[Steilvorlage] Stillgestanden

Das Jahr beginnt mit einer Auszeit. Advent, Heiliger Abend, Sylvester und Dreikönigstag stemmen gemeinsam eine Zäsur ins Jahr, der so leicht niemand entkommt. Schön war’s, dieses Mal. Ein knapper Advent hat dem eigentlichen Fest noch Raum zum Atmen gelassen und das überlange Weihnachtswochenende hat (bei mir) wirklich ein Stück Ruhe geschaffen.




Die erste Woche des neuen Jahres hat viel von einem landesweiten Stillstand. Erst langsam kommt alles wieder ins Rollen. Ich kann nicht sagen, dass ich viel Leerlauf gehabt hätte aber nichts davon war Alltag. Also war es gut. Denn was bei mir ins Rollen kam, war auch mein ganzes Foto- und Zeichending. Man könnte es unter ‚gute Vorsätze‘ einsortieren, damit hätte ich kein Problem. Tatsächlich arbeitet es schon länger in mir dass ich mit der Wucht des Jahreswechsels wieder zu einem regelmäßigeren Tritt finden will. Ich habe mir also tatsächlich vorgenommen, dieses Jahr jeden Tag entweder die Kamera oder den Skizzenblock zu bemühen. Was ich nicht vorhabe, ist, das Zeug täglich in die ’sozialen Medien‘ zu spülen. Im Gegenteil. Wenn ich meinen inneren Schweinehund im Griff behalte, will ich eher weniger als mehr bei Facebook und in meinen Foren aufschlagen. Was nicht heißt, dass ich dort ‚entsage‘, dafür kenne ich mich viel zu gut und dafür mag ich die Freunde dort zu sehr. Für Flickr, Twitter und Instagram gilt – mindestens vorerst – ähnliches. Aber das ist ja nicht unbedingt neu. Da bin ich eh lahm oder nie richtig warm geworden.

My home is my castle, mein Blog ist mein Blog.

Der Stilpirat Steffen Böttcher hat eben das Bloggen zum Arschgeweih im Portfolio der eigenen Karriere erklärt. Das halte ich aus (er ja auch). Zumal die Fotografie und Zeichnerei keiner Karriereplanung unterliegen. Ich bin Architekt und das ist gut so.




Meine Bilder der ersten Woche sind aufgesammelte Szenen des Innehaltens. Mal städtisch, mal näher an meinem alten ‚Heimatfilm‘. Ich habe lange nach einem Label, nach einem Projekttitel für das kommende Jahr gesucht. Ich habe keinen. Zumindest noch nicht. Das Ergebnis ist offen, ich weiss nicht wo es hingeht. Macht mir nichts, momentan. Fühlt sich gut an.

Imaging Media House ist ein klassischer Zeitschriftenverlag, der mit den Publikationen ‚fotoPRO‘, ‚Photopresse‘ und ‚PhotoKlassik‘ ein alter Hase am Markt ist. Die jüngste Idee des Verlags ist ganz anders: Das Magazin ‚Photo-Weekly‘ sieht zwar aus, wie die Online-Version eines Printmagazins, ist aber tatsächlich gar nicht auf Papier verfügbar. Stattdessen handelt es sich um ein für das Lesen am Smartphone optimiertes Magazin, das kostenlos gegen Registrierung einer E-Mail-Adresse angesehen oder heruntergeladen werden kann. Wenn man sich morgens oder abends mal in die U-Bahn oder einen Bus verirrt, kann man sehen, dass das möglicherweise gar keine blöde Idee sein könnte.

Ich hatte es schon erwähnt und die letzten 5-6 Artikel in meinem Blog kreisen ja schon um dieses Thema: Von ‚Photo-Weekly‘ habe ich eine Theta V zum Test erhalten (und kann sie jetzt behalten). Mein erstes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr. Unerwartet und nicht nur deshalb sehr schön 🙂 . Nun ist der Artikel zum Lesertest erschienen und auch mein bisheriges Lieblingsfoto mit der Theta V mit an Bord.

Ich war nie ein besonders ausgefuchster Schachspieler. Mehr als 2-3 Züge versuche ich selten im Voraus zu planen und meine Strategie besteht am ehesten darin, meinem Bauchgefühl zu folgen. So ein Glück! Mein Sohn hat noch nicht mehr als eine Hand voll Schachspielen absolviert (aber immerhin ein Buch mehr als ich darüber gelesen) trotzdem muss ich mich nicht verstellen, nicht künstlich schwach spielen. Ich helfe ihm ab und zu, wenn er sich einen Bauern holen will und mit einem Springer oder Läufer dafür büßen müsste aber das reicht schon, um die Spiele lange offen zu halten.

Little Planet Projektion mit um 180° gedrehter Blickrichtung, Theta V, Theta+, Lightroom, wie immer

(Buchstäblich) ganz nach innen gekehrt ist dieses Bild vom Schachspiel mit meinem Sohn. Obwohl es auf den ersten Blick vielleicht einfach ein witziger Effekt zu sein scheint: Diese Konzentriertheit erzählt ja auch vom Spielen. Der Kreis der Wahrnehmung engt sich ein, man taucht in das Spiel ein, eine Außenwelt gibt es nicht mehr. Die Möglichkeiten der Vollsphärenfotografie sind überraschend. So wie ein Schachspiel, wenn man kein besonderer Schachspieler ist.

[Heimatplanet] Luftschiff

Ein Lieblingsbild meiner ersten drei Wochen mit der Theta V. Der Asemwald als schwebende Kugel an deren Reling ich stehe, eine Seifenblase aus Beton, ein Luftschiff, ein UFO. Ein Ort ohne Schwere. Was könnte man schöneres über sein Zuhause sagen? So fühlt es sich für mich an, hier zu wohnen.

Theta V, 2/3 Unterbelichtung, ISO 80, Projektion mit ‚Theta+‘, Nachbearbeitung mit Lightroom.

Das Foto entwickelt in meinen Augen – wie schon das Bild vom Fernsehturm Stuttgart gestern – den Eindruck, es sei mit Hilfe einer Drohne entstanden. Dieser distanzierte Blick ist etwas, das mit der Theta leichter fällt als mit konventionellen Kameras. Jeder Asemwälder würde in dieser Aufnahme sein Haus erkennen und gleichzeitig ’stimmt etwas nicht‘. Eigentlich stimmt gar nichts, außer dem Gefühl. Der Betrachter wird verwirrt. Ehrlich gesagt bin ich selbst auch immer noch verwirrt. Und das ist ja nicht so schlecht. Das mag ich an der Theta.

[Heimatplanet] Ein skeptischer Blick

Wenn Stuttgart nur ein Wahrzeichen hätte, dann wäre es der Fernsehturm. Ich liebe diese schlanke Nadel und freue mich jedes Mal, wenn ich Gelegenheit finde, dort hinauf zu fahren. Der Fernsehturm dekoriert unsere Aussicht und man entrinnt mit jedem Meter, den einen der Aufzug in die Höhe schießt, ein kleines Stück dem Alltag und der Erdschwere. Weite macht leicht.

Die Theta macht es einem auch leicht. Sie macht es leicht, zu Perspektiven zu finden, die mit traditioneller Technik fast unmöglich scheinen. Selbst wenn man die Kugelpanoramen – wie in diesem Fall – eher konservativ projiziert. Dass man selbst andauernd mit im Bild ist, ok, daran muss ich mich noch gewöhnen. Und das sieht man am Gesichtsausdruck 😛 . Und zu meiner Entschuldigung bringe ich vor, dass das einer der ersten Tage mit der neuen Kamera war. Außerdem – das sieht man nicht – hat es da oben ziemlich geblasen. Ein bisschen mulmig war es mir da schon, eine 400-Euro-Kamera an einem 5-Euro-Selfistick durchs Gitter zu schieben…

[Heimatplanet] Heimweg

Vom Radfahren habe ich schon geschrieben? Statt zu gehen (wie in den 1 1/2 Jahren davor) fahre ich seit Juni mit dem E-Bike zur Arbeit. Zwei mal täglich eine gute halbe Stunde Bewegung durch meine Wälder. Ohne sich auszupowern. Ohne Stau, ohne Bus, ohne U-Bahn, ohne Parkplatzsuche. Es ist genial. Und es bleibt auch jetzt noch genial, wenn ich über den Schnee rolle, der alles ganz leise macht. Und sogar der kalt spritzende Matsch bei Tauwetter macht mir nichts mehr aus. Auf das richtig kalte Wetter warte ich aber lieber noch, bevor ich hier Sprüche klopfe 😉 .

360° Kugelpanorama aufgenommen mit der Ricoh Theta V, Projektion gerechnet mit ‚Theta+‘, nachbearbeitet mit Lightroom

Meine alte Reihe ‚Heimatfilm‘, die ja mal als Jahresprojekt begonnen hatte, lässt mich bis heute nicht ganz los. Mit der Ricoh Theta V entstehen nun sozusagen Bilder meines ‚Heimatplaneten‘. Auch diese Aufnahme habe ich zwar (wie das Bild von gestern) als ‚Little Planet‘ ausgearbeitet, sie wirkt (auf mich) aber geradezu normal und fügt sich recht ‚lautlos‘ an meine seit Jahren laufende Serie an: Ein Abend im Wald. Das Licht des Rades ist blendend hell, außerhalb des Lichtkegels fällt die Dunkelheit über den Wald. Im Hintergrund bilden die vertrauten Hochhausscheiben die Kulisse. Sie geben dem Bild Ort und Richtung. Heimat. Mein Heimatplanet.

[Theta V] Der Nokia-6210-Moment

Das Nokia 6210 war mein erstes Handy. Das Business-Handy nach der Jahrtausendwende. Verlässlich, ausdauernd, unempfindlich. Mit Fotografie hatte es genau gar nichts zu tun. Aber ich weiß noch wie heute, wie es sich anfühlte. Solide und gefällig. Fast genau wie die neue Ricoh Theta V, die ich für einen Test bekommen habe und die seither immer mit mir unterwegs ist.

Das Paket aus Hamburg enthielt nicht viel. In der Schachtel der Theta V findet sich wenig kameratypisches. Kein Akku und keine Handschlaufe zum Beispiel.  Stattdessen nur die wunderbar handschmeichlerische Kamera, ein USB-Kabel, eine Neoprenhülle zum Schutz der beiden Fischaugenobjektive und natürlich ein bisschen Papier. Zur Kamera gehören ausserdem zwei Apps, die es für Android und iOS gibt und die sich in beiden Versionen kaum voneinander unterscheiden. Die App ‚Theta S‘ (die also noch den Namen des Vorgängermodells führt) dient vor allem als Fernbedienung der Kamera und zum Teilen der Aufnahmen, ‚Theta+‘ ist dagegen vorrangig für die Nachbearbeitung und Verwertung der Bilder gedacht. ‚Theta+‘ läuft auf einem iPad leider nicht auf dem vollen Bildschirm, auf Androidtablets gibt es diese Einschränkung nicht.

Die Kamera habe ich nicht gekauft. Im November startete das neue Online-Fotojournal ‚Photo Weekly‘ und gleich in der ersten Ausgabe wurden 5 Leser gesucht, die eine Theta V testen wollen. Ricoh ist ‚meine‘ Firma und das 360er-Thema juckt mich schon länger. Natürlich habe ich mich gemeldet und zum Glück hatte ich Glück ;-).

So eine 360°-Kamera wirft einen fotografisch erst mal weit zurück. Die Theta V raubt mir gewissermaßen meine geübten Routinen. Entscheidend sind plötzlich neue Gesichtspunkte: Bildausschnitt und (Schärfen-) Tiefe fallen fast komplett unter den Tisch, stattdessen entsteht die Bildgestaltung vorrangig durch die Suche nach Orten. Orten, die Nähe und Weite gleichzeitig schaffen, die einen Kontrast anbieten zwischen Detail und Fernblick. Erst langsam steige ich mit der neuen Kamera tiefer in meine Bildserien ein, zunächst kommt die Experimentierphase. Und die – das kann ich jetzt schon sagen – macht sehr viel Spaß!

Diese merkwürdige Assoziation zu einem Business-Handy war sofort da und und genau wie ein Handy passt sie in jede Jackentasche und ist innerhalb von Sekunden bereit. Die Bildqualität siedle ich im Bereich üblicher Smartphones ein. Offen gesagt hatte ich ein bisschen mehr Schärfe und weniger Schwächen im Randbereich der jeweiligen Optik und in der Stitching-Zone erwartet. Möglicherweise ist mein Exemplar der Kamera auch ein wenig dezentriert. Das ändert aber wenig daran, dass die Kamera überall wo man sie (und die Ergebnisse) zeigt, Begeisterung auslöst. Und daran, dass sie mich als Fotograf neu herausfordert. Ich mag Herausforderungen 😉

Für einige erste Bilder bin ich abends schnell noch zum Fernsehturm gefahren, zu unserem Stuttgarter Wahrzeichen. Wenn man nicht gerade ein Stativ mitnimmt und die Kamera mit der Smartphone-App auslöst, ist es kaum möglich, nicht mit auf dem Bild zu sein. Klar, man kann versuchen, sich wieder heraus zu retuschieren. Das ist aber nicht einfach. Mehr noch: Löst man die Kamera in der Hand aus, ist immer der Daumen im Bild. Und zwar groß. Das kann lustig sein. Aber nicht immer. Der Selbstauslöser ist Dein Freund! Der Selbstauslöser und ein Einhand-Stativ, besser bekannt als ‚Selfie-Stick‘: Wenn man die Kamera ohne Kugelkopf einfach längs auf den Stick schraubt, verschwindet sie mit dem Stab weitgehend aus dem Bild und aus dem Selfie wird eine gefühlte Drohnenaufnahme. Nach einer Runde durch die App ‚Theta+‘ wird noch einmal etwas Neues daraus. Die App ist sozusagen eine zweite Instanz des Experiments. Horizonte krümmen sich in der einen oder anderen Richtung und es entstehen zum Beispiel kleine (Heimat-) Planeten. Oder man rollt das 360°-Panorama flach aus, um es drucken zu können. Auch hat dafür gibt es verschiedene Projektionsmodi. Ein riesen Spaß, jedenfalls! 

Sieht so aus, als dürfte ich in den nächsten Wochen die Theta V von Ricoh testen. Und das hier zu Hause, ganz ohne Urlaub und in der dunklen Jahreszeit. Und trotzdem (oder gerade deswegen) freue ich mich wie Bolle und bin total gespannt auf das kleine Ding.

Neben meiner Hängematte liegt zur Zeit das wunderbare neue Buch von David DuChemin.  Er schreibt in „Die Seele der Kamera„, man solle sich selbst mehr Beschränkungen auferlegen. Und an anderer Stelle rät er zur Neugier, man solle viele Fragen stellen. Meine Rahmenbedingungen für den Test könnten in diesem Sinne also kaum besser sein. 😀

Bevor ich also in den nächsten Wochen mehr zu Kugelpanoramen lernen und schreiben werde, möchte ich zumindest noch auf die Schnelle diesen ‚halben‘ Buchtipp abgeben. ‚Halb‘, weil ich das Buch noch nicht mal zu Ende gelesen habe. Trotzdem weiß ich jetzt schon, dass ich am Ende einfach wieder von vorne anfangen kann. Bisher läutet jedes Kapitel in mir eine Glocke. Manche Gedanken (zum Beispiel die beiden oben genannten) hatte ich auch schon selbst zu formulieren versucht. DuChemin bringt sie locker und flockig und gut lesbar zu Papier. Gleichzeitig ertappe ich mich aber ständig dabei, Absätze mehrfach zu lesen und das Buch dann schnell sinken zu lassen: Schon wenige Seiten versorgen mich mit genug Stoff, um erst mal einen Tag darüber nachzudenken. Für mich muss es wohl ein ein gutes Buch sein, wenn es so was schafft, ohne deswegen schwer lesbar zu werden!

Tja, und jetzt kann ich parallel darüber nachdenken, was es für meine Fotografie bedeutet, wenn ein Bild nun nicht mehr in erster Linie einen Blick und Ausschnitt formuliert sondern wenn es plötzlich den Janusblick eröffnet. Ich freue mich auf den Test der Theta V.

[Liebeslied] Klassiker

Lego ist ein Klassiker. Der konzentrierte Sohn ist ein Klassiker. Das 2.0/55mm ist ein Klassiker. Einfach mal die Kamera in die Hand nehmen und machen und dann auch zeigen: auch ein Klassiker. Also bitte: Hier ist wieder mal ein Faden der roten Linie, die ich so gerne in meinem fotografischen Tun sehen würde 😀 . Ich wünsche Euch zwei entspannte Feiertage, deutschlandweit!



Während die beiden ersten Bilder noch Fischaugen-Aufnahmen waren (auch damit ‚geht‘ Bokeh) folgen heute noch zwei Bilder, die mit dem DA 2,8/35 Macro Limited aufgenommen wurden. Allen vier Aufnahmen gemeinsam ist die manuelle (Un-)Scharfstellung auf den Nahbereich. Besonders beim 35er durfte man es damit nicht übertreiben, sonst wären nur formatfüllende Unschärfekreise übrig geblieben.

Das rechte und letzte Bild ist aus der ganzen Serie mein Favorit. Glaub‘ ich. Vielleicht. 😀 Wie geht es Euch? Hättet Ihr da ein Lieblingsbild?