[i.A.] geschäftlich

Fotografie ist mein Hobby. Ich habe keine Ambitionen das zu ändern. Und gleichzeitig probiere neue Sachen (und mich) gern aus. Als mich eine liebe Freundin gefragt hat, ob ich schon mal Businessportraits gemacht hätte, war die Antwort also zweiteilig. Nein. Bisher hatte ich das nicht. Aber ja. Probieren würde ich es schon. Meine einzige Bedingung war: wenn die Bilder nichts werden, wirf sie einfach weg und ärgere Dich nicht. Faire Sache, hoffe ich.

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Getroffen haben wir uns auf einer weitgehend fertiggestellten Baustelle. Ich hatte gehofft, dort helle, leere Räume zu finden und das war zum Glück auch so. Als Ausrüstung erschien mir hier einzig und allein die DSLR sinnvoll. Also war die K-5 im Rucksack, das 1,4/55, das 2,8/35 und ein Blitz. Und das hat auch gereicht. Die Belichtung habe ich manuell auf den Hautton abgestellt (Spotmessung, +1 EV). Überstrahlte Unschärfe im Hintergrund war dabei einkalkuliert. Ich mag diesen hellen Look und er passt eben auch gut zum Thema. Überhaupt, das Thema: Als ich damals für Freunde die Hochzeitsfotos gemacht habe, hatte ich mich ’schamlos‘ dadurch vorbereitet, seitenweise Hochzeitsfotos anzusehen und mir bei Bildern die mir gefallen in groben Zügen die Komposition aufzunotieren. Zum Nachmachen. Ganz so weit bin ich diesmal nicht gegangen. Ich hatte schon so eine Ahnung, dass das mit Christine sowieso nicht nötig sein würde. Sie weiß, welche Wirkung sie auf Bildern hat und das macht es mir natürlich leicht. Reingelesen / reingeschaut habe ich mich also vor allem in die Stimmung von Businessportraits, nicht in so Dinge wie ‚Posing‘ und dergleichen. 

Für mich war das Ergebnis: Geschäftliche Bilder dürfen Raum atmen. Portraits die aussehen wie Bewerbungsbilder vor einer runtergerollten  Fototapete sehen für mich genauso sinnbefreit aus wie solche, bei denen jemand hinter (s)einem Schreibtisch hockt oder gequält einen aufgeklappten Laptop herumträgt. Ich mochte stattdessen vor allem die Bilder, in denen man große Räume spürt, natürlich ohne sie ‚buchstäblich‘ auch zu sehen. Das diffuse Gefühl von Raum, das sich zum Beispiel aus der Qualität des Lichts ergibt, ist etwas das mich inzwischen seit Jahren interessiert und begleitet. Das wollte ich hier versuchen. Zumal Christine und ich das gleiche studiert haben und ‚Raum‘ da sozusagen das ‚Business‘ schlechthin ist. Ob es gelungen ist, dürft Ihr selbst entscheiden. Spaß hat es jedenfalls gemacht. Uns beiden, denke ich…

Womit ich nicht zufrieden bin: Als Einzelbild kein Problem, in der Serie aber inkonsistent und störend sind der wechselnde Weißabgleich und die uneinheitlichen Hauttöne. Ich habe teilweise geblitzt, teilweise hatte ich Oberlicht, teilweise Seitenlicht. Mal bedeckten Himmel, mal Sonne, mal grünes Licht von Bäumen. Um die Hauttöne in einer durchgehenden Serie einheitlich zu halten fehlt mir in diesem Fall mindestens eine Graukarte für den genauen Weißabgleich vor Ort (oder wenigstens als Referenz für die Nachbearbeitung). Mindestens. Oder halt eine kleine Blitzanlage. Aber damit wäre meine Einleitung in Sachen Raum und Lichtqualität womöglich hinfällig. Außerdem ist es ein Hobby. Und ich habe keine Ambitionen das zu ändern 😉

 

[Drucken macht glücklich] Größer drucken macht glücklicher

Die letzten beiden Beiträge drehten sich nun schon um das Entstehen nur eines Bildes und dieser Text tut das auch noch mal. Ich hab es schon oft geschrieben: Bilder müssen auf Papier. In diesem Fall ist das Papier nun Leinwand. Aber eins nach dem anderen.

Schon bevor wir dieses Mal in den Schwarzwald gefahren sind, war mir klar, dass ich ein großes Bild für die Wohnzimmerwand machen wollte. Groß in der Dimension und dafür – so weit es mir möglich ist – auch einigermaßen ‚groß‘ im Inhalt (was nicht mehr bedeuten soll, als dass ich von vorneherein keinen Schnappschuss für die Wand ‚aufmöbeln‘ wollte). Die Technik und die Idee hab ich ja schon beschrieben. Und der Familienrat war dann am Ende auch einverstanden damit, sich dieses Bild nun mal einige Zeit in der Wohnung ansehen zu wollen. Nur wie?

Das Ziel war es, das Bild in einem einigermaßen raumfüllenden Format zu drucken. Leider stellt man ziemlich schnell fest, dass das kein billiger Spaß ist. Die preiswerteste Methode für sehr große Formate sind Leinwanddrucke. Dibond, Forex, Acryl, alles was ich sonst gerne mache ist viel zu teuer, wenn man ein Format von wenigestens 150 cm Breite anstrebt. Leinwand geht. Nach einiger Recherche habe bin ich auf den Anbieter fotofox gestoßen, der einerseits ein paar ordentliche Tests aufweisen kann und andererseits eher auf der preiswerten Schiene anbietet. Im Rahmen einer kleiner Rabattaktion konnte ich das Bild in imposanten 180 x 60 cm für rund 90,- EUR drucken lassen.

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Vor dem Druck habe ich das Bild mittels Softproof in Lightroom neu abgemischt. Auf Anfrage bei fotofox wurde mir dafür sogar die passende icm-Datei für Lightroom zugeschickt. Überhaupt war der Kontakt zu fotofox immer sachlich und freundlich. Eine automatische ‚Optimierung‘ bietet Fotofox erst gar nicht an. Und das ist gut so!

Nach einigen Tagen gespannten Wartens (11 Tage, um genau zu sein) stand heute nun ein ziemlich überdimensioniertes Paket vor der Tür. Die Verpackung hatte ein hässliches Loch, der unbekannte Fremdkörper hat das Bild in der Packung aber um Haaresbreite verfehlt. So kam es trotzdem ohne Blessuren bei mir an. Zu meiner großen Freude passen die Lichtwerte und die Farben sehr gut. Nichts ist abgesoffen, ausgebrannt ist nur das, was ausgebrannt sein soll. Das Grün ist warm und leuchtend, das Bild ist reich an Details, hat satte Tiefen und ein edles mattes Finish.

Der niedrige Preis hat natürlich auch Folgen: Keine Versiegelung schützt die aufgespritzten Farben. Wasserspritzer hätten verheerende Folgen, wie ein Wischtest an der Rückseite zeigt. Der Keilrahmen kommt ohne Keile, ohne Filzpuffer zum Schutz der Tapete, ohne Aufhänger. Ziemlich ‚pur‘ also. Ich schätze mal, so wird das Bild nicht ewig halten. Aber was ist schon für die Ewigkeit… 🙂

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Pointe zum Schluss: Trotz des Verbesserungspotezials bei der Endverarbeitung ist das Bild sehr nahe an dem, was ich mir vor einigen Wochen als Ziel gesetzt habe. Nur eines nicht: Für das Wohnzimmer war das Bild immer noch zu klein. Nun hängt es über dem Esstisch und passt dort als wäre es nie anders geplant gewesen 😀

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[Eine Idee machen] Sandmännchen

[Eine Idee -noch besser- machen] mutig im Märchenwald-1

Am Ende wollte doch noch jemand mit auf’s Bild. Das ist also das Endergebnis der Idee, die ich in diesem Urlaub machen wollte. Ursprünglich hätten es einfach nur zwei Kinder Hand in Hand werden sollen, das kleinere davon mit einer Puppe in der Hand. Die Kinder eher heller, der Wald eher dunkler. Das Ergebnis entspricht also nicht ganz dem Plan. Das macht aber nichts, Offenheit und Flexibilität gehören schon dazu. Im Grunde war ich mit dem Ergebnis ohne Kinder auch schon zufrieden, allerdings gebe ich zu: Das war nicht unbedingt ein Bild, das man sich ins Wohnzimmer hängt. Dieses hier schon.

[Eine Idee machen] Märchenwald

Märchenwald_cr_Website

Ich dachte, ich liefere mal einen ‚proof of concept‘ zu meinem Artikel über Kreativität. Das geht dann am besten, wenn man seine Komfortzone verlässt (alter Hut). In meinem Fall bedeutet das zum Beispiel: Das Inszenieren von Fotos.

Meine erste Idee war eigentlich (ganz profan) ein Landschaftsbild unseres Dauerurlaubsziels Schwarzwald für die heimische Wohnzimmerwand. Dann habe ich begonnen, an der Idee zu Zupfen und zu ziehen, um zu sehen, was draus wird. Die erste Ecke an der ich zog war die Bildwirkung. Ich wollte eine große Tiefe durch eine besonders geringe Tiefenschärfe. Damit war als schon mal die Brenitzermethode gesetzt. Das Bild oben ist aus sagenhaften 130 Einzelaufnahmen zusammengesetzt (allerdings ist das nur ein Ausschnitt des gesamten Panoramas. Ich denke mal, so etwa 75 Bilder werden mindestens wirklich verwendet worden sein). Der zweite Gedanke war es, meine Süßen ins Bild zu nehmen und ein Bild über Angst und Mut draus zu machen. Als das ‚Personal‘ mir allerdings die Gefolgschaft verweigerte, blieb von dieser Idee nur die etwas abseitigere Hälfte übrig. ‚Märchenwald‘ wurde das Motiv.

Einen vorzeigbare Vorläufer zu diesem Bild gibt es auch und ich überlege sogar die beiden Bilder unmittelbar übereinander als Doppelbild auszubelichten. Der untere Teil sähe dann so aus:

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Die Bilder sind übrigens nur gestitched und beschnitten. Eine Nachbearbeitung hinsichtlich der Farben oder der Belichtung habe ich (noch) nicht vorgenommen. Das Ergebnis ist mir deshalb auch noch zu kalt und verträgt noch etwas Differenzierung. Die verwendete Kamera ist die Pentax K-5 mit dem in meinen Augen großartigen DA* 1.4/55. 

[Über Kreativität] Ein Märchen vom Druck und vom Ventil

Das Hobby Fotografie habe ich mir zugelegt, als ich meine berufliche Aufgabe vom eher entwurflich geprägten Arbeiten mehr zur Realisierung von Gebäuden verlagert habe. Die Kreativität, so hab ich das immer formuliert, hat sich ein neues Ventil gesucht. Aber stimmt das? Ist Kreativität etwas, das in uns kocht und einen glatt zum platzen bringt, wenn es nicht raus kann? Ein schönes Bild ist das ja. Nur ist es leider mindestens unvollständig.

 

Was ist also ‚Kreativität‘? Zunächst mal bedeutet das Wort einfach Schöpferische Kraft. Kreativ ist man, wenn man Ideen hat und diese gestalterisch verwirklicht. Sich das klar zu machen nimmt schon mal etwas Druck aus dem Kessel. Kreativität bedeutet nämlich nicht notwendigerweise, dass das was man macht unbedingt bahnbrechend, atemberaubend und völlig neu sein muss. Einfach nur eine Idee machen. Das klingt realistisch.

Als Architekt – um (m)ein Beispiel außerhalb der Fotografie zu wählen – bewegt man sich in einem engmaschigen Netz von Vorgaben und Zwängen. Ausgehend von den Bedürfnissen und Wünschen des Bauherrn spannt es sich vom Baurecht zu den Kosten, von der Erschließung zur Baukonstruktion und von Materialien bis zu den Terminen (um nur ein paar wenige Stichwörter fallen zu lassen). Die Kreativität des Architekten findet innerhalb dieses Netzes statt. Er kann es nicht ignorieren. Vielleicht kann er es an der einen Stelle etwas dehnen oder an einer anderen ein Stück weiterweben. Nur wenige verlassen es aber ganz. Indem sie Ideen formulieren, ohne den Anspruch sie auch zu bauen. Vordenker und Visionäre. Bei Ihnen findet das Machen aber immer noch statt, wenn schon nicht in Form von gebauter Realität, dann doch in Wort und Zeichnung. Oft gelten sie damit als die kreativsten Köpfe und prägen das, was allgemein unter Kreativität verstanden wird. Ist das eigentlich richtig?

Zunächst mal möchte ich unterstreichen, dass dieses freie, von der Realisierung abgekoppelte Vorwärtsdenken in meinen Augen geradezu unverzichtbar ist. Ohne dieses Prinzip des offenen, hinterfragenden und Zwänge negierenden Forschens würden wir noch in Höhlen leben. Und gleichzeitig ist es nicht weniger kreativ, sich innerhalb des Netzes zu bewegen. Eher im Gegenteil. Im Bereich der Fotografie ist es geradezu unumgänglich:

Eine Idee machen. Wenn man Kreativität auf diesen Nenner bringt, ist es der nächste Schritt, sich das Machen und die Idee näher anzusehen. Zum Machen in der Fotografie gehört alles das, was uns Fotofreunde ja immer ganz besonders umtreibt: die Technik und die Techniken.

Von der Kamera bis zur Bildgestaltung, von Stativ und Blitz bis zur Präsentation oder dem Druck, von der Belichtung bis zur Gewichtung.  Alles von der Beherrschung der Ausrüstung bis zur Beherrschung von Genre, Komposition, Licht und Moment gehört zum Machen. Das ist hier das Netz, in dem wir uns bewegen. Ein solches Netz engt (mich) nicht ein. Letztlich hilft es (mir) eher, eine Idee auszuarbeiten, auf den Punkt zu bringen. Das gilt für die Architektur und die Fotografie. Und da war auch schon das zweite Stichwort: Die Idee.

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Machen ohne Idee ist in meinen Augen eine Art Sport. Ein Krafttraining der Fertigkeiten, der Beherrschung der Technik und der Techniken. Training für die Schöpferische Kraft. Kreativ ist darauf aufbauend dann aber erst die Verbindung des Machens mit einer Idee. Das tückische an der Idee ist, dass sie hier erst nach dem Machen wirklich herzeigbar wird. Ideen zu beschreiben ohne sie zu realisieren gilt in der Fotografie nicht viel. Trotzdem funktioniere ich so, dass ich Ideen gerne mit Worten auf Papier untersuche, umkreise, abgrenze, zuspitze und ausarbeite. Oder sie wegwerfe. Ganz für mich allein. Das lebt aber sicher jeder anders. Die Methode ist egal, wichtig ist es, für sich selbst eine Idee zu entwickeln, welche Bilder man machen will. Bei manchem läuft das spontaner oder intuitiv, ich selbst nähere mich bei  wie gesagt eher ‚theoretisch‘ an. Ältere, mit Leben erfüllte Ideen gehen irgendwann ins Muskelgedächtnis über (Das Beitragsbild ist so ein Beispiel. Die Serie ‚Heimatfilm‘ hat längst tiefe Wurzeln geschlagen und läuft im Autopilot mit, selbst wenn ich nur ein paar Familienfotos schießen will).

Was sind Ideen?  Hier lauern üble Fallstricke. Die Suche nach eigenen Ideen öffnet das ganze Spektrum von Missverständnissen. Eine Idee ist nichts, was man in einem Blogpost oder in einem Buch finden kann (und gleichzeitig sind Blogposts und Bücher gute Auslöser oder Sprungbretter für eigene Ideen). Eine Idee ist nicht nur eine Idee, wenn sie noch niemand hatte (und gleichzeitig sind gute Ideen oft auch neu und unerwartet).

Die gute Nachricht: eine Idee ist besser als keine. Wir reden über Kreativität und da gilt dieser Satz. Auch im Kreativen gibt es blöde um noch blöderere Ideen aber so lange niemand zu Schaden kommt, ist das nicht schlimm. Häufiger als auffallend blöde Ideen sind schwache, mutlose, wenig originelle, nur nachahmende Ideen. Auch die tun nicht weh aber sie helfen der Kreativität nicht weiter. Und bei denen muss man aufpassen,  ob sie überhaupt schon Ideen oder noch Techniken sind. Ich zähle hier bewusst keine Beispiele auf, denn für den einen mag schon eine Idee sein, was für den anderen nur (noch) eine Technik ist. Das ist auch OK so. Verinnerlichte, eingeübte Ideen werden zu Techniken. Das ist das, was ich oben im Wort ‚Muskelgedächtnis‘ ausdrücke.

Ein Rezept für Ideen gibt es nicht. Ich kann nur von mir berichten und damit den Bogen noch mal zur Architektur schlagen: Die Antwort verbirgt sich in der Frage. Eine starke Idee für ein Gebäude steht immer mindestes mit einem Bein auf dem Fundament der Bauaufgabe. Was genau will der Kunde, was braucht er (das muss nicht unbedingt deckungsgleich sein), was bringt der Ort mit, was die Technik und was die Zeit, der Stil der Zeit, der Zeitgeist. Je genauer man fragt, je engmaschiger man das Netz webt, desto leichter findet man zu Konzepten. Und am Ende zu der einen Idee. Klingt nach Arbeit? Genau, das ist es. Es mag geniale Entwerfer (Fotografen) geben, denen die Ideen wie Sterntaler zufallen. Ich bin keiner davon. Und ich bin noch keinem begegnet, glaube ich. Das ist enorm tröstlich, oder? Es ist Arbeit, man kann Ideen erarbeiten. Man muss sie nicht einfach nur haben. Man ist nicht schlechter, wenn Ideen nicht von selber aus einem herausplatzen.

Und da sind wir wieder beim Druck und beim Ventil. Nein, die Kreativität ist nichts, was in uns kocht und uns zum platzen bringt, wenn wir ihr kein Ventil geben. Wir müssen ihr ständig einheizen, damit sie auf Temperatur bleibt. Mit dem Machen und mit Ideen.

Kreativität ist Arbeit. Der Kunde sind wir selbst (zumindest in der freien Fotografie). Fragen wir uns, warum wir (etwas) fotografieren wollen, dann sind wir den ersten Schritt auf eine eigene Idee zugegangen. Jetzt können wir damit weiter machen das spontan ‚gewollte‘ zu hinterfragen und uns dann darum kümmern, was das Sujet mit sich bringt, was die Technik und was die Zeit. Kreativität ist keine Gabe. Sie ist erlernbar und sie muss gepflegt und geübt werden. Und das ist doch besser als wenn sie ein Geschenk wäre, das man hat oder nicht hat. Leider ist es auch eine Ausrede weniger.

[Über Bildserien] Nachhaltige Waldwirtschaft

Ich hab’s erwähnt: Ich gehe. Zur Arbeit. Nicht nur morgen früh, wenn hier in Stuttgart Busse und Bahnen streiken sondern so oft wie möglich. Durch den Wald vor meiner Türe. Als ich darüber das erste Mal berichtet hatte, schrieb ich, zu gehen sei kein Fotoprojekt. Das ist so. Für heute vergessen wir das aber mal.

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Über das Für und Wider der Waldwirtschaft werde ich mich nicht auslassen. Wir sind auf den Rohstoff Holz angewiesen, er gilt als besonders nachhaltig und ökologisch. Dazu gehört es, dass er geerntet wird. Dass man das auch schonender machen könnte, steht auf einem anderen Blatt. Die Veränderung meines Wanderwaldes ‚wollte‘ deshalb unbedingt zu einer Bildserie werden.

Ich bin ja ein großer Anhänger des Fotografierens in Serien. Meistens nehme ich mir Serien vor, die über mehrere Wochen oder Monate, manchmal sogar Jahre tragen sollen. Machmal sind es kleine, in sich geschlossene Themen, die man an einem Tag beginnt und abschließt. Die kleine Reportage über Sammys Frisiersalon war so etwas. Oder heute eben Bilder von gefällten Bäumen. Warum liebe ich Serien?

Serien sammeln. Wenn eine Serie entsteht, dann hilft mir das, mir selbst über etwas klar zu werden. Man schnitzt alles überflüssige ab, schleift dran rum, pustet immer wieder den Staub ab und hat am Ende (im Idealfall) einen klaren Gedanken vor sich. Und nicht mehr unscharf in sich. Um das am Beispiel dieser Bilder hier festzumachen: Ich habe mich anfangs ungeheuer geärgert, dass ‚mein‘ Wald so zugerichtet wurde. Das war doch mein Wald, der hatte gefälligst so zu bleiben wie er war. Der Gedanke schlich sich seit Wochen immer wieder in meinen Kopf am Morgen. Nun wird das anders sein. Nun habe ich Ihn zu einer Bildserie gemacht, den Gedanken in Bilder gefasst und damit gewissermaßen für mich abgeschlossen.

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Serien erzählen. Ein einzelnes Bild kann das nicht. Oder nur sehr viel schwerer, lückenhafter, unvollständiger. Mit einer Serie kann man alle Seite eines Gedankens beleuchten. Wie Bäume zu Stückware werden. Wie die alten Baumriesen aus dem Dickicht junger dünner Stämmchen verschwinden. Wie die Erntefahrzeuge Breschen durch den Wald brechen. Wie der Wald dennoch bleibt, was er war. Oder es zumindest wieder werden wird.

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Serien kann man zeigen. Zumindest mir geht es so, dass ich (meine) Einzelbilder gerne als Stückwerk wahrnehme. Auch hinter berühmten, ikonenhaften Einzelbildern stehen meist Serien. Serien machen herausragende Bilder in meinen Augen erst möglich. Manchmal schafft man es in einer Serie ein einzelnes Bild zu treffen, in dem der ganze Gedanke spürbar wird, in dem die ganze Serie kondensiert. Das ist nicht die Regel. Schön wär’s. Aber die Serie ist die Voraussetzung, dass es ab und zu gelingt. Und wenn ein solches Bild nicht dabei ist, dann schafft es eine Serie vielleicht trotzdem noch, den Betrachter ein bisschen zu fesseln und mitzunehmen. Besser als ein einzelnes Bild.

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Ich könnte jetzt noch etwas zum Handwerklichen einer Serie schreiben. Über die Entscheidung für einen einheitlichen Bildstil, über Farben, Brennweiten, Schärfentiefen oder Bearbeitung. Das wäre einfacher, wenn ich mich hier in diesem Beispiel wenigstens auf ein einheitliches Bildformat festgelegt hätte. Ich hab es nicht getan weil ich situationsgebunden reagiert habe. Ich habe auch zwei Kameras mit zwei Brennweiten verwendet. Den Zusammenhalt suche ich in den Farben und der Wiederholung scheinbar gleicher Motive. Mehr nicht. Deshalb lasse ich das Handwerkliche heute einfach beiseite. 😉

[Ach noch was] f5punkt6 ist wieder da!

Jippiiie!

Und das Schönste: Christoph schenkt uns eine echte 2.0-Version: Ab sofort kann man sich selbst registrieren und den eigenen Blog eintragen. So wird f5punkt6 zu einem sich selbst aktualisierenden ‚Host‘ für deutschsprachige Fotoblogs. Kann zwar sicher auch ziemlich voll werden aber dafür wird es bestimmt auch frisch und bunt!

Die Registrierung ist momentan noch ziemlich BETA aber das wird schon noch 😉

[Spiel’s noch einmal, Sam!] Wahrzeichen zum Zweiten

Nach dem ersten, ziemlich vernebelten Anlauf, endlich wieder ‚das‘ Stuttgarter Wahrzeichen, den Fernsehturm zu erstürmen, habe ich gestern gleich noch mal nachgelegt. Wieder spontan, wieder ohne feste (fotografische) Vorsätze und diesmal mit meinem lieben ‚Blogger-Kollegen‘ Oliver aus München.

[been to] Wahrzeichen reloaded-3

Eigentlich standen wir – wenn man ehrlich ist – einfach beide auf dem Turm, haben die Aussicht genossen, geredet und ab und zu mal den Auslöser gedrückt. Oliver hat gerade als Gast in einem Podcast von Thomas Leuthard über ’sein‘ Thema gesprochen. Über das ‚Vier-Augen-Modell‘ von Wolfgang Zurmühle, über das wir uns auch schon mal intensiv unterhalten hatten. Das war ein Thema. Und wir haben über unsere Kameras getratscht (Oliver ist gerade vom Nikon KB-Format auf mFT umgestiegen, ich spiele immer noch sehr gern mit meiner unverschämt billigen Neuerwerbung Galaxy NX rum und lache gern und herzlich über ihre Macken und Verrücktheiten).

Ein paar Bilder sind auch dabei herausgekommen. Ich zeige die vor allem, um Lust auf einen Ausflug auf den Turm zu machen. Die Renovierung hat ihm nicht geschadet. Alles was liebenswert und altmodisch war, hat man erfreulicherweise nicht angetastet. Und das wichtigste – den Blick ins Land – hat gestern kein Nebel getrübt. Da hätte ein Teleobjektiv nicht geschadet. Aber das hatte keiner von uns dabei 😀 …

(Galaxy NX mit NX 20-50 und Nikon 1.8/50)

Ich mag es nicht verheimlichen: Eigentlich ist das ein Artikel, den ich nur schreibe, weil es einfach schön war, Oliver wieder zu treffen, weil es einfach schön ist, Euch Blogger, Leser und Kommentierer über das Schreiben kennenzulernen. Ihr seid toll! Und ich schreibe ihn, damit Ihr alle Olivers Gastspiel bei Thomas Leuthard anhört! 🙂

[twentyfive years] Troy

Ich denke, es müssten demnächst 25 Jahre sein. Seit dieser Zeit habe ich meinen Friseur nicht mehr gewechselt. Bin ihm von Laden zu Laden gefolgt, bis er endlich – vor Jahren schon – seinen eigenen aufgemacht hat. Da gehen wir längst alle hin. Meine Frau, meine Kinder, Freunde auch. Das fühlt sich immer ein bisschen an, wie in einem Film aus Brooklyn oder so. Wenn Sammy irgendwann seinen Beruf an den Nagel hängt, muss ich mir wahrscheinlich einfach auch ’ne Glatze zulegen. Besser kann’s eh‘ keiner. Für mich.

[twentyfive years] Sammy-6

Sich die Zeit mit einer Kamera zu vertreiben, während die Tochter auf dem Friesierstuhl sitzt, ist nicht die blödeste Idee. Dauert nicht lang und man gerät in den Fluss und fotografiert eine kleine Reportage. Dabei hatte ich meine billig erstandene Galaxy NX mit zwei alten manuellen Optiken. Geplant war das nicht, Spaß hat’s gemacht:

[Heimatfilm] Wieder oben.

Er ist wieder offen. Wenn das mal kein Anlass für ein spätes Bild in der Serie ist. Fast drei Jahre hat es gedauert, bis der Fernsehturm, das unbestrittene Wahrzeichen Stuttgarts, brandschutzmäßig so weit aufgerüstet war, dass nun wieder 320 Personen gleichzeitig in und auf den Turm dürfen. Drei Jahre lang war er zu. Ganz dunkel war er nie und doch strahlt er nun irgendwie wieder heller und schöner in unsere Schlafzimmer.

Heute war die Sicht nahezu null. Ob’s einfach ‚diesig‘ war oder ob das wirklich der Feinstaub ist, der messtechnisch nachweisbar in unserer Luft liegt, man kann es schlecht sagen. Jedenfalls denkbar schlechtes Wetter für einen ersten Ausflug auf den Turm. Oder eben auch nicht:

[Heimatfilm] Ausgang offen-18

Soligor 2.8/135 C/D an der Samsung Galaxy NX