[verglichen] Fünf iPhone-Apps für die Belichtungsmessung

Die Neugier hat gesiegt: ich bin ’stolzer Besitzer‘ einer einfachen zweiäugigen Mittelformatkamera (‚B.I.G. Twin 3‘ aka ‚Seagull 4A‘). Wenn man sich in der Blog-, Foren- und Podcastwelt umhört und umsieht, scheine ich mit dem Interesse am guten alten Film und speziell am Mittelformat nicht ganz allein zu sein. Der Kamera selbst werde ich noch einen eigenen Artikel widmen, wenn ich die ersten Filme belichtet habe. Genau dafür aber brauche ich einen Belichtungsmesser. Das iPhone soll helfen.

Das Angebot an entsprechenden Programmen im App-Store ist nicht klein. Allein mit dem Suchbegriff ‚light meter‘ findet man rund 15 einschlägige Anwendungen. Populäre Apps sind beispielsweise ‚Photometer‘ und ‚Pocket Light Meter‘. Praktisch unbekannt und ohne jede Wertung sind dagegen ‚iZoner‘ und ‚Fancy Light Meter‘, eher schlecht bewertet wird ‚LightMeter‘ von Frank Bauer (Das ist der Autor von ‚Foto Buddy‘ einer recht teuren aber sehr umfangreichen App mit Tools für die Fotografie). Da ich einen halbwegs verlässlichen und vor allem auch benutzbaren Belichtungsmesser brauche, habe ich die fünf verglichen. Verwendet wurde ein iPhone 4. Die Vergleichsmessungen habe ich mit der Pentax K-5 gemacht.

Vorwegschicken möchte ich noch einen kleinen (!) Exkurs: Alle getesteten Apps konzentrieren sich auf die sogenannte ‚Objektmessung‘, d.h. sie messen das Licht, das von den abzubildenden Motiven reflektiert wird. Genau nach diesem Muster arbeiten auch alle in Kameras eingebauten Belichtungsmesser, egal, wie neu oder alt, toll oder untoll sie konstruiert sind. Keiner der Belichtungsmesser kann eine sogenannte Lichtmessung machen, bei der man mit dem Belichtungsmesser (i.d.R. mit einem kleinen milchigen Diffusor) direkt das Licht misst, das auf das Motiv fällt. Viele Fotografen schwören auf diese Methode. Dafür braucht man aber definitiv einen echten, guten und teuren Handbelichtungsmesser. Jetzt aber zurück zu den Apps:

Die Szene

Das Motiv für die Messungen war eine Szene aus See, Wald und Morgenhimmel. An der K-5 habe ich mit der mittenbetonten Messung bei Blende 8 und ISO 100 für den Himmel 1/320 sek, für den spiegelnden See gut zwei Blenden weniger (1/60 sek) und für den Wald 1/6 sek gemessen. Insgesamt also einen Kontrast von fast 6 Blendenstufen.

Photometer

Die App bietet 2 Benutzeroberflächen. Eine Retrovariante, die einem alten Handbelichtungsmesser nachgebildet ist und eine moderne Darstellung, die ein Livebild der Kamera mit einbindet. Die Retrodarstellung ist hübsch anzusehen und bringt für alle, die noch nie einen Handbelichtungsmesser benutzt haben auch gleich hilfreiche Bedinungshinweise mit. Da sie nicht anzeigt, was man anpeilt, ist sie nur für eine sehr globale Messung brauchbar. Oder für Messungen unmittelbar am Objekt, die von manchen Apps falsch als ‚Lichtmessung‘ angepriesen werden.  Auch die moderne Version ist sehr spartanisch und entsprechend einfach zu bedienen. Das macht Ihren Charme aus. Die Messgenauigkeit fällt allerdings einigermaßen verheerend aus. Offenbar ist das Messfeld trotz des eingeblendeten Rahmens sehr groß und der Belichtungsmesser nimmt bereits eine ‚Wertung‘ vor oder stellt einen Durchschnittswert dar. Kurzum: Die klassische Darstellung ist streng genommen ehrlicher: Sie macht von vorn herein deutlich, dass man mit dieser App nicht exakt messen kann. Ein Schätzeisen, wenns ganz schnell gehen soll.

Pocket Light Meter

Charme ist ein Wort, das zu dieser zweiten App nicht wirklich passt. Mit optisch – für mich – grausigem Design und Werbebannern ist es eigentlich ein Kandidat für die sofortige Löschung. Zum Ausgleich sind die Konfigurationsmöglichkeiten hier schon erheblich umfangreicher und die Messung einen Hauch (leider nur das) näher an den Daten der K-5. Der Messpunkt lässt sich auf dem Bild hin und her schieben, welchen Sinn das auch haben mag. Schwenken geht schneller. Auch hier scheint das tatsächliche Messfeld vom eingeblendeten Rahmen abzuweichen.

iZoner

Meine jüngste Entdeckung iZoner kann im Gegensatz zu den beiden ersten schon maches mehr. Zunächst mal startet das Programm mit einem quadratischen Bild, das vollflächig für die Ermittlung einer mittleren Belichtung genutzt wird. Alternativ kann man auf eine Spotmessung umschalten und die Größe des Spots frei wählen. Eine dritte Betriebsart misst einem den dunkelsten und den hellsten Punkt im dargestellten Bildausschnitt aus und gibt den Kontrast in Lichtwerten (Belichtungsstufen) aus. Auch praktisch, zumindest, wenn der hellste und der dunkelste Punkt der gewünschten Aufnahme sich gemeinsam in den Bildausschnitt des Belichtungsmessers quetschen lassen. Selbst ein nach Farbkanälen getrenntes Live-Histogramm kann die App erzeugen! Die Messwerte im Spotmodus sind erstaunlich gut und treffen fast exakt jene der K-5. Hier kann sich dieses Tool deutlich von den Mitbewerbern absetzen. Der angezeigte Kontrastumfang fällt dann kurioserweise aber wieder 1-2 Blenden zu gering aus. Leider gibt es auch eine Macke an der App: Man muss sie nach jeder Benutzung in der Kickerleiste komplett ‚killen‘ (Doppelklick auf die Hometaste, drücken und halten des App-Buttons bis er wackelt und dann den Prozess mit dem Minuszeichen löschen). Andernfalls friert die App beim zweiten Start sofort ein. Ich werde habe das den Entwicklern schreiben geschrieben, vielleicht tut sich ja was und das ist das Ergebnis. Klasse! Wie es aussieht, wurde das Problem gefunden und beseitigt und gleich noch ein Wunsch von mir umgesetzt!

Fancy Light Meter

Mit einer ähnlich praktischen Oberfläche tritt ‚Fancy Light Meter‘ an. Dort wählt man, wie bei allen anderen bisher genannten Belichtungsmessern auch, bei gegebener Filmenpfindlichkeit wahlweise eine feste Blende oder eine feste Zeit aus, kann dann aber hintereinander 3 beliebige Messpunkte ins Bild tippen. Die drei Messwerte erscheinen übersichtlich mit Farbmarkierungen in einer gemeinsamen Skala am Rand. Tippt man sich also Licher, Schatten und Hauptmotiv, so kann man seine Belichtung wunderbar auf einen Blick festlegen. Fancy Light Meter misst die Mitteltöne und Schatten sehr genau, in den Lichtern greift die Messung aber wieder mehr als eine Blende daneben, fast so stark wie bei den ersten beiden Apps auch.

LightMeter

Eine Ausnahmestellung nimmt LightMeter ein. LightMeter tritt im vertrauten ‚Foto-Buddy-Look‘ an und genoss daher bei mir ein hohen Vertrauensvorschuss. Leider ist die Umsetzung des Thema Belichtungsmessung hier sehr unkonventionell, nicht aber sehr überzeugend gewählt. Bei dieser App macht man zunächst ein (temporär gespeichertes) Foto. Zu diesem Foto zeigt Lightmeter dann die Belichtungswerte (EXIFs) an und erlaubt es anschliessend, an den einzelnen Parametern (Zeit, Blende, ISO) zu drehen. Ein ausgewählter Wert (wieder: Zeit, Blende oder ISO) wird dann entsprechend von der App nachgeführt. Ausserdem erlaubt die App einen Blick aufs Histogramm. Kein verkleinerbarer Messbereich, schon gar keine Spotmessung, keine Livemessung. Keine besonders lohnende App.

Fazit

Meine Favoriten sind ausgerechnet die unbekanntesten Apps ‚Fancy Light Meter‘ und ‚iZoner‘. Beide bieten das, was man von einem solchen Programm erwarten sollte: Schnelle Hilfe dabei, Eine Lichtsituation im ganzen zu erfassen und eine Grundlage für bewusst belichtete Aufnahmen zu liefern. Die Messgenauigkeit ist dabei logischerweise begrenzt, klar am besten misst iZoner in der Spoteinstellung. iZoner ist daher mein Tipp.

Große Vorsicht gilt es bei allen anderen Apps, gegenüber Messwerten in den Lichtern walten zu lassen. Hier greifen alle Apps zu sehr langen Zeiten, die ein Ausbrennen der Lichter (z.B. bei Diafilm) provozieren können. Helle Flächen bei denen noch Zeichnung erhalten bleiben soll würde man normalerweise knapp 3 Blendenstufen überbelichten. Hier sollte man wegen der Messgenauigkeit höchstens noch eine bis 2 Stufen überbelichten (Ausnahme, wie gesagt: iZoner). Die Messwerte für Mitteltöne und Schatten ‚passen‘ dagegen mehr oder weniger gut und werden in allen Fällen eine brauchbare Belichtung ergeben.

LightMeter ist für mich der Flop dieses Verleichs. Ein Histogramm ohne Skala, eine Belichtungsmessung nur als Matrixmessung über die ganze Fläche und keine Livemessung. Das sind zu viele Haken, trotz der Verwandschaft zu Photo Buddy.

Die beiden anderen Belichtungsmesser sind sich – abgesehen von der optischen Gestaltung – relativ ähnlich. Der eine ist hübscher, der andere etwas genauer. Das schenkt sich wenig.

Was ein Belichtungsmesser natürlich nicht leisten kann, ist die Interpretation der gemessenen Werte und die Auswahl einer guten Belichtung. Das macht den Reiz der manuellen Fotografie aus und ist Thema für ganze Bücher. Für viele Bücher…

NACHTRAG: Hier geht es weiter!

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  4. Ganz toller Artikel von dir. Da weiß man wenigstens, auf welche Apps man direkt verzichten kann. Da hast du dir schon sehr große Arbeit gemacht, aber dafür bin ich echt dankbar. Hier schaue ich ganz sicher in Zukunft häufiger vorbei.

  5. Super Artikel und Test. Ich war ja bis jetzt nicht so von den Apps überzeugt aber werde mir mal iZoner anschauen. So für die spontane Messung scheinen die Sachen ja ganz gut zu sein.
    Ich verwende für viele Sachen das Lumu und bin sehr begeistert davon. Klar es ist halt ein zusätzliches Gerät was man noch dabei haben muss.

    VG

  6. Großartige Zusammenfassung!

    Ich verwende seit einiger Zeit die LUXI App zusammen mit dem Kalottendiffusor für die iPhonekamera. Krass, wie gut sich damit arbeiten lässt. Das Messen mit dem iPhone ist natürlich schlecht mit einem richtigen Belichtungsmesser wie meinem Sekonic zu vergleichen, aber da man sein Telefon in der Regel immer bei sich hat, ist das oft eine sehr praktikable und kompakte Alternative.

    Falls erlaubt: in meinem Blog habe ich ebenfalls einige (kostenlose) Apps getestet und zusammengefasst.

    VG Dominik

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