[The big twin] Cosyspeed Streetomatic

Seit letztem Jahr benutze ich eine Cosyspeed Camslinger. Die immer noch unkonventionelle Tasche hängt wie ein Revolverholster unter der Hüfte und bietet lässig genug Platz für eine kleine spiegellose Kamera mit Zubehör. Kamera und Zubehör sind schneller griffbereit als in einem Rucksack und sind besser geschützt als etwa eine nackte Kamera am Sunsniper Gurt (den ich trotzdem auch regelmäßig verwende). Noch aus dem Urlaub an der Nordsee hatte ich letztes Jahr darüber geschrieben, warum das so ist, was diese Tasche für mich so besonders macht und was man an ihr noch verbessern könnte. Aus meiner Sicht.

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-5

So habe ich Thomas Ludwig kennengelernt. Thomas ist der Mann hinter Cosyspeed. Er hatte meinen Artikel gelesen, kommentiert, mir irgendwann mit einem verlorenen Teil der Tasche aus der Patsche geholfen und mir nun angeboten, seine neueste Tasche auszuprobieren. Was mich alles sehr freut! Das hier ist also kein ‚gear acquisition syndrome‘-Artikel, denn ich habe nichts gekauft. Die Tasche war geliehen.

‚Speedomatic‘ heißt die neue Tasche und richtet sich ganz bewusst an die nächst größere Kameragattung: Spiegellose mit elektronischem Sucher, kleine Spiegelreflexkameras oder eine der guten neuen Bridgekameras, die es nun wieder gibt. Meine ältere Camslinger konnte man mit dem eigenwilligen und einzigartigen, rundumlaufenden Klettsystem auch für diese Kameras passend ‚dick‘ machen, die Streetomatic ist es ganz ohne diese Verstellmöglichkeiten. Dünn ‚kann‘ sie also nicht: sie bleibt immer der ‚dicke Zwilling‘.

Die neue, unveränderliche Größe hat Vor- und Nachteile: Klar, die Tasche ist größer und sie ist sogar leichter. Aber leider ist sie eben auch größer und leichter. 😉 Ernsthaft: Das Ding ist so riesig, dass man problemlos selbst eine 2-äugige 6×6 mit Zubehör hineinbekäme. Das möchte ich dann aber nicht mehr an der Hüfte tragen. Und leer ist sie so leicht, dass – zumindest gefühlt – ein Stück der Robustheit eingebüßt wurde. Ob das sich tatsächlich negativ auswirkt, müsste man über eine längere Zeit testen. Tatsache ist, dass man bei Cosyspeed natürlich auch in dieser Tasche steife Zwischenlagen zwischen Futter und Obermaterial nähen lässt. Vermutlich also wirklich nur Gefühlssache.

Wo wir beim Fühlen sind: Das neue Obermaterial und das Futter fühlen sich sehr sehr angenehm an, der Deckel wird von 2 sehr weichen und anschmiegsamen Seitenklappen eingefasst, die sich beim Schließen der Tasche widerstandslos über die Kamera falten. Seitlich an der Tasche befinden sich nun jeweils zusätzlich Außentaschen. In die eine passt ein Smartphone, in die andere zum Beispiel Filter, Akkus und Speicherkarten. Die Tasche ist in Blau oder Khaki zu haben, in diesen Farben wird sie zum Retrolook vieler aktueller Kameras passen. ‚Mein‘ Exemplar war schwarz. Es handelt sich dabei um eine Sonderserie, die den Namen von Thomas Leuthard trägt. Der schweizer Straßenfotograf hat Wert darauf gelegt, auch alle grünen Cosyspeed-Etiketten wegzulassen um die Tasche unauffälliger zu machen. Ich persönlich finde das schade. Für mich gehören diese dezenten Markierungen zum optischen Erscheinungsbild der Marke. Mehr sogar, als das aufgestickte Logo.

Und es gibt noch etwas, das für mich zum Markenkern von Cosyspeed gehört: der unkonventionelle ‚Zug-Druck-Knopf‘ des ersten Modells. Ihn gibt es bei der Streetomatic leider nicht mehr. Stattdessen findet sich dort – auch Retro – eine Schnalle wie vor 40 Jahren an meinem Schulranzen. Sie ist sehr praktisch, ohne Zweifel. Aber im Vorserienmodell klapperte sie hörbar beim Gehen. Thomas hat mir auf Nachfrage versichert, dass das Klappern bei der Auslieferung der Tasche im Januar behoben sein wird.

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-3

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-1


Die ‚Streetomatic‘ ist ein Indiegogo-projekt, das noch wenige Tage (bis 15. Oktober) läuft. Der Grundpreis beträgt dort nur 55,- EUR (blau / khaki). Später wird sie dann ’normal‘ vertrieben und wird knapp 70,- EUR kosten. Die Thomas Leuthard-Version ist 10,- EUR teurer. Dieser Mehrpreis fließt aber komplett in ein Straßenkinderprojekt in Burundi. Super! Die Tasche kommt natürlich mit einigen Klett-Trennwänden zur inneren Organisation, mit der typischen ‚Fingerschlaufe‘ von Cosyspeed, mit der man die Kamera besonders leicht und sicher aus der Tasche angeln kann und mit einem Regencover nach Duschhaubenprizip, das wohl am ehesten für wirklich heftigen Regen gedacht sein wird. An den Inhalt der Tasche kommt man dann allerdingss nicht mehr ran. Die Preise machen klar, dass die Tasche nicht zuletzt auch als preiswerterer Einstieg gedacht ist. Meine ’normale‘ Camslinger 160 kostet aktuell knapp 90 EUR.

Mein Fazit: Die ‚Streetomatic‘ kommt mit Außentaschen, Farbgebung, Material und Details (Schnalle) insgesamt deutlich ‚traditioneller‘ daher als die älteren Cosyspeed-Modelle. Mir persönlich gefällt das funktionelle, moderne Design der ‚Camslinger‘ aber immer noch besser. Der neue ‚dicke Zwilling‘ ( 😉 ) bietet dafür zu einem deutlich niedrigen Preis einen tollen Gegenwert und ohne Einschränkung den gleichen Tragekomfort! Wenn man die Tasche als Slingtasche verwendet (eine Gurtverlängerung gibt es dazu inzwischen auch zu kaufen), kann ich mir gut vorstellen, dass der leichte Retrostil sogar unauffälliger und modischer wirkt. Die Größe der Tasche sehe ich ein wenig kritisch. Klar, es passt viel rein. Wenn man aber nur eine kleine Kamera transportieren will, ist die Tasche aber eindeutig zu groß. Und wenn man die Größe ausnutzt, wäre sie mir wohl zu schwer: Meine Experimente, die K-5 an der Hüfte zu tragen habe ich jedenfalls wieder eingestellt. Ich schätze, für eine FZ1000, eine Fuji X T10, Olympus OM-D oder Sony A7 wäre die Tasche wohl perfekt. Alles was leichter als eine K-5 aber größer als eine NX 300 ist 😉

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Boah! Du durftest schon mal spielen? Cool! Ich muss noch bis Januar warten… 🙁

  2. Hallo Stefan,
    danke für den Bericht. Ich wollte gerade Fragen, ob Du abschätzen kannst, ob von der Größe eine Sony A7 hineinpasst. Da ich gerade auf der Suche nach einer Hüft-Tasche / einem Hüft-Holster für meine A7 bin, ein zeitlich passender Hinweis.
    …doch jetzt habe ich einfach mal auf der Homepage geschaut, und was soll ich sagen, die „Produktbilder“ stellen eine A7 dar. Perfekt.
    Was mir aber noch einfällt: Die Tasche ist fest mit dem „Gürtel“ verbunden, richtig? Ich suche etwas, dass ich ggfs. am Beckengurt unserer Kinderkraxe anbringen kann…

    Grüße,
    Andreas

  3. Hey, Andreas! Ja die Tasche ist fix am Gurt. Das ist aber auch gut so. Der Witz an der Tasche ist ja, dass sie sehr tief auf der Hüfte hängt. Das könnte man zwar sicher mit einer aufschiebbaren Tasche lösen aber das liegt dann vermutlich nicht so glatt und drucklos an. Ob sich das it einer Kinderkraxe verträgt müsste man wohl einfach mal testen. ..

  4. mich würde auch interessieren,wie es sich verhält in combi,mit einem Rucksack.

  5. Ich gehe fast jeden Tag etwa 4,5 Kilometer zur Arbeit. Mit Walkingstöcken und mit einem 35-Liter Rucksack. Ich bin nicht unbedingt klein (knapp 1,90 m) aber so ein Rucksack sitzt mit seinem Hüftgurt auf (!) der Hüfte. Die Cosyspeed-Tasche trage ich tiefer. Die beiden Taschen kommen sich nicht ins Gehege. Und trotzdem wurde ich beides nur kombinieren, wenn das nicht der Regelfall ist. Irgendwann würden einen all die Gurte und Schnallen aber bestimmt stören.

    Meine Einschätzung:

    Bei Daypacks ohne Beckengurt und schlanken Wanderrucksäcken, die eher einen Bauch- als einen Beckengurt haben, sehe ich überhaupt kein Problem. Null. Das geht auf jeden Fall, ist praktisch und komfortabel. Die Tasche entlastet in diesem Fall einfach den Rucksack und damit auch den Rücken. Außerdem hat sie alle Vorzüge, die ich in meinem älteren Artikel (zur Cosyspeed Camslinger) genauer beschrieben hatte: Man kann sie je nach Situation an anderen Körperstellen tragen, im Sitzen anbehalten (Sicherheit) und bequem nach vorne holen, um zu ‚kramen‘, wenn nötig.

    Bei größeren Rucksäcken, bei denen man tatsächlich auch mal Last auf die Hüfte bringen will (siehe auch die Frage nach der Kindertrage von Andreas) würde ich die Cosyspeed-Tasche nur in Betracht ziehen, wenn der Rucksack ein Mittel ist, um seinen Gepäck gezielt von A nach B zu transportieren (z.B. beim Rucksackreisen). Die Tasche und den Rucksack aber grundsätzlich gleichzeitig zu benutzen (wenn der Weg das Ziel ist, z.B. beim Wandern) könnte irgendwann lästig werden.

    Hilft Dir das?

  6. Hiho, nochmal ich ;o)

    Den letzten Satz von Stefan, und Zitat „trotzdem wurde ich beides nur kombinieren, wenn das nicht der Regelfall ist“, kann ich nach einem einfachen Test am Wochenende nur bestätigen. Wie angedeutet habe ich eine Kinderkraxe, mit der ich am Wochenende recht oft mit dem Zögling unterwegs bin. Durch den Beckengurt, der den Rucksack/Kraxe, ja dann doch recht tief auf das Becken bringt, und der Kombination dass ich fast nur Frontal eine zusätzliche Tasche anbringen könnte, ist mehr als suboptimal beim (längeren) Wandern.

    Ich hatte es testweise mit einer Art Schlaufe probiert, welche am Hüftgurt die Kamera getragen hat. Wie beschrieben, leider fast schon zu Frontal. Ich überlege mir gerade eher etwas, wie man die Kamera auf Handhöhe, seitlich an der Kraxe anbringen kann, das man beim gehen nicht gestört wird, aber auch Notfalls einfach auf die Kamera zugreifen kann.

    Unabhängig davon werde ich mir die Cosyspeed im Auge behalten. Aktuell nutze ich eine kleine „Freitag“-Tasche, welche aber wiederum leider keine Hüfttrage zulässt…

    Grüße,

    Andreas

    P.s.: Respekt übrigens für die 4,5km gelaufene Arbeitsstrecke. Als A8-Pendler (KA-BB) ist das ja richtig zu beneiden… !!!

  7. ‚A8-Pendler‘ klingt auch wirklich nicht erstrebenswert für mich, Andreas. Aber das Gehen muss Dir keinen Respekt abringen. Es ist ein Luxus, den ich mir leiste. Ein Genuss. Ich werd‘ wohl die Tage mal einen schnellen Blogbeitrag dazu machen 😉

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