[Schwarz(weiss)wald] Familie fotografieren

Der Schwarzwald ist unser Fixpunkt im Urlaubskarussell. Seit fünf Jahren ist für uns eine Woche in Triberg/Schonach ‚gesetzt‘, egal, was wir sonst noch planen. Im letzten Jahr habe ich dort erstmals eine Bildstrecke versucht, die das ‚Sagenhafte‘, den ruhigen, mythischen Schwarzwald zum Thema hatte. Das Fotobuch, das daraus entstand ist über ein reines Familien-Reisefotoalbum hinaus in meinen Augen fotografisch dicht und einheitlich. Damit ist der ‚Chronistenpflicht‘ und der Leidenschaft für die Fotografie gleichermaßen Rechnung getragen 😉 .

[Schwarz(weiss)wald] Behutsam-1

Natürlich habe ich auch dieses Jahr überlegt, wie eine Serie aus dieser entspannten Woche aussehen kann. Der Wasserfall und der schwarze Wald sind dieses Jahr nicht zentral. Die Entspannung selbst ist es. Das Miteinander. Familie. Alltagsszenen, wenn auch abseits unseres ‚echten‘ Alltags.

Ich habe mich für eine schwarzweiße Ausarbeitung der Bilder entschieden. Seit ich in Turin mit schwarzweißen, schrägen und verrissenen Bildern meine Verfassung ganz bewusst mit in die Bilder geschleppt habe, entdecke ich dieses Medium wieder mal neu. Auf die Farbe zu verzichten macht es zunächst mal einfacher. Farben die nicht da sind, können sich nicht ‚beissen‘, können den Blick nicht (ab)lenken. Ohne Rücksicht auf die Lichtfarbe kann man auch am hellen Tag entspannt blitzen. Und ausgebrannte oder abgesoffene Bildflächen verlieren vollends jeden Schrecken (Das Wetter dieses Jahr war nicht das beste. Weisse Himmel sehen in schwarzweiß ungleich freundlicher aus als in Farbe).

Es bleibt Licht und Schatten, Struktur und Oberfläche. Vor allem bleibt Ausdruck und Bewegung.

Ich bin eher zurückhaltend, wenn es darum geht Bilder meiner Familie zu veröffentlichen. Mit dieser Serie mache ich eine kleine Ausnahme. Ich hatte mir Anfang des Jahres im Stillen vorgenommen, mein Hobby dazu zu nutzen, eine Jahresserie über den Alltag meiner Kinder zu machen. Über Geborgenheit und Lachen, Langeweile und Protest, Neugier und das Ausprobieren. Nicht für den Blog sondern nur für uns. Bislang habe ich das nicht geschafft. Diese Bilder bestärken mich aber darin, dazu noch mal einen Anlauf zu nehmen. Vielleicht doch öffentlich, zwecks anhaltender Motivation 😉 . Vielleicht auch nicht 😛 .

Entstanden sind die Bilder wieder alle mit der NX300, zu großen Teilen sogar nur mit dem 20-50 mm Kitobjektiv, das erstaunliche Schärfe und ein fast noch erstaunlicheres Bokeh liefert. Die Kamera hatte ich auf Schwarzweiß eingestellt, um gleich ein Sucherbild ohne ‚Ablenkung‘ zu haben. Das war auch schon bei den Bildern aus Turin eine große Hilfe bei der Bildgestaltung. Alle hier gezeigten Bilder sind zwar aus dem RAW entwickelt aber die schwarzweißen jpgs aus der Kamera waren bereits sehr sehr gut. Hätte man auch nehmen können. Wieder eine Serie, die mich ein Schrittchen von meiner DSLR entfremdet hat.

Den wirklichen Schritt, den ich gehen musste, war aber das übliche Urlaubsfototschema aus dem Kopf zu bekommen. Hintergrund ist nur Beiwerk. Der Ausdruck, die Situation oder die Bewegung machen das Bild. Ein weinendes, müdes oder trauriges Gesicht erzählt nicht weniger als ein lachendes. Ein gutes Bild entsteht nicht, wenn man gerade Zeit hat und die Kamera in der Hand. Besser, man nimmt sich die Zeit und die Kamera, wenn der Moment entsteht.

Das gelingt nicht immer. Oft bin ich zu spät. Aber ich merke, dass man es üben kann. Das schöne dabei ist, dass man es übt, indem man im Kopf bei seinen Kindern ist. Nicht bei der Kamera oder irgendeiner abstrakten Idee 🙂 .

 

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine sehr schöne und homogene Serie. Finde ich gut, dass Du hier eine Ausnahme gemacht hast, was Familienbilder angeht. Die Bilder transportieren eindrucksvoll, dass Ihr anscheinend eine gute Zeit hattet. 🙂

    P.S. Ich nehme an, auch Du bist an den Sternschnuppen gescheitert? Mir hat der „Supermond“ einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachts um zwei war es ja fast taghell.

  2. Sehr schöne Aufnahmen! Ich bin auch großer schwarzweiß-Fan, „traue“ mich aber nur selten, sw-Fotos ins Fotoalbum zu stecken… das Gefühl, weniger zu zeigen als da war, schreckt mich jedesmal ab… totaler quatsch, danke fürs Aufrütteln!

  3. Nicht nur die Fotos sind sehr zeigenswert: Sie spiegeln den Urlaub, das Zusammensein, Spannung und Entspannung. Harmonie. Nein, auch der Text hinterläßt seine Spuren bei mir.
    Danke fürs Schreiben und Zeigen.

    Werner

  4. Hallo Stefan, diesen Beitrag habe ich mit großem Interesse gelesen und finde es toll, dass du die Bilder hier im Zusammenhang zeigst, denn dadurch betrachtet man sie noch einmal anders, als wenn man sie einzeln auf flickr sieht. Sie alle erzählen aber auch für sich etwas und geben dem Betrachter den Impuls, seine Phantasie spielen zu lassen. LG, Conny

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