die Höhe schießt, ein kleines Stück dem Alltag und der Erdschwere. Weite macht leicht.

Die Theta macht es einem auch leicht. Sie macht es leicht, zu Perspektiven zu finden, die mit traditioneller Technik fast unmöglich scheinen. Selbst wenn man die Kugelpanoramen – wie in diesem Fall – eher konservativ projiziert. Dass man selbst andauernd mit im Bild ist, ok, daran muss ich mich noch gewöhnen. Und das sieht man am Gesichtsausdruck :-P . Und zu meiner Entschuldigung bringe ich vor, dass das einer der ersten Tage mit der neuen Kamera war. Außerdem – das sieht man nicht – hat es da oben ziemlich geblasen. Ein bisschen mulmig war es mir da schon, eine 400-Euro-Kamera an einem 5-Euro-Selfistick durchs Gitter zu schieben…

[Heimatplanet] Heimweg

Vom Radfahren habe ich schon geschrieben? Statt zu gehen (wie in den 1 1/2 Jahren davor) fahre ich seit Juni mit dem E-Bike zur Arbeit. Zwei mal täglich eine gute halbe Stunde Bewegung durch meine Wälder. Ohne sich auszupowern. Ohne Stau, ohne Bus, ohne U-Bahn, ohne Parkplatzsuche. Es ist genial. Und es bleibt auch jetzt noch genial, wenn ich über den Schnee rolle, der alles ganz leise macht. Und sogar der kalt spritzende Matsch bei Tauwetter macht mir nichts mehr aus. Auf das richtig kalte Wetter warte ich aber lieber noch, bevor ich hier Sprüche klopfe ;-) .

360° Kugelpanorama aufgenommen mit der Ricoh Theta V, Projektion gerechnet mit ‚Theta+‘, nachbearbeitet mit Lightroom

Meine alte Reihe ‚Heimatfilm‘, die ja mal als Jahresprojekt begonnen hatte, lässt mich bis heute nicht ganz los. Mit der Ricoh Theta V entstehen nun sozusagen Bilder meines ‚Heimatplaneten‘. Auch diese Aufnahme habe ich zwar (wie das Bild von gestern) als ‚Little Planet‘ ausgearbeitet, sie wirkt (auf mich) aber geradezu normal und fügt sich recht ‚lautlos‘ an meine seit Jahren laufende Serie an: Ein Abend im Wald. Das Licht des Rades ist blendend hell, außerhalb des Lichtkegels fällt die Dunkelheit über den Wald. Im Hintergrund bilden die vertrauten Hochhausscheiben die Kulisse. Sie geben dem Bild Ort und Richtung. Heimat. Mein Heimatplanet.