[Samsung NX 1000] Der DSLR-Schreck

Ich befasse mich mit Bildern und mit dem Bildermachen. Aber ich mache auch kein Geheimnis aus meinem Spaß an der Technik, an unseren kleinen ‚Spielzeugen‘. Kürzlich habe ich sozusagen meine alte Samsung GX 10 gegen eine nagelneue NX 1000 eingetauscht. Eine kleine leichte Systemkamera mit satten 20 MP auf einem APS-C-Sensor aus hauseigener Fertigung von Samsung. Die Infrastruktur für ‚echte‘ Kameratests fehlt mir komplett. Vor allem aber fehlt mir auch jede Lust, mich mit der Anfertigung und Auswertung von standardisierten Testbildern oder dergleichen abzugeben. Und nicht zuletzt kann ich nur über Kameras schreiben, die ich vorher selbst kaufe. Es wäre ein teures Vergnügen, das nur einem Test zuliebe zu tun. Also lasse ich den Anspruch eines objektiven Vergleichstests beiseite. Stattdessen schreibe ich lieber, wie es mir in der Praxis bisher mit der neuen ‚Kleinen‘ erging.

NX 1000-3 AusschnittSchwarzweiß (fast) direkt aus der Kamera (verkleinert, beschnitten, leicht geschärft)

Immer dabei

Ich hatte sie im Urlaub dabei und sie hat der DSLR das Leben ordentlich schwer gemacht. Und mir das Leben leicht. Statt des SunSnipers mit einem knappen Kilo Pentax dran (was ja ohnehin schon nicht übertrieben viel ist), trage ich die kaum spürbaren 300 Gramm Samsung in der Umhängetasche oder sie hängt spielerisch auf den Fingerkuppen. Ich habe der NX 1000 eine dünne Handschlaufe verpasst, wie man sie normalerweise nur für die üblichen Minikameras verwendet. Der gut ausgeformte Griffwulst tut ein übriges: Kompaktkamerafeeling. Im Urlaub war es ganz schnell so weit, dass die K-5 Stubenarrest hatte und nur die NX unterwegs war. Nicht an den Tagen, an denen ich bewusst ‚zum Fotografieren‘ gegangen bin. Aber an allen anderen. Mit den Kindern im Schlepptau, beim Bummeln, am Strand. Sogar der kleine Aufsteckblitz hat seine Sache mit einem kleinen Basteldiffusor aus Papier ganz gut gemacht.

Bilder hier völlig unbearbeitet, lediglich verkleinert oder als 1:1 Ausschnitt beschnitten.

Was sie besser können könnte

Bei all diesen Gelegenheiten macht die Kamera eine hervorragende Figur. Sie ist intuitiv bedienbar, sie ist schnell und die Bilder sehen am Kameramonitor direkt mal unfassbar scharf aus. Das ist – wie sich später am PC zeigt – ein kleines bisschen auch dem sehr hochauflösenden Monitor und vermutlich den zugrundeliegenden Schärfungsalgorithmen in der Monitoranzeige geschuldet. Die Bilder sehen auf der Kamera immer noch schärfer aus, als sie ohnehin schon sind. Macht aber nix, sie sind auch am PC knallvoll Details. Neben der ‚Marotte‘, fast zu gut zu sein, hat der Monitor aber auch eine echte Schwäche: Er ist nicht besonders hell. Die Helligkeitseinstellung im Menü bringt jenseits des Standardwerts kaum noch Gewinn und der Standardwert selbst ist bei ‚blendenden‘ Lichtverhältnissen im Freien leider nur noch als Schätzhilfe geeignet. Kompaktkamerafeeling also auch hier. In diesem Fall: Leider.

Die Bildqualität ist, selbst mit dem 20-50 mm Kitobjektiv, einfach nur beeindruckend. Die 20 MP sind hier keine Behauptung, sie werden auch tatsächlich bedient. Die Kombination liefert Auflösung satt bis in die Bildecken. Zur Strafe sind die RAW-Files gigantisch groß und bremsen die Kamera beim Abspeichern massiv aus. Für mich ist die NX1000 eine jpg-Kamera. Da schmerzt es etwas, dass man in den Einstellungen die Rauschunterdrückung nicht wirksam steuern kann. Und dass die Individualisierungsmöglichkeiten in den Bildstilen sich auf doch nur sehr wenige Punkte beschränken. Vier Schieber für Farbe, Sättigung, Schärfe und Kontrast. Na ja.

Der Autofokus sitzt (fast) immer. Jedes Einjustieren des Objektivs (wie man das von der DSLR kennt, um Back- oder Frontfokus auszuschließen) entfällt (systembedingt) komplett. In der Praxis unterscheidet sich der AF nicht relevant von dem der K-5. Beide teilen auch die Abneigung gegen das kontinuierliche Fokussieren. CAF ist hier wie dort kein Spaß. Die Größe des AF-Feldes ist steuerbar, es kann verschoben werden (ist mir in der Praxis zu mühsam) und alternativ steht ein Multipunkt-AF oder eine Gesichtserkennung zur Verfügung.

Das Sucherbild lässt sich durch eine (übrigens ganz einfach justierbare) zweiachsige Wasserwaage ergänzen. Überhaupt lässt sich die Bedienbarkeit mit der iFn-Taste am Objektiv und dem zugeordneten Drehring auf die eigene Vorlieben anpassen, rund ums Steuerkreuz steht ein zweiter Drehring zur Verfügung. Die Trennung von Fokussierung, Belichtungsmessung und Auslösung (Arbeitsweise ‚Back-Button-Focus‘) ist mir aber noch nicht gelungen. Mal sehen, ob ich dafür noch einen praktischen ‚Workaround‘ finde.

Die Untiefen der Einstellungsmöglichkeiten im Menü und an den dezidierten Drehschaltern und Knöpfen habe ich noch nicht mal andeutungsweise ausgelotet. Allein schon die Sektion ‚WiFi‘ ist riesig, hinzu kommen allerlei mehr oder weniger sinnvolle Automatiken, Videoeinstellungen, Belichtungsreihen, Serienaufnahmen und Bearbeitungsmöglichkeiten. Für Übersicht sorgt dagegen das Funktionsmenü, das auf einem übersichtlichen Monitorbild alle im täglichen Gebrauch relevanten Einstellungen zulässt. Von den vielen Zusatzfunktionen benutzt, habe ich bisher vor allem die Panoramafunktion. Leider werden die Panos nur etwa 6 MP groß, was die Sinnhaftigkeit schon wieder etwas in Frage stellt. Viel Spaß macht mir dagegen die Funktion mit den 3D-Schwenkpanos. Das funktioniert ausgezeichnet und da ist mir dann auch die beschränkte Auflösung schnuppe.

Fazit

Was die NX 1000 zum aktuellen Preis an Bildqualität (!), Funktionalität und Handhabbarkeit bietet, ist über Zweifel erhaben. Eine perfekte Ergänzung zur DSLR mit ausgeprägter Neigung, sie in vielen Situationen sogar besser zu ersetzen. Natürlich nicht in allen. Meine ursprünglichen Vorbehalte wegen Haptik und Material der Kamera haben sich in der Praxis nicht bestätigt. Das Objektiv wirkt etwas klapperig, der Rest ist aber ergonomisch und ausreichend solide. Ich werde das Ding so schnell nicht wieder hergeben, das steht fest!

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.