[Kambodscha 2007] Roadbook reloaded – Teil 2

Von Battambang zur Tempelstadt Angkor Wat. Der zweite Teil meines neuen alten ‚Roadbooks‘ aus Kambodscha.

Freitag, 3. August 2007: Siem Reap, Tag 7

Angkor Historical Site zum ersten…

Bevor ich beschreibe, dass unser erster Tag im Angkor-Gebiet ein eher ruhiger Rundtrip durch die Tempel war (der es noch nicht geschafft hat, die ganz grosse Faszination auszulösen), zunaächst ein stichwortartiger Rückblick auf die vergangenen Tage:

Nach dem Kochkurs haben wir uns in Battambang von 2 Fahrern auf Motos das „Backcountry“ zeigen lassen (Organisation durch das Guesthouse/Hotel ‚Royal‘). Einsame Wats und Tempelanlagen auf den Bergspitzen der Umgebung machten den Anfang.

Das buddhistische Heiligtum Phnom Sampeu war während des Bürgerkriegs von den roten Khmer als Verhörzentrum missbraucht worden. Flugabwehrgeschütze und ein Knochenschrein in einer Höhle zeugen noch davon. Die ‚Führung‘ dort erfolgt durch Kinder aus der Siedlung am Fuss des Berges, die einen kleinen Betrag (1 USD) dafür erwarten. Mittlerweile leben im Kloster auch wieder Möche, im Gegensatz zum 700-1000 Jahre alten Wat Banan, der nächsten Station der Rundfahrt und einer kleinen Vorwegnahme der Tempelanlagen von Angkor.

Weiterhin besuchten wir Reisbauern bei der Arbeit und fuhren viele Kilometer über unbefestigte Straßen bis uns der ‚Cambodian Snow‘ (so nennen die Motofahrer die Staubfahnen der LKW und Busse) zwischen den Zähnen knirschte. Schliesslich wechselten wir noch samt den Motos auf einen sogenannten Bambootrain, einer Bambusplattform auf zwei alten Panzerachsen und mit einem alten Benzinmotor. Er schüttelte uns über die zerfallene Schienenstrecke zurück nach Battambang. Kambodscha wunderschön. Die Fahrt auf dem Bambootrain kostete insgesamt 10 USD (für alle zusammen).

Dann fuhren wir gestern 7 Stunden lang mit dem ‚Speedboat‘ über den Fluss Sangker und den Tonle Sap nach Sim Reap. Wir spürten, wie nahe bittere Armut und romatische Verklärung beieinander liegen. Die schwimmenden Doerfer sind schön, sind die Häuser aber mit Plastikplanen und Wellblech repariert, zeigt sich die Armut der Menschen.

Ortswechsel:

Nun also die große Angkor Historical Site. Wir ‚machten‘ zuerst die sogenannte ‚grosse‘ Runde, also eine Tour im Zentrum der Anlage, die jedoch die ganz großen Höhepunkte (Ta Prohm, Angkor Wat und den Bayon) noch auslässt. Erste Eindrücke:

Angkor ist eine geölte Maschine. Statt Unberührtheit und Dschungelfeeling erinnerten uns die Stätten an die Ruinen von Sukhothai in Thailand. Geteerte Strassen, Wärter, schreiende Verkäufer, mitleidsheischende Kinder. Nirgends reicht ein klares „nein, danke“, selbst dann nicht wenn man Khmer benutzt. Natürlich ist Angkor ungleich größer und beeindruckender als die antiken Hauptstädte Thailands, leider war unser erster Eindruck nicht ganz so ‚verwunschen‘ wie man sich das in romatischer Vorfreude gern einredet. Wirklich überraschend ist das natürlich nicht, Angkor ist schliesslich der Motor des gesamten kambodschanischen Tourismus.

Die Tempelbauten selbst sind faszinierend und vielgestaltig. Der Erhaltungszustand der teilweise atemberaubend kleinteiligen und plastischen Steinmetzarbeiten ist faszinierend. Die Anlagen hier auch nur andeutungsweise beschreiben zu wollen, wäre lächerlich. Rückblickend kann man hinsichtlich der Tempel besonders die Texte im ‚Stefan Loose Reiseführer‘ (in diesem Fall ist das eine Übersetzung des Rough Guides) empfehlen. Auch die meist recht knappen aber direkten und aufschlussreichen Texte im ‚Reise Know How‘ sind empfehlenswert. Zur Vertiefung empfiehlt sich ferner ein populärwissenschaftliches Buch wie etwa das des ‚National Geographic‘ (das einem im übrigen überall in Kambodscha als illegaler Nachdruck zum Kauf angetragen wird…).

Guesthouse:

Wir wohnten hier bei Michael Gutmeyr, einem Österreicher in seinem  „Queen Villa G.H.“ (mittlerweile aufgegeben – das Haus wird offenbar unter neuer Führung weiterbetrieben, soll jetzt aber schmutzig und unfreundlich sein). Michael organisierte die Tour, die Fahrer, gibt Tipps, alles sehr nett. Das G.H. war nicht ganz so leise, wie man hoffen würde (siehe folgender Restauranttip) und es hat – wie fast alle Hotels und Guesthäuser die wir besucht haben – ein moderates Problem mit Feuchte und Schimmel in den Bädern. Es liegt aber zentral und bietet eben dieses gewisse Stückchen Heimat, Vertrautheit und Service, das nach der ersten Woche schon mal ganz gut tut. Unser Zimmer lkostete mit AC, Zugang zur Terrasse mit Abendsonne und Hängematten, Moskitonetz und Bad mit Warmwasser 15 USD. Im Preis enthalten ist übrigens das gemütliche Frühstück im Hof (Selbstbedienung), bei dem man reichlich Kontakte mit anderen Reisenden knüpfen kann, viele davon aus dem deutschen Sprachraum. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.

Ach ja: In Siem Reap gibt es Massen von Stechmuecken und Michael hat die These aufgestellt, dass Malarone gar nichts nützt. Prima. :-/  Immerhin gilt Siem Reap als gering malariagefährdet. Hoffen wir’s mal…

Restauranttip:

Von Michael empfohlen (danke dafür) und gleich zwei mal ‚getestet‘:  Direkt hinter/neben dem Guesthouse befindet sich eine namenlose (?) Grill- und Bierbar, die sich eigentlich nur an Khmer-Publikum richtet. Aus der Altstadt kommend, geht man beim alten Markt über die Brücke, lässt die Khmer-Disco Martini’s rechts liegen, biegt dann halb rechts ab und läuft an der Mauer des Wat Damnak entlang. Zum Queen Villa ging es an der nächsten Gabelung wieder halb rechts, zum Grillrestaurant aber halblinks. Es handelt sich um das zweite Restaurant nach dieser Gabelung auf der rechten Straßenseite. Wem das zu weit klingt: Vom alten Markt sind es vielleicht drei Minuten zu Fuss 😉

In der Grillbar gibt es nur zwei Gerichte: Gegrilltes Rindfleisch oder gegrillte Prawns. Serviert werden beide mit einem Tablett voll eisgekühltem rohem Gemüse (ja, es liegen wirklich Eiswürfel drauf), mit einem ‚Dip-Bausatz‘ und wahlweise mit gekochtem Reis. Beergirls sorgen dafür, dass die Gläser nie leer werden (sind aber nicht sauer oder aufdringlich, wenn man nach einer Flasche aufhört…). Das Rindfleisch kommt medium gegrillt und in Streifen geschnitten und schmeckt sehr lecker. Ach ja: Englisch kann nur der Chef, Speisekarte gibt es keine, und meine dort vergessene Umhängetasche mit Kamera und Geld bekam ich auch unangetastet zurück. Sie hing bei meiner atemlosen Rückkehr am Geisterhäuschen vor der Tür ;-). Dort würde sie niemand wegnehmen.

Samstag, 4. August 2007: Pause. Die Klimaanlagengrippe

Ein unfreiwilliger Ruhetag.

Statt eine zweite Runde durch die Tempel Angkors zu drehen, hütete Katrin das Bett. Die Klimaanlage oder das Boot oder der Tag auf den Motos oder das Tuktuk oder der aus Deutschland mitgebrachte Husten forderten ihren Tribut. Die Stimme war weg, die Nase lief, der Hals tat weh.

Gut zu wissen, dass die Inkubationszeiten der echten Tropenkrankheiten alle länger als 7 Tage sind. Gut auch, am Tag zuvor noch ein deutsches Paar kennengelernt zu haben, das zu 50% aus einem Lehrer und zu 50% aus einer Ärztin bestand und uns völlig selbstlos, herzlich und eben auch fachkundig geholfen haben (Martin und Silvia, liebe Grüße und vielen Dank nach Nürnberg!!!). Nun lag das passende Antibiotikum bereit, falls der Hals nicht besser geworden wäre. Das war gut für die Nerven und trug somit alleine schon zur Besserung bei.

Den Tag brachten wir also mit Lesen, Liegen (Katrin), Streunen und Surfen (Stefan) zu. Tut auch mal gut.

Noch ein paar Restaurants:

Socheata: Unser Lieblingskhmer! Sage und schreibe 6 Mal waren wir dort essen! Das unscheinbare Restaurant findet sich in keinem Reiseführer. Es liegt sehr zentral im Häuserblock des Alten Marktes Psah Chah (direkt auf der Rückseite sozusagen: von der Brücke aus geradeaus in die Haupteinkaufsstraße gehen, das Marktgebäude liegt dann an der linken Straßenseite. Die erste Querstraße links nehmen. Dann kommt es nach etwa 20 m auf der linken Straßenseite). Trotz der Lage mehrheitlich Khmerpublikum, Plastikstühle, sehr sehr lecker, sehr preiswert. Viele der traditionellen Khmerrezepte dort schmecken auffällig französisch ;-). Auf die Frochsschenkel haben wir verzichtet, auf die khmervariante des Papayasalates nicht. Klasse.

Le Grand Cafe: Unübersehbar direkt an der oben beschrieben Haupteinkaufsstraße,  genau an der Kreuzung der ersten Querstraße (also auch eine gute Hilfe, um das Socheata zu finden ;-). Schönes offenes Haus im Kolonialstil und mit ebensolcher Atmosphäre geführt, keine Fenster, keine AC, stattdessen klassische Deckenventilatoren, Bewirtung auf der Straße und im Obergeschoss. Hauptsächlich westliche Küche. Französische Käse(!)platten (haben wir uns verkniffen). Natürlich eher teuer und null einheimisches Publikum aber trotzdem sehr gemütlich.

Blue Pumpkin: Unten eine westliche Konditorei, oben ein aufgebretzelter Loungeclub, dass einem nichts mehr einfällt. Könnte ohne Veränderung jederzeit in Stuttgart, München oder Berlin eröffnen. Dort fremd, uns vertraut. Teuer, aber die Kuchen und dergleichen sind sehr lecker. Ach ja: Passend zur spacigen Einrichtung ist die Lounge per AC tiefgekühlt. Fast der einzige Fall, in dem wir mal eine Jacke gebraucht hätten (in Thailand war das andauernd so…). Lage: An der mehrfach erwähnten Haupteinkaufstraße nur ein paar Schritte vom Grand Cafe entfernt aber auf der rechten Straßenseite. Achtung: Sowohl im ‚Reise Know How‘ als auch im ‚Stefan Loose‘ falsch in die Karte eingetragen!

Chilli-Si Dang: Achasva Street, östliches Flussufer. Asia für Westler. Unfreundlich, langsam, teuer, vermutlich hab ich mir dort den Magen mit einem Fruchtshake verdorben (siehe nächster Blogeintrag), der entgegen der Karte mit Milch gestreckt war (Wichtig: Keine Milch in Kambodscha trinken!!!). Da nützt dann auch die nette Aussicht vom Balkon im Obergeschoss nichts.

Little India: Wiederum in der Haupteinkaufsstraße am alten Markt, etwas weiter hinten und links. Netter preiswerter Inder. Etwas freudlos in Kantinentabletts (die Blechdinger mit 5 oder 6 Mulden) serviertes und teilweise kaltes Essen. Erstaunlicherweise dennoch recht schmackhaft und nicht sooo scharf…

Butterflies Garden : östlich des Flusses. Ein Restaurant in einer Schmetterlingsvoliere, getragen von einem NGO-Projekt für Straßenkinder und Kinder mit AIDS. Logischerweise etwas teurer. Leider war das Restaurant als wir dort waren (abends etwa 19:00 Uhr) völlig leer und blieb es auch, bis wir wieder gingen. Das Essen war OK, nicht berauschend, und Schmetterlinge gab es fast keine (vermutlich weil es einfach zu spät war). Daher unbedingt tagsüber ausprobieren!

Dienstag, 7. August 2007: Still not templed out

Nachdem Katrin mit einem Tag im Bett wieder Fit war, haben wir die halbe „kleine“ Rundtour der inneren Tempel Ankors gemacht. Dann war ich krank. Die Reisekrankheit nummer eins, mit Fieber und allen Extras.

Nun also war ich derjenige, der das Bett hätte hüten sollen. Ich war aber uneinsichtig genug, mit Katrin dennoch nach Ankor Wat hinauszufahren und endlich auch den namensstiftenden Tempel zu besichtigen. Danach dann „schmiss“ es mich vollends mit Fieber…

Dennoch war ich am nächsten Tag wieder fit, Gott sei Dank, und wir haben sozusagen die Abschlussrunde bei den Tempeln gedreht und dabei unter anderem den Tempeln Banteay Srey (37 km – unglaubliche Steinmetzarbeiten, hervorragend erhalten. Keinesfalls weglassen!) und Banteay Samre (15 km – ein Tempel dessen Hebäude früher durch Wasserbecken voneinander getrennt waren um auf kleiner Fläche die dennoch mit kleinen Booten große Abstufungen und Hierarchien zu schaffen) besucht.

Ein in ganz anderer Weise lohnender Zwischenstop ist das private Landminenmuseum des Kambodschaners Aki Ra (liegt direkt auf dem Weg zum Banteay Srey, jeder Fahrer kennt es). Er räumt schon seit dem Ende des Bürgerkriegs in Eigeninitiative Mienenfelder in ganz Kambodscha. Sein Museum erzählt ein wenig vom Wahnsinn dieser Waffen.

Die Runde schloss mit einem echten Höhepunkt, Angkor Thom mit dem Bayon .

Morgen erwartet uns eine groessere Überlandfahrt zum Beng Mealea, einem Tempel der (im Gegensatz zum Ta Prom) tatsächlich mitten im Dschungel liegt und dessen Umfeld zur Zeit erst von Minen geräumt wird. Danach beenden wir dann unseren Aufenthalt hier in Siem Reap und brechen zur Küste auf…

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auch wenn ich dir zum Thema Angkor beipflichten muss, es ist mehr als verständlich das es dort so ist. Eine immense Einnahmequelle für das immer noch recht arme Kambodscha (man kann nur hoffen das die Einnahmen nicht irgendwo versickern 😉 ) und irgendwie muss das ganze auch noch in Schuss gehalten werden.
    Ich will auf jeden Falls nochmal dorthin, alleine um die Aussenbezirke zu erkunden, fernab des eigentlichen Angkors. Da hat man dann auch das „ersehnte“ Abenteuer.

  2. Pingback: [kambodschanisch] Kampot-Pfefferdip mit Limettensaft | Stefan Senf – Motivprogramm

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