[Liebeslied] Bro

‚Liebeslied‘. Eine tolle Ausrede, einfach die zu fotografieren, die man liebt (als ob man dafür eine Ausrede bräuchte…).

Heute: Ein Zufallstreffer. Eigentlich haben wir eine Einladungskarte fotografiert, für ein Fest. Aber mein Großer mag nicht so gerne auf Bestellung lächeln. Auf Bestellung ernst zu schauen, fällt ihm leichter. Und das muss jetzt an die Wand. Weil ich das jetzt schon unheimlich mag. Allen Widrigkeiten zum Trotz, die in Wirklichkeit keine Rolle spielen: Ja, die Halle war zu dunkel. Nein, ich hatte keinen Blitz dabei. Nein, ich hatte auch kein anderes Objektiv als das 18-300 dabei. Und deshalb sind das jetzt ISO 6400 und das Ergebnis ist dann auch noch um eine Blende gepushed. Stört das? Nein. Kein bisschen. Den Blick zu verpassen, den Moment, das hätte gestört.

[Liebeslied] Frühsport

[Liebeslied] Auf dem Silbertablet

 

Wenn man gerade kein neues ‚Projekt‘ in Arbeit hat, kann man ja mal an offenen Enden weiterstricken (aufgenommen mit der Galaxy NX und einem Pentax 2.0/55 mm)…

[angedockt] Ein Doppeltest

Manchmal gehe ich ziemlich weite Wege bis zu einem (zumindest scheinbar) profanen Ergebnis. Ich kann gar nicht so richtig sagen, wie lange ich mich schon mit dem Gedanken an ein neues Teleobjektiv herumschlage. Lange. Ich bin 2008 von einer Bridgekamera aus kommend zur DSLR umgestiegen. Die Bridge (es war die Fuji S6500fd) hatte umgerechnet ein 2.8/300 mm im Gepäck. Lang, lichtstark, scharf, nur einen Dreh vom Weitwinkel entfernt. Damals habe ich das Tele sehr gern verwendet. Mit der ersten Pentax kam das 50-200 mm ins Haus, das also scheinbar den gleichen Bereich abdeckt. Dass es zwei Blenden lichtschwächer ist als die Optik der Bridgekamera machten die Reserven beim Rauschen und der Stabilisator in der K10D ein Stück weit wett. Aber es fristete ein Schattendasein in meiner Fototasche. Mit der optischen Leistung war ich gar nicht unzufrieden, es war tatsächlich eher eine Frage des Wechselns. Ich wechsle nicht oft und gern das Objektiv: One camera and one Lens a day. Und nur mit einem Tele an der Kamera fühlte ich mich oft eingeschränkt.


Kann das Sigma meine alten Vorurteile über flaue Bilder bei Superzooms widerlegen?

So klar diese Analyse jetzt klingt, so unklar war mir lange Zeit die Konsequenz. ‚Richtige‘ (lichtstärkere und/oder längere) Teleobjektive geisterten mir durch den Kopf, tatsächlich in meine Fototasche fanden stattdessen mehrfach Makroobjektive von 90 oder 100 mm, mit denen ich auch tatsächlich viel fotografiert habe. Richtig glücklich war ich aber auch damit nie. Die Brennweite immer noch zu kurz, zu nahe an meinem 1.4/55 und gleichzeitig zu lang, wenn’s plötzlich mal eng wird. Für den Schritt, mich an die verschrienen Reiseobjektive zu wagen habe ich Jahre gebraucht. Jahre, in denen die Entwicklung zum Glück weiterging.

Sigma teilt seine Objektive seit 2013 in die Produktlinien ‚Art‘, ‚Sports‘ und ‚Contemporary‘ ein. Eines der beiden ersten Reisezooms in dieser neuen Struktur ist das 18-300 mm F3.5-6.3 DC Macro Contemporary. Und dafür habe ich mich im Dezember 2016 dann endlich entschieden. Übere eine Rabattaktion bekam ich zum Preis von 415,- EUR gleich noch das Sigma USB-Dock mit dazu, das dem Thema Front- und Backfokus den Schrecken nehmen soll. Das Objektiv und das Dock sind mein Thema in diesem Blogpost.

Keine Angst vor hohen Empfindlichkeiten.

Mit einem Reiseobjektiv ist man immer schnell vierstellig, oft am Anschlag (bei mir: ISO 6400). Zumindest bei trübem Wetter und früher Dämmerung. Aber der fast unhörbare Autofokus schlägt sich gut!. Die Pentax steht auf P und auf P habe ich im Kameramenü die MTF-Kurve gelegt. Interessant ist dabei: die Blendenwerte der MTF-Kurve bewegen sich logischerweise immer etwa gleichmäßig oberhalb der Nenn-Lichtstärke. Nur am Teleende des Sigma 18-300 macht die Blendensteuerung überraschenderweise die Blende wieder ein bisschen weiter auf. Und die Abbildungsleistung bei 300 mm ist tatsächlich eine Stärke des Objektivs.

Eine Klapperschlange in ISO 3200, der Rest mit ISO 6400. Die Nahgrenze liegt auch mit 300 mm nur bei knapp 40 cm. Damit geht noch erheblich mehr, als hier zu sehen ist.

Das 18-300 ist den beiden Kitgläsern von Pentax in fast allen Belangen überlegen. Die Aufnahmen sind in allen Brennweiten etwas weniger weich und kontrastreicher, die Bildränder sind besser und die farbigen Ränder sind weniger breit. Der AF ist (viel) leiser, gefühlt auch schneller, die Telebrennweite (logisch) ist länger und die Handhabung ist trotz des Gewichts ein großer Pluspunkt. Messwerte ermittle ich ja keine. Subjektiv kann ich eifach nur festhalten, dass Schärfe und Auflösung zu meinen Erwartungen passen und das auch an den Rändern. Nachteile gibt es auch: Die beiden Kitobjektive zusammen wiegen immer noch 50 gr weniger als das 18-300, die Lichtstärke der Kits liegt stellenweise etwas höher (1/2 Blende) und das Sigma zeigt in manchen Situationen ein eher hässliches spontanes Vignettieren in den äußersten Ecken. Kann man korrigieren, müsste aber nicht sein, bei so einem Brocken Glas. Und dann ist da eben das Thema der Justierung. Testaufnahmen im Liveview waren anfangs deutlich schärfer als solche mit dem ’normalen‘ Phasen-AF der DSLR. Da kommt das das Dock ins Spiel.

Das Sigma USB-Dock. Ein leicht nervtötendes aber enorm praktisches Ding.

Die Funktionsweise ist vermutlich halbwegs bekannt, oder? Das Dock ist ein mit elektrischen Kontakten ausgestattetes Bajonett mit USB-Anschluss, mit dem man die Firmware der Art, Sports und Contemporary-Objektive flashen kann. Dazu gehört ein PC-Programm (natürlich auch für Mac) mit dem man u.a. eine sehr detaillierte Fokuskorrektur durchführen kann. Beim 18-300 lässt sich beispielsweise in 4 Brennweitenbereichen jeweils für 4 Entfernungsstufen die Feinabstimmung festlegen. 16 Werte. Statt des einen globalen Wertes, den die Kamera selbst justieren könnte.



Freistellung, Auflösung, Weite und Detail

Ich hab also ein paar Stündchen des Weihnachtstages (während mein Braten im Ofen war und die Klöße noch nicht im Wasser) damit zugebracht, Fokuscharts zu fotografieren und mich in kleinen Schritten dem Ziel eines perfekt angepassten Objektivs anzunähern. Dass man dabei gefühlte dutzende Male das Objektiv von der Kamera nehmen muss, gehört zu den nervigen Gesichtspunkten des Konzepts. Ein USB-Stecker direkt am Objektiv hätte einem das erspart aber den könnte man ja nicht separat für 50,- EUR verkaufen.

(Fast) alle Weichheiten des 18-300 im Weitwinkel- und im Nahbereich konnte ich mit dem Sigma USB-Dock aus dem Sigma 18-300 mm F3.5-6.3 DC Macro Contemporary herausprogrammieren und hab jetzt ein überraschend gutes Superzoom an der K-5. Kitglas adieu. Nur bei 18 mm war der Weg etwas weiter. Im Liveview ist das super, mit dem Phasen-AF klappt es nicht verlässlich. Der Nahbereich ist gut, auf die Ferne wird es inkonsistent. Die Ursache dürfte hier sehr eindeutig bei der Kamera zu suchen sein. Die Lichtfarbe beeinflusst die AF-Messung. Ein bekanntes Problem der K-5. Ich werde mit einem Kompromiss leben müssen.

Kleiner Hinweis noch in Sachen Bokeh: Es liegt auf der Hand, dass man ein Superzoom nicht wegen des Bokehs kauft, höchstens ‚trotz‘. Und so kann ich also sagen, dass das Bokeh ‚trotz‘ des schlechten Rufes manchmal gar nicht schlecht aussieht. Bis ich begriffen habe, bei welchen Brennweiten und Entfernungen das Ding die bekannten, wenig schönen Doppellinien produziert und wann das eher weiche tupfige Bild, das man allgemein als schön empfindet, vergeht sicher noch etwas Zeit. Was ich jetzt schon sagen kann, ist dass man bei 300 mm eigentlich über die Unschärfe nicht meckern kann und dass sich sogar ein gewisser ‚Swirl‘ einstellt, der wie ich finde ganz hübsch ist.



Bokeh bei 300 mm. Mit Glück gelingen hübsche randlose Tupfen und ein angenehmer Wirbeleffekt

Die Aufnahmen, die ich in diesem Blogpost zeige, stehen beispielhaft für das, was das Objektiv können soll. Den Familienalltag bestreiten. Ausflüge. Urlaub. Schwarzbrot, sozusagen. Sie sind alle bearbeitet, wie immer. Aber alle nicht sehr:



Lange Rede, kurzer Sinn: Cool.

Mein Fazit ist klar. Das Warten hat sich für mich gelohnt. Das Sigma 18-300 mm Contemporary ist ein beeindruckendes Stück Optik. Auch wenn es im Weitwinkel nicht ganz den Superlativen von Tamron folgt, bedient es doch immer noch den beeindruckenden Brennweitenbereich von umgerechnet 28 bis 450 mm Kleinbild. Dabei liefert es eine Bildqualität ab, die für den angestrebten Zweck weit mehr als ausreichend ist. Auflösung, Schärfe, Farbsäume, Verzeichnung, Randabfall, alles ist beherrscht und beherrschbar. Mein Artikelbild ganz oben ist also eine Gemeinheit.

Gleichzeitig ist das Glas nur deshalb so gut, weil es das USB-Dock gibt. Ohne die Möglichkeit, den Fokus für 16 verschiedene Kombinationen aus Brennweite und Abstand zu kalibrieren, wäre mein Urteil weniger enthusiastisch ausgefallen. Dann hätte ich womöglich auch lauter daran Kritik geübt, dass das Objektiv mit fast 600 gr Gewicht ein kopflastiger Brocken ist, dass Sigma sich bei Pentax ohne Not und ohne Minderpreis den Stabilisator spart und dass der aktuelle Straßenpreis gemessen am Wettbewerbsprodukt vom Erstausstatter (gemeint ist das Pentax 18-270) ziemlich grenzwertig hoch ausfällt.

Verziehen. Ich ringe noch mit mir, ob ich wenigstens mein altes 18-55 behalten soll. Es ist abgedichtet, das Sigma nicht. Das gute 50-200 hat sich aber auf jeden Fall erledigt und wird verkauft.

[clixxie Retropix] Sofortbilder mit Wartezeit 

Polaroid. Der Name hat nur wenig an Klang eingebüßt. Polaroid steht für Sofortbilder wie Tempo für Papiertaschentücher. Wie schön war das damals. Bei Parties oder Feiern ging die Kamera von Hand zu Hand oder von Tisch zu Tisch und am Ende des Abends war oft auch gleich ein Fotoalbum fertig. Heute ist alles sofort, immer. Das Smartphone ist die Polaroid der Gegenwart. Facebook, Instagram und Co sind das Fotoalbum dazu. Kommentare werden nicht mehr mit halb eingetrockneten Lackstiften aufs Bild gekritzelt sondern auf zu kleinen Tastaturen mehr oder weniger erfolgreich gegen die aufmüpfige Autokorrektur durchgekämpft. Toll. Oder? Die ‚Alben‘ sind nur kurze Zeit wirklich greifbar, dann versanden sie unter der Flut des immer Neuen. Die Fotos bleiben nur füchtiger leuchtender Abglanz, der für ein paar Sekunden die Oberfläche des Smartphones einnimmt. Dann verschwinden sie dort und es kommt die nächste Nachricht, das nächste Lesehäppchen, der nächste Videoschnipsel oder wenn es gut läuft einfach der nächste Anruf. Polaroids wären geblieben. Irgendwo wartend, darauf dass sie einem zur Unzeit wieder in die Hände fallen. Dass sie Erinnerungen wecken und lebendig machen. 

Klar, auch heute gibt es noch (und wieder vermehrt) Sofortbildkameras. Fuji ist dort aktiv, bringt nächstes Jahr sogar endlich ein größeres quadratisches Format auf den Markt, das an die seligen Polas erinnert. Impossible pflegt das Polaroid-Erbe auf den alten Fertigungsstrassen und einige Kameramarken von Leica bis MiNT oder Lomo liefern zusätzliche Kameras zu den Systemen. 

Aber auch für den Nutzer des Smartphones gibt es Hilfe in der Not und Bilder die bleiben: Anbieter, die den Look von Sofortbildern nachahmen gibt es fast schon wie Sand am Meer. Für ein kleines Geschenk im Kollegenkreis habe ich mich sehr spontan und ohne langen Vergleich für die ‚Retropix‘ von clixxie entschieden.  Die Bestellung läuft über eine kleine App, die weiter nicht viel kann. Sie kann auf die Kamera zugreifen, auf Instagram oder einfach auf den Bilderspeicher im Telefon. Sie erlaubt es, auf den breiten Rand des Bildes ein paar Worte zu tippen, den Bildausschnitt ein bisschen zu schubsen oder 12 Fotos zu einem Kalender zu machen. Das war’s auch schon fast. Ein bisschen Krimskrams als Sideorder gibt es noch.

Die Bilder kommen in einer sehr gelungenen, aufwendigen Verpackung. Ein Polsterumschlag enthält einen dekorativen Umschlag aus braunem Packpapier, der seinerseits einen weißen Hochglanzumschlag enthält, der kurioserweise noch den Aufdruck des früheren Produktnamens ‚Polapix‘ trägt und von einem textilen Gummiband zusammengehalten wird. Darin stecken dann endlich die Bilder aus stabilem Karton. Die Bilder sind gedruckt, nicht belichtet (leider) und mit einer Schutz- und Glanzfolie veredelt. Der weiße Rand mit der typischen, asymmetrischen Form (die im Original die Chemie enthält, um das Bild zu entwickeln und zu fixieren) ist mit einer schönen Haptik dem Anfassgefühl eines echten Polaroids nachempfunden. Die Rückseite ist auch ein Abbild der historischen Polaroidmaterials, trägt allerdings gleichzeitig einen in meinen Augen etwas aufdringlichen Werbeaufdruck. Immerhin weist das Logo noch mal unmissverständlich darauf hin, dass die Bilder nicht irgendwo sondern im schönen München gefertigt werden. Damit kann ich leben. 

‚Sofortbild‘ hat bei den Retropix eine ambivalente Bedeutung: Der Druck sieht gut aus (zu gut vielleicht, ich habe sicherheitshalber vor der Bestellung eine leichte ‚Retro-Bearbeitung‘ vorgenommen und das war gut so. Die App oder der Dienst selbst tun das nämlich nicht), die Bilder lassen sich auch ganz einfach  unterwegs und ’sofort‘ bestellen, sie wirken Charmant und (auf mich) nicht peinlich, nur bis man sie wirklich in der Hand hält, braucht man 3-5 Tage (plus Postlauf) Geduld. Was ja eigentlich das glatte Gegenteil eines Sofortbildes ist, wenn man ehrlich ist.

Wie so oft, wenn etwas ‚retro‘ ist, bieten einem auch diese Bilder also ein Gefühl von Authentizität und Kontinuität, ohne es wirklich einlösen zu müssen. Aber sie sind ein schöner Spaß, bieten eine gute Qualität und eine hohe Wertigkeit. Und sind es mir deswegen Wert, diesen Artikel zu schreiben um Euch den Dienst zu empfehlen. Wenn Ihr so was mal sucht.

[Sylt 2016] Morsum Kliff

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Wieder 3 Tage auf der Insel. Wieder 20 Kilometer herumwandern am Tag. Nicht so viele Bilder wie letztes mal. Eines ist immer das erste, das man zeigen will, auch wenn es eine ganz andere Geschichte nahelegt als die von Erholung und frischem Wind. OK, der frische Wind ist zumindest ohne weiteres erkennbar…

Mein Bild der Woche.

Ich mag es, weil ich hoffe, dass es irritiert. Um was geht es hier? Es gäbe sicher ein Dutzend schnell gefundener Stichwörter, um die Wahrnehmung des Bildes in eine Richtung zu schicken. Oft ergreife ich diese Chance, dem Bild gleich eine Interpretation mitzugeben. Hier halte ich es lieber mit der Offenheit. Mit der Irritation. Ohne Richtungspfeil.

[Coverfoto] Und immer wieder der Schwarzwald

Im Frühjahr durfte ich mich freuen, weil Mike Maas mich kontaktiert hatte, um ein Bild aus meiner „mystischen“ Schwarzwald-Serie von 2014 für eines seiner Hörbücher zu verwenden. Es ist nicht bei diesem einen Bild geblieben. Kaum war die CD auf dem Markt, rief Mike mich wieder an und fragte nach einem neuen Bild. Diesmal hatte er kein konkretes Foto „auf dem Schirm“ sondern wir suchten gemeinsam etwas passendes aus meinem Fundus an Schwarzwald-Bildern.

Rechtzeitig vor Weihnachten gibt es nun also den zweiten Silberling mit einem Cover von mir. Und so sieht er aus:

Wieder spielt die Geschichte in der Nähe des Nationalparks Nordschwarzwald und wieder stammt die Aufnahme aus dem mittleren Schwarzwald. Ein sympathisch verfallenes, historisches Nebengebäude (auf dem ansonsten schönsten Hof aller Zeiten ;- ) mutiert als Coverfoto zur Szenerie eines düsteren Familiendramas. Kaufen? Ich verdiene nichts daran. Macht aber nichts, es ist Mikes Arbeit, Mikes Risiko und Mikes Verdienst. Alles gut!

 

[Pragfriedhof] Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich gerate gerade wieder mal ins Experimentieren. Ich schreibe diesen Artikel handschriftlich auf einem kleinen iPad pro. Ein erstaunliches Gerät. Das iPad pro hat einen hervorragenden Monitor. Einen besseren habe ich persönlich noch nie gesehen. Nicht als Tablet und nicht einmal auf einem Schreibtisch. Die Farben und die Tonwerte passen ohne Kalibrierung. Und bei jedem Licht.

Die Benutzung mit dem Pencil ist endlich so intuitiv, wie ich mir das immer schon gewünscht habe. Dank der App „Stylus“ schreibe ich meine Gedenken in fast der gleichen Weise auf, wie ich das bisher nur in einem Notizbuch konnte. Von Hand eben. In meiner unverstellten Handschrift. Einfach so. Mit der App „Tayasui Sketches“ zeichne ich fast wie auf Papier, aquarelliere, skizziere, schmiere, markiere, egal. Das alles geht zum ersten Mal fast wie „echt“, fast wie mit Stiften, Pinseln und Papier. Das hat mich auf dumme Gedanken gebracht.

Ich fotografiere nur wenig zur Zeit. Nach einem Grund dafür muss ich nicht lange suchen. Es ist keine „Sinnkrise“ oder „kreative Pause“, die mich davon abhielte, es  ist schlichtweg der Rest meines alltäglichen Lebens. Der Bauboom hat mich fest im Giff, die Familie verdient den Löwenanteil der übrigen Zeit. Das ist so und es ist gut so.

Der dumme Gedanke? Das Ding macht auch Fotos! Das iPad ist ein alltäglicher Begleiter, fast wie das iPhone. Es begleitet mich auf Baustellen, es begleitet mich in der U-Bahn, und jetzt ist es kurz vor elf und es liegt immer noch auf meinem Schoß. Klar, da spielt der Reiz des Neuen mit hinein aber das ändert wenig daran, dass man dieses Ding einfach besser finden muss als so ein mini Telefon (-display). Die Kamera des iPad nimmt Bilder in 12 MP auf. Sie verwendet ein Objektiv mit immerhin f 2.2 Lichtstärke. Die Aufnahmen sind wiedermal eine sichtbare Generation besser als bei meinem iPhone 6 .

Ja, ich weiss wie es aussieht, wenn Leute mit Tablets fotografieren. Bescheuert. Aber das ist die Aussensicht der Sache. Von „innen“ sieht es anders aus. Von „innen“ ist das iPad erst mal ein Sucher im Format der Mattscheibe einer Großformatkamera. Aber voll tageslichttauglich. Von „innen“ ist es eine Kamera mit eingebauter Entwicklung. Auf Wunsch auch im RAW-Format. Entwicklung mit einem Top-Monitor und schnellen Tools.
Ich habe begonnen, ganz bewusst auch mit dem iPad zu fotografieren. Ich werde dafür meine Kameras nicht aufgeben oder weglegen. Aber ich werde akzeptieren, dass das iPad mir neue Impulse gibt. Hier sind einige erste Bilder. Und nun könnt ihr schimpfen und öffentlich den Kopf schütteln. Ich hätte das vor kurzem noch getan.

PS: Natürlich kann das weg. Das ist der Aluminiumanteil des Daches eines Abbruchgebäudes, das ich gerade ‚wegräumen ‚ lasse um Platz für Wohnungen zu machen… 😉

[Souvenirs, Souvenirs] Nachlese. 270 Grad oder mehr. Ein Panorama mit Mond.

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Pentax K-5 mit 10-17 mm Fisheyezoom, gestitched und entzerrt mit Hugin. 

[Souvenirs, Souvenirs 3] Sketch and release 

Der Tag, an dem wir uns mit all den anderen Alltagsflüchtlingen für 14 Stunden in den blechernen Fluss und in den Stau nach Kroatien eingereiht hatten, war mein Geburtstag. Meine Frau erfüllte mir den Wunsch nach einem dicken Paket neuer Marker und Skizzierstifte.

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Sich mit Buch und Stiften hinzusetzen braucht Zeit (Man wird mit Übung sicher schneller. Ich bin langsam). Man sieht sich sein Motiv lange an. Atmet die Situation. Schwitzt oder friert. Man fügt Motivteile neu zusammen. Lässt wegfallen, was nur stört. Setzt Prioritäten. Trifft Entscheidungen. Man setzt sich über Dinge hinweg, um den Kern einer Situation zu erfassen. Motive verändern sich ständig während man sie betrachtet. Man muss loslassen können, noch während man zeichnet. Fragmente akzeptieren. Man kann viel über Fotografie lernen, wenn man skizziert.

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Manches lässt sich leichter skizzieren, als es zu fotografieren. Motive mit vielen Störungen wirken gezeichnet ganz selbstverständlich. Langweilige Fotomotive können spannende Motive für eine Zeichnung sein (Umgekehrt gilt natürlich das selbe). Hartes Licht und schwarze Schatten sind plötzlich toll. Der brütende Nachmittag ist eine gute Zeit, um zu zeichnen.

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Ich hatte lange keine Zeichenstifte mehr in der Hand. Als ich noch im Entwurf gearbeitet hatte, waren Skizzen alltäglich. Auch wenn die ‚Motive‘ damals nur imaginäre Flächen und Volumen, Strukturen, Oberflächen und Details einer ungebauten Aufgabe waren (was schon etwas sehr anderes ist, als nach der Natur zu zeichnen): Der Stift, das Papier und die Farbe waren (und sind) für mich das beste Mittel, Lösungen zu finden. Konzepte entstehen beim Zeichnen (und beim Schreiben). Man kreist sie immer enger ein. Die Routine von damals habe ich heute längst verloren. Aber ein bisschen scheint es so zu sein wie beim sprichwörtlichen Fahrradfahren. Irgendwie geht’s dann schon, wenn man es schon mal konnte. Und ich kann nur jeden ermutigen, einfach loszulegen. Es geht gerade nicht um Fotorealismus (Ich muss mich eher noch von Details lösen lernen). Es geht darum, die Situation auszukosten und einzusammeln.

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Das hier also sind die letzten, wieder anderen Blicke auf unseren kleinen Urlaub auf Krk. Keine fischäugigen Panoramen, keine fokussierende Reportage. Acht halbe Stunden auf Papier.

 

(Copic Fineliner und alkoholbasierte Marker – preiswerte Nachahmer des großen Originals – auf speziellem Markerpapier. Die Stifte passen übrigens wunderbar in die Sling- und Hüfttasche von Cosyspeed. Ich nenn das Ding jetzt einfach Penslinger statt Camslinger… 😉 )

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