[Schwarzwald 2017] Annäherungen

Seit sieben Jahren werfen wir ein Mal pro Jahr unseren Anker im Schwarzwald, lassen uns dort sozusagen am Radius der Ankerkette eine Woche lang treiben und atmen dabei Langsamkeit und Erholung. Ein Reiseziel über das ich hier, hier und hier und dann noch (ganz anders) dort schon ziemlich viel geschrieben, an dem ich schon ziemlich viel fotografiert habe.

Zum fotografieren ist nun schon seit einiger Zeit das Zeichnen hinzugekommen. Bisher habe ich davon hier auf meinem Blog weniger gezeigt als zum Beispiel bei Facebook, in der Gruppe Urban Sketchers Stuttgart. Bisher habe ich damit gezögert, weil das hier ja doch ein Fotoblog ist und eigentlich auch bleiben soll. Ob ich das in Zukunft offener handhabe, weiß ich nicht. Vielleicht. Wahrscheinlich. Jedenfalls handhabe ich es heute offener. Heute möchte ich über Annäherung schreiben. Über die Annäherung an ein Motiv. Und dafür sind die Zeichnung und die Fotografie gleichermaßen geeignet. Vielleicht (das müsst Ihr als Betrachter entscheiden) ergänzen sie sich sogar.

Wie erfasst man diese Zerbrechlichkeit, dieses urtümliche, organisch gewachsene und nun ebenso ‚verwelkende‘ Stück gebauter Geschichte? Ohne allzu tief in die Kiste der Urban Exploration, der Lost-Places-Fotografie zu greifen? Mit Zuneigung?

Die Annäherung erfolgt in der Fotografie und der Zeichnung auf unterschiedliche Art und Weise. Die Zeichnung bietet Freiheiten, die der Fotografie zunächst mal fremd sind. Sie erlaubt es, noch stärker zu priorisieren. Um etwas im Foto wegzulassen, muss man Perspektiven ändern, hinunter auf die Knie gehen oder sich auf wackligen Hilfsmitteln weit nach oben strecken, den Vordergrund benutzen um den Hintergrund auszublenden oder Details sammeln, wenn die Totale zu unruhig wird. Um in der Zeichnung etwas wegzulassen, muss man es nur weglassen! Um etwas zusammenzuführen, was zusammengehört muss man es nur auf einem Blatt nebeneinander zeichnen.

Für die Hütte habe ich mich dafür entschieden, störendes wegzulassen und stattdessen die wichtigen Details sozusagen in die geometrische Ordnung der Perspektive einzubetten. Dazwischen, daneben, dahinter und davor fehlt viel, was aus dieser Perspektive fotografisch gestört hätte.

Im zeichnerischen Collage- oder Comicstil finden dagegen selbst Motive zueinander, die fotografisch ein 360° Panorama erfordern würden und überhaupt nur noch aus Nebensächlichkeiten bestehen würden. Klar, Collagen gehen mit Fotos auch. Trotzdem treten zwei Zeichnungen auf einem Blatt in eine engere Beziehung zueinander als zwei Fotos. Dafür muss man Fotos zumindest zu einem (gedruckten) Diptychon zusammenfügen, beispielsweise. Obwohl es ein anders Motiv ist, möchte ich als Beispiel für eine solche Beziehung zwischen zwei Bildern ein Skizzenblatt von der ‚Lourdes-Grotte‘ zeigen. Dieser Ort ist rund 200 m vom Hof entfernt und auch noch so ein sich wiederholender Ruhepol in unserem Schwarzwälder Koordinatensystem:

Beides, das Weglassen und das Zusammenführen sind zeichnerische Annäherungen an das Motiv selbst. An meine Sicht auf das Motiv zumindest. In der Fotografie sind dafür andere Techniken nötig. Selektive Schärfe, das Abwarten (oder das Setzen) des richtigen Lichts, die Wahl ungewöhnlicher Perspektiven, die Konzentration auf Details, die Inszenierung oder die Arbeit in Bildserien zum Beispiel. Und das sind nur die Wege, die ich so halbwegs als mein Instrumentarium bezeichnen würde, die ich zumindest schon mal ausprobiert habe. Es gibt natürlich noch viel mehr, für das es mir an Können, Wissen, Technik, Phantasie oder auch nur am Interesse daran mangelt.


Meine fotografische Annäherung an das alte Nebenhaus erfolgte diesmal ganz über die Wahl der Perspektive und über Details. Begonnen habe ich sie als als kleine Serie. Wie von der Zeichnung gelernt, zeige ich sie hier aber als Polyptychon aus 5 Bildern und hoffe, dass sie so ein neues Ganzes bilden.

Trotz und wegen des satten Grüns des Frühsommers habe ich mich für eine harte aber auch etwas ‚glühende‘ Ausarbeitung in Schwarzweiss entschieden. Die Härte des Mittagslichtes und das ‚Verwelken‘ darf man in den Bildern spüren. Also: Hoffentlich. Das ist fotografisch ganz anders als in meiner Zeichnung, deren Farben aber (naturgemäß) auch interpretieren statt einfach nur wiederzugeben. Und das ist vielleicht auch der Kern der Sache: Die Annäherung ist keine Frage der Wiedergabe. Sie ist eine Interpretation.

[Heimatfilm] Wieder

Wieder Frühling, wieder mal da, wieder ein Bild im ‚Heimatfilm‘.

Ja, ich schreibe wenig. Viel zu wenig, wenn’s nach mir geht. Ja, das hat einen Grund. Letztlich sogar mehrere. Ja, ich werde Euch und mir die Aufzählung ersparen, jeder von uns kennt sie, jeder erlebt sie selbst.

Die Kamera trage ich jeden Tag bei mir. Ernsthaft. Eine hab ich immer bei mir und damit meine ich nicht das Smartphone. Und dann plötzlich. Eine halbe Stunde ohne Plan. Im richtigen Augenblick. Einfach endlich in den Rucksack greifen und das Ding aus dem Neoprentuch wickeln. Einschalten. Gar kein Ziel haben. Kein Projekt ausser den alten, fast vergessenen Serien. Gar nicht weglaufen. Einfach zur Seite drehen. In den Wald sehen, in ein Treppenhaus schauen, die wild blühenden Bäume beachten und ins Knipsen kommen. Ist ein gutes Gefühl. Sollte ich öfter machen. Sollten wir alle öfter machen.

Wenn Du das liest, bist Du ein treue Seele. Ich weiß, dass ich einen Blog vernachlässigt habe und auch wenn die Lust und der Spaß am Bloggen groß ist, kann ich gar nicht versprechen, dass ich das ändern kann. Im Frühjahr geht es in den Schwarzwald, im Sommer wird es spannender. Dazu verrate ich aber nichts. Auch wenn ich sehr zuversichtlich bin, dass das fotografisch toll werden kann. Wenn ich es bis dahin nicht verlernt habe 😀

[Liebeslied] Frühsport

[Liebeslied] Auf dem Silbertablet

 

Wenn man gerade kein neues ‚Projekt‘ in Arbeit hat, kann man ja mal an offenen Enden weiterstricken (aufgenommen mit der Galaxy NX und einem Pentax 2.0/55 mm)…

[Sylt 2016] Morsum Kliff

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Wieder 3 Tage auf der Insel. Wieder 20 Kilometer herumwandern am Tag. Nicht so viele Bilder wie letztes mal. Eines ist immer das erste, das man zeigen will, auch wenn es eine ganz andere Geschichte nahelegt als die von Erholung und frischem Wind. OK, der frische Wind ist zumindest ohne weiteres erkennbar…

Mein Bild der Woche.

Ich mag es, weil ich hoffe, dass es irritiert. Um was geht es hier? Es gäbe sicher ein Dutzend schnell gefundener Stichwörter, um die Wahrnehmung des Bildes in eine Richtung zu schicken. Oft ergreife ich diese Chance, dem Bild gleich eine Interpretation mitzugeben. Hier halte ich es lieber mit der Offenheit. Mit der Irritation. Ohne Richtungspfeil.

[Coverfoto] Und immer wieder der Schwarzwald

Im Frühjahr durfte ich mich freuen, weil Mike Maas mich kontaktiert hatte, um ein Bild aus meiner „mystischen“ Schwarzwald-Serie von 2014 für eines seiner Hörbücher zu verwenden. Es ist nicht bei diesem einen Bild geblieben. … Weiterlesen →

[Pragfriedhof] Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich gerate gerade wieder mal ins Experimentieren. Ich schreibe diesen Artikel handschriftlich auf einem kleinen iPad pro. Ein erstaunliches Gerät. Das iPad pro hat einen hervorragenden Monitor. Einen besseren habe ich persönlich noch nie gesehen. Nicht als Tablet und nicht einmal auf einem Schreibtisch. Die Farben und die Tonwerte passen ohne Kalibrierung. Und bei jedem Licht.

Die Benutzung mit dem Pencil ist endlich so intuitiv, wie ich mir das immer schon gewünscht habe. Dank der App „Stylus“ schreibe ich meine Gedenken in fast der gleichen Weise auf, wie ich das bisher nur in einem Notizbuch konnte. Von Hand eben. In meiner unverstellten Handschrift. Einfach so. Mit der App „Tayasui Sketches“ zeichne ich fast wie auf Papier, aquarelliere, skizziere, schmiere, markiere, egal. Das alles geht zum ersten Mal fast wie „echt“, fast wie mit Stiften, Pinseln und Papier. Das hat mich auf dumme Gedanken gebracht.

Ich fotografiere nur wenig zur Zeit. Nach einem Grund dafür muss ich nicht lange suchen. Es ist keine „Sinnkrise“ oder „kreative Pause“, die mich davon abhielte, es  ist schlichtweg der Rest meines alltäglichen Lebens. Der Bauboom hat mich fest im Giff, die Familie verdient den Löwenanteil der übrigen Zeit. Das ist so und es ist gut so.

Der dumme Gedanke? Das Ding macht auch Fotos! Das iPad ist ein alltäglicher Begleiter, fast wie das iPhone. Es begleitet mich auf Baustellen, es begleitet mich in der U-Bahn, und jetzt ist es kurz vor elf und es liegt immer noch auf meinem Schoß. Klar, da spielt der Reiz des Neuen mit hinein aber das ändert wenig daran, dass man dieses Ding einfach besser finden muss als so ein mini Telefon (-display). Die Kamera des iPad nimmt Bilder in 12 MP auf. Sie verwendet ein Objektiv mit immerhin f 2.2 Lichtstärke. Die Aufnahmen sind wiedermal eine sichtbare Generation besser als bei meinem iPhone 6 .

Ja, ich weiss wie es aussieht, wenn Leute mit Tablets fotografieren. Bescheuert. Aber das ist die Aussensicht der Sache. Von „innen“ sieht es anders aus. Von „innen“ ist das iPad erst mal ein Sucher im Format der Mattscheibe einer Großformatkamera. Aber voll tageslichttauglich. Von „innen“ ist es eine Kamera mit eingebauter Entwicklung. Auf Wunsch auch im RAW-Format. Entwicklung mit einem Top-Monitor und schnellen Tools.
Ich habe begonnen, ganz bewusst auch mit dem iPad zu fotografieren. Ich werde dafür meine Kameras nicht aufgeben oder weglegen. Aber ich werde akzeptieren, dass das iPad mir neue Impulse gibt. Hier sind einige erste Bilder. Und nun könnt ihr schimpfen und öffentlich den Kopf schütteln. Ich hätte das vor kurzem noch getan.

PS: Natürlich kann das weg. Das ist der Aluminiumanteil des Daches eines Abbruchgebäudes, das ich gerade ‚wegräumen ‚ lasse um Platz für Wohnungen zu machen… 😉

[Souvenirs, Souvenirs] Nachlese. 270 Grad oder mehr. Ein Panorama mit Mond.

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Pentax K-5 mit 10-17 mm Fisheyezoom, gestitched und entzerrt mit Hugin. 

[Souvenirs, Souvenirs 3] Sketch and release 

Der Tag, an dem wir uns mit all den anderen Alltagsflüchtlingen für 14 Stunden in den blechernen Fluss und in den Stau nach Kroatien eingereiht hatten, war mein Geburtstag. Meine Frau erfüllte mir den Wunsch nach einem dicken Paket neuer Marker und Skizzierstifte.

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Sich mit Buch und Stiften hinzusetzen braucht Zeit (Man wird mit Übung sicher schneller. Ich bin langsam). Man sieht sich sein Motiv lange an. Atmet die Situation. Schwitzt oder friert. Man fügt Motivteile neu zusammen. Lässt wegfallen, was nur stört. Setzt Prioritäten. Trifft Entscheidungen. Man setzt sich über Dinge hinweg, um den Kern einer Situation zu erfassen. Motive verändern sich ständig während man sie betrachtet. Man muss loslassen können, noch während man zeichnet. Fragmente akzeptieren. Man kann viel über Fotografie lernen, wenn man skizziert.

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Manches lässt sich leichter skizzieren, als es zu fotografieren. Motive mit vielen Störungen wirken gezeichnet ganz selbstverständlich. Langweilige Fotomotive können spannende Motive für eine Zeichnung sein (Umgekehrt gilt natürlich das selbe). Hartes Licht und schwarze Schatten sind plötzlich toll. Der brütende Nachmittag ist eine gute Zeit, um zu zeichnen.

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Ich hatte lange keine Zeichenstifte mehr in der Hand. Als ich noch im Entwurf gearbeitet hatte, waren Skizzen alltäglich. Auch wenn die ‚Motive‘ damals nur imaginäre Flächen und Volumen, Strukturen, Oberflächen und Details einer ungebauten Aufgabe waren (was schon etwas sehr anderes ist, als nach der Natur zu zeichnen): Der Stift, das Papier und die Farbe waren (und sind) für mich das beste Mittel, Lösungen zu finden. Konzepte entstehen beim Zeichnen (und beim Schreiben). Man kreist sie immer enger ein. Die Routine von damals habe ich heute längst verloren. Aber ein bisschen scheint es so zu sein wie beim sprichwörtlichen Fahrradfahren. Irgendwie geht’s dann schon, wenn man es schon mal konnte. Und ich kann nur jeden ermutigen, einfach loszulegen. Es geht gerade nicht um Fotorealismus (Ich muss mich eher noch von Details lösen lernen). Es geht darum, die Situation auszukosten und einzusammeln.

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Das hier also sind die letzten, wieder anderen Blicke auf unseren kleinen Urlaub auf Krk. Keine fischäugigen Panoramen, keine fokussierende Reportage. Acht halbe Stunden auf Papier.

 

(Copic Fineliner und alkoholbasierte Marker – preiswerte Nachahmer des großen Originals – auf speziellem Markerpapier. Die Stifte passen übrigens wunderbar in die Sling- und Hüfttasche von Cosyspeed. Ich nenn das Ding jetzt einfach Penslinger statt Camslinger… 😉 )

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[Souvenirs, Souvenirs 2] Distanzlos – Ein Tag in Nahaufnahme

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Das Wesentliche eines Campingurlaubs ist das draußen sein. Der Verzicht auf Perfektion. Der Spaß an der Vereinfachung des Lebens. Man hat zu tun. Aber die Tätigkeiten wirken nicht wie eine Störung des Tagesablaufs. Sie gehören einfach dazu. Camping macht mich zufrieden und gleichmütig. Ich hab gar nicht das Bedürfnis, jeden Tag etwas anderes zu unternehmen. Ein paar Ausflüge, ja, aber das Wesentliche findet auf dem Platz und am Wasser statt.

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Ich wollte versuchen, dieses Gefühl zu fotografieren. Eine Reportage in Nahaufnahme.

Als Werkzeug dafür habe ich mich ganz bewusst nicht auf die ‚kleine‘ Kamera verlassen. Viel passender erschien es mir, dafür mal (m)ein altes ‚Schätzchen‘ abzustauben: Das DA 2.8/35 Makro Limited. Mit äquivalenten (~) 50 mm und ‚ohne‘ Nahgrenze. Die Reportagebrennweite schlechthin, erweitert um die Fähigkeit ganz nah ran zu gehen.