[Lichtskizzen und Schattenrisse] Im grünen Bereich

[Lichtskizen und Schattenrisse] Cut!-1

[Lichtskizzen und Schattenrisse] Thai-Chi-1

Die Wochen 21 und 22, zwei weitere Aufnahmen der Serie [Lichtskizzen und Schattenrisse]. Thai-Chi am Morgen. Ein Baum, der seinen letzten Sommer erlebt. Selbstkritik? Das Experiment erschöpft sich. Ich weiss nicht, ob ich die 13 voll mache oder ob ich in den letzten Wochen einfach zum Heimatfilm (unltd.) zurückkehre: Direkt, klar, ohne die Idee, das Diffuse und Unklare auch technisch in die Bilder zu fesseln. Ich möchte nicht sagen, dass das nicht klappt aber es taugt (mir) nicht als Selbstzweck.

Das war aber der Sinn der Sache bei [4 x 13 ist zweitausend 14]: auch mal eine Serie gegen die Wand zu fahren. Alles im grünen Bereich.

[Lichtskizzen und Schattenrisse] Im engen Radius

Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss und es findet in definierten Radien statt. Wenn man einen Schreibtisch voller Arbeit hat und dazu eine Familie, mit der man möglichst viel seiner Freizeit verbringen will, wenn hinter jede Ecke noch eine Steuererklärung oder ein zu mähender Rasen lauert, dann spiegelt sich das zwangsläufig auch in den fotografischen Sujets. Vorletzte Woche hatte ich wieder ‚Blogger-Besuch‘ von Oli aus München (hier mal ungefragt ein Bild), dem es zur Zeit ganz ähnlich geht. Und auch im letzten Jahr hatte ich schon ähnliche Phasen. Die Bilder der Wochen 19 und 20 meiner Serie ‚Lichtskizzen und Schattenrisse‘ des Projekts [4 x 13 ist zweitausend 14] stehen dafür. Es ist Frühsommer, hier im Asemwald:

Lichtskizzen und Schattenrisse 19

Lichtskizzen und Schattenrisse 20

Was ich zur Zeit liebe, sind Fotos ‚contre jour‚, Gegenlichtaufnahmen, bevorzugt mit alten Objektiven, die dann Ihre Schwächen gern nach Herzenslust ausleben dürfen. Dabei geht’s mir nicht nur um Silhouetten sondern vor allem um flache Kontraste, Lensflares, Überstrahlungen. Aber eben auch schöne, weiche Unschärfen, Lichtkanten und Bokehtupfen. Selbst einen Bild wie dem aus Woche 20 (dem keimenden Energiemais, der dieses Jahr wieder auf den Feldern dominiert), das nicht zu knapp bearbeitet ist und sowieso schon aus 3 (statt wie sonst in dieser Serie ’nur‘ 2) Einzelaufnahmen besteht, spürt man (finde ich) noch das alte Glas. In diesem Fall kam das Pentax 2.0/55mm zum Einsatz. Genauso gern verwende ich aber inzwischen das Cosina 2.8/24, das mir (mit reichlich Schwächen in der Abbildungsleistung) den (von mir) begehrten 35-Millimeter-Bildwinkel vom Kleinbild verschafft (life is thirtyfive). Das oben schon verlinkte Bild von Oliver und das aus Woche 19 (die Schaukel) sind damit entstanden.

[Lichtskizzen und Schattenrisse] Mind the gap

[Lichtskizzen und Schattenrisse] Mind the gap-1

NX300 mit Pentax 2.0/55, Doppelbelichtung / Montage.

Eine Lücke. Die Hecke hat eine, damit man die Skulptur dahinter gut sehen kann. Eine Struktur farbiger Metallstelen. Aber was sieht man, wenn man selbst eine Lücke hat?

Ich habe eine. Keine große. Aber sie ist da. Ich hab’s ja auch schon ein paar Mal erwähnt. Die neue Serie ‚Lichtskizzen und Schattenrisse‘ ist sehr OK. Das Feedback passt auch. Aber mir ist sie vielleicht nicht neu genug: Obwohl ich mir eine neue Technik für die Serie überlegt hatte, gleicht nicht nur der Titel meiner 2012er Serie ‚Lichtpfützen und Schattenseen‘. Das Thema reizt mich und die Ergebnisse entsprechen der Planung aber vielleicht habe ich ja auch zu lange dran geplant. Keine Ahnung. Jedenfalls stecke ich in einer ambivalenten Situation: Einerseits habe ich mich an das regelmäßige Fotografieren sehr gewöhnt und geniesse es. Erholung. Jedesmal. Andererseits muss ich mich zur Zeit oft regelrecht aufraffen, loszugehen. Und habe wenig Zeit und Gelegenheit, an anderen Orten zu fotografieren als hier, also gleichzeitig im ‚Heimatfilm‘.

Vielleicht kann man sagen, dass eine Lücke auch hier den Blick auf eine Struktur freilegt: Bei mir ist das inhaltlich ganz offensichtlich die Dokumentation des dieses Ortes. Es hat mich hierher gespült und ich habe hier festgemacht. Heimatfilm. Ich hatte mir vorgenommen, den Kreis weiter zu stecken und trotzdem kreise ich meistens eher eng ums Zentrum.

Fotografisch / fototechnisch stecke ich wohl in einem Wettstreit zwischen bewusster Beobachtung und (meist eher etwas strenger) Bildkomposition auf der einen Seite und dem Interesse am Unbewussten und Beiläufigen auf der anderen. Wir sehen unsere Umwelt nicht mit der Präzision unserer Kameras. Aber diese Kameras sind eben das Instrument unserer Fotos. Ich frage mich manchmal, ob das nicht zu widersprüchlich ist, um es in gemeiname Bilder zu packen.

Und ein Amalgam gibt es auch, um die Lücke zu schließen. Das kennen viele. Neue Technik. Spielzeug. Mir haben verschiedene Umstände in den letzten Wochen gleich einen ganzen Haufen neue Technik beschert, die ich in den nächsten Wochen hier noch zeigen kann. Mind the gap: Sonst werden die Schubladen immer voller. Heute verrät schon mal die Bildunterschrift, dass mir eine NX300 ‚zugelaufen‘ ist. Sehr schönes Ding. Neue Technik ändert natürlich inhaltlich mal gar nichts aber Spaß macht sie halt schon. Und das gebe ich auch gerne zu. 😉

Das Foto oben ist wieder eine digitale Doppelbelichtung. Genauer gesagt die Montage eines total defokussierten Bildes, das die Farben und die Tonwerte bringt mit einem zweiten scharfen Bild, das die Details beisteuert.

[Lichtskizzen und Schattenrisse] Wahlplakat

[Lichtskizzen und Schattenrisse] Wahlplakat-1

Das ist die interessantere Seite!

NX1000, 2.4/16 mm

[Lichtskizzen und Schattenrisse] (De)konstruktion

[Heimatfilm unltd.] Dekonstruktion

Leben ist Veränderung. In Stuttgart gibt es davon immer eine Extraportion. Die Innenstadt, die im zweiten Weltkrieg zu fast 70% zerstört wurde, befindet sich seit Jahrzehnten in stetigem Umbau. Derzeit entstehen mit dem ‚Milaneo‘ und dem ‚Geber‘ zwei riesige Einkaufszentren jenseits der beiden äussersten Enden der Königsstraße. Beide werden wohl noch in diesem Jahr ihre Pforten öffnen. Und nun entsteht ein weiteres Loch, diesmal mitten im Herzen der Stadt, einen Steinwurf vom Alten Schloss entfernt. Der Abriss hat begonnen. Heimatfilm ist auch, wenn wieder ein Stück Heimat verloren geht. Eine neue entsteht. Die meiner Kinder.

Eine Randnotiz: Es bleibt dabei, ‚[Heimatfilm unltd.]‘ bleibt ‚mein‘ Thema. Bei ‚[Lichtskizzen und Schattenrisse]‘ verschmilzt dieser Inhalt mit einem Konzept, das offenbar auch noch direkt aus der Serie ‚[Lichtpfützen und Schattenseen]‘ abstammt. Fällt mir nichts mehr ein? Momentan ist beruflich gut was los und das hier ist (m)ein Hobby. Es geht hier also ruhiger zu, das merkt man an der etwas reduzierten Frequenz. Gleichzeitig zwingt mich das, mich auch fotografisch (mehr) mit dem zu befassen, was mich auch wirklich alltäglich betrifft, was mir begegnet und was so ‚vorbeirauscht‘. Und genau da begenen sich die zwei Themen. Also. Jede Zeit hat ihre Bilder. Für mich sind’s nun noch mal diese ‚blurries’*.

*(c) donlunzo16 😉