[Souvenirs, Souvenirs 3] Sketch and release 

Der Tag, an dem wir uns mit all den anderen Alltagsflüchtlingen für 14 Stunden in den blechernen Fluss und in den Stau nach Kroatien eingereiht hatten, war mein Geburtstag. Meine Frau erfüllte mir den Wunsch nach einem dicken Paket neuer Marker und Skizzierstifte.

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Sich mit Buch und Stiften hinzusetzen braucht Zeit (Man wird mit Übung sicher schneller. Ich bin langsam). Man sieht sich sein Motiv lange an. Atmet die Situation. Schwitzt oder friert. Man fügt Motivteile neu zusammen. Lässt wegfallen, was nur stört. Setzt Prioritäten. Trifft Entscheidungen. Man setzt sich über Dinge hinweg, um den Kern einer Situation zu erfassen. Motive verändern sich ständig während man sie betrachtet. Man muss loslassen können, noch während man zeichnet. Fragmente akzeptieren. Man kann viel über Fotografie lernen, wenn man skizziert.

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Manches lässt sich leichter skizzieren, als es zu fotografieren. Motive mit vielen Störungen wirken gezeichnet ganz selbstverständlich. Langweilige Fotomotive können spannende Motive für eine Zeichnung sein (Umgekehrt gilt natürlich das selbe). Hartes Licht und schwarze Schatten sind plötzlich toll. Der brütende Nachmittag ist eine gute Zeit, um zu zeichnen.

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Ich hatte lange keine Zeichenstifte mehr in der Hand. Als ich noch im Entwurf gearbeitet hatte, waren Skizzen alltäglich. Auch wenn die ‚Motive‘ damals nur imaginäre Flächen und Volumen, Strukturen, Oberflächen und Details einer ungebauten Aufgabe waren (was schon etwas sehr anderes ist, als nach der Natur zu zeichnen): Der Stift, das Papier und die Farbe waren (und sind) für mich das beste Mittel, Lösungen zu finden. Konzepte entstehen beim Zeichnen (und beim Schreiben). Man kreist sie immer enger ein. Die Routine von damals habe ich heute längst verloren. Aber ein bisschen scheint es so zu sein wie beim sprichwörtlichen Fahrradfahren. Irgendwie geht’s dann schon, wenn man es schon mal konnte. Und ich kann nur jeden ermutigen, einfach loszulegen. Es geht gerade nicht um Fotorealismus (Ich muss mich eher noch von Details lösen lernen). Es geht darum, die Situation auszukosten und einzusammeln.

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Das hier also sind die letzten, wieder anderen Blicke auf unseren kleinen Urlaub auf Krk. Keine fischäugigen Panoramen, keine fokussierende Reportage. Acht halbe Stunden auf Papier.

 

(Copic Fineliner und alkoholbasierte Marker – preiswerte Nachahmer des großen Originals – auf speziellem Markerpapier. Die Stifte passen übrigens wunderbar in die Sling- und Hüfttasche von Cosyspeed. Ich nenn das Ding jetzt einfach Penslinger statt Camslinger… 😉 )

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[Souvenirs, Souvenirs 2] Distanzlos – Ein Tag in Nahaufnahme

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Das Wesentliche eines Campingurlaubs ist das draußen sein. Der Verzicht auf Perfektion. Der Spaß an der Vereinfachung des Lebens. Man hat zu tun. Aber die Tätigkeiten wirken nicht wie eine Störung des Tagesablaufs. Sie gehören einfach dazu. Camping macht mich zufrieden und gleichmütig. Ich hab gar nicht das Bedürfnis, jeden Tag etwas anderes zu unternehmen. Ein paar Ausflüge, ja, aber das Wesentliche findet auf dem Platz und am Wasser statt.

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Ich wollte versuchen, dieses Gefühl zu fotografieren. Eine Reportage in Nahaufnahme.

Als Werkzeug dafür habe ich mich ganz bewusst nicht auf die ‚kleine‘ Kamera verlassen. Viel passender erschien es mir, dafür mal (m)ein altes ‚Schätzchen‘ abzustauben: Das DA 2.8/35 Makro Limited. Mit äquivalenten (~) 50 mm und ‚ohne‘ Nahgrenze. Die Reportagebrennweite schlechthin, erweitert um die Fähigkeit ganz nah ran zu gehen.

 

[Otok Krk] Nach dem Licht greifen

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Auf Streifzug durch die Wälder, nur ein paar Kilometer vom Strand entfernt findet man alte müde Riesen, die sich Ihr Stück vom Himmel in ausladender Geste freihalten.

(Pentax K-5 und DA 10-17 mm Fisheye-Zoom)

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„Das Trockene nannte Gott Land und das angesammelte Wasser nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war.“

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(Blick in die Kvarner Bucht nach Rijeka. Pentax K-5 mit DA 10-17 mm Fisheye-Zoom. Heute mal mit etwas mehr ‚Erd‘-Krümmung 😉 )

[Souvenirs, Souvenirs 1] Frisch vom Fisch

Der Sommerurlaub hat mich dieses Jahr auf die Insel Krk in Kroatien verschlagen. Schon zu Hause hatte ich ständig Lust, das 10-17 Fisheye-Zoom an meiner Pentax zu verwenden. Nur kaum Zeit und Gelegenheit. Aber weil Urlaub ja Urlaub ist, hab ich das dann einfach dort gemacht. Überhaupt hatte ich mir für diesen Urlaub ein paar Dinge der eher spielerischen Art vorgenommen.

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Wenn man für einen Campingurlaub packt, besteht immer die leise Gefahr, dass die Achsen des Autos brechen. Und so war es ein ziemlicher Luxus, dass ich gleich zwei Kameras eingepackt hatte. Für die Pentax hatte ich das Fisheye, ein Tele und das 2.8/35 Limited Makro dabei, für die NX300 nur das 16-50 mm Kit-Zoom. Die NX war also für das Beiläufige und das Familiäre gedacht. Wenn die Fotografie Selbstzweck  war, kam dagegen meist das Fischauge dran.

Die Bilder hier bilden keine echte Reihe und ein klassischer Reisebericht wird das auch nicht. Der wäre recht kurz: Wir haben nicht viel anderes getan, als zu zelten, zu baden und uns die Zeit zu vertreiben. Einfach nur Entspannung. Und für mich hieß ‚Entspannung‘ eben, ein paar mal früh aufstehen oder mich abends mit der Kamera davonzustehlen.

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Naturgemäß sind Aufnahmen mit dem Fish eine polarisierende Angelegenheit. Ein einzelnes Bild findet noch fast jeder spannend oder lustig, beim fünften ploppen die ersten Fragezeichen über den Köpfen der Betrachter auf und irgendwann ab dem zehnten oder zwanzigsten Bild  sind die meisten Leute dann von all den gebogenen Linien nur noch genervt oder gelangweilt. Mich hat interessiert, ob man das umgehen kann. Ob man so eine Optik dennoch für die Landschaftsfotografie eines ganzen Urlaubs verwenden kann, ohne dass das Fotobuch am Ende keiner sehen will.

Das 10-17 hatte ich mir mal als ‚Ersatz‘ für ein klassisches, entzerrtes 10-20 mm Ultraweitwinkel zugelegt. Die Entzerrung erfolgt in Lightroom auf einen Knopfdruck und das Ergebnis ist in Ordnung. OK, mehr als ‚in Ordnung‘ ist es wirklich nicht. Die Ecken werden bei dieser Prozedur nämlich schon ziemlich matschig. Mein altes Sigma 10-20 war in den Ecken auch schwach aber ein mit Lightroom ‚entfischtes‘ Fisheye ist noch ein bisschen schwächer. Das ist oft kein Problem und hält mich nicht davon ab, gelegentlich trotzdem so vorzugehen. Himmel und Wolken vertragen diese grobe Behandlung gut und auch homogene Wand- und Bodenflächen wirken einfach nur ’schneller‘. Schwieriger wird es, wenn Details in den Bildecken liegen. Welche Möglichkeiten gibt es also sonst?

Unter den zahlreichen Möglichkeiten zur Entzerrung und perspektivischen ‚Feinjustage‘ von Bildern sticht für mich der jpg-Illuminator heraus. Mit dieser schlanken und kostenlosen Software gelingen Fisheye-Entzerrungen weit besser als direkt in Lightroom. Der Programmteil für die Entzerrung ist zwar im Menü versteckt, die Benutzung kann aber ganz spielerisch und ohne viel Vorwissen erfolgen. Allein schon die Möglichkeit, ein Bild beim Entzerren gleichzeitig in der Y-Achse zu strecken sorgt für viel natürlichere Proportionen im Bild. Der automatische Beschnitt nach der Entzerrung lässt sich abschalten und anschließend selbst festlegen. So kann man beispielsweise Löcher im Himmel akzeptieren und nachträglich auffüllen. Oder den ganzen horizontalen Blickwinkel für ein flaches Panorama nutzen. Besonders hilfreich ist auch die ‚Panini-Projektion‘. Dabei werden nur die senkrechten Linien gerade ausgerichtet, die horizontalen bleiben gebogen. Oder die ‚Panorama-Projektion‘, die ungefähr das Gegenteil bewirkt.

Egal, welche Methode man wählt, die Ergebnisse sind durchweg besser als direkt in Lightroom. Die Ecken einer mit jpg-Illuminator entzerrten Fischaugenaufnahme sehen nicht schlechter aus, als die Ecken einer Aufnahme mit einem einfachen Ultraweitwinkel (wie zum Beispiel dem Sigma 10-20). Die Möglichkeiten, die man mit den Fish hat, sind aber ungleich größer. Von daher würde ich hoffen, man kann auch eine ganze Galerie von diesen Bildern ansehen, ohne Kopfweh zu bekommen.

(alle Aufnahmen: Pentax K-5 mit Pentax DA 10-17 mm Fisheye Zoom)

[i.A.] geschäftlich

Fotografie ist mein Hobby. Ich habe keine Ambitionen das zu ändern. Und gleichzeitig probiere neue Sachen (und mich) gern aus. Als mich eine liebe Freundin gefragt hat, ob ich schon mal Businessportraits gemacht hätte, war die Antwort also zweiteilig. Nein. Bisher hatte ich das nicht. Aber ja. Probieren würde ich es schon. Meine einzige Bedingung war: wenn die Bilder nichts werden, wirf sie einfach weg und ärgere Dich nicht. Faire Sache, hoffe ich.

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Getroffen haben wir uns auf einer weitgehend fertiggestellten Baustelle. Ich hatte gehofft, dort helle, leere Räume zu finden und das war zum Glück auch so. Als Ausrüstung erschien mir hier einzig und allein die DSLR sinnvoll. Also war die K-5 im Rucksack, das 1,4/55, das 2,8/35 und ein Blitz. Und das hat auch gereicht. Die Belichtung habe ich manuell auf den Hautton abgestellt (Spotmessung, +1 EV). Überstrahlte Unschärfe im Hintergrund war dabei einkalkuliert. Ich mag diesen hellen Look und er passt eben auch gut zum Thema. Überhaupt, das Thema: Als ich damals für Freunde die Hochzeitsfotos gemacht habe, hatte ich mich ’schamlos‘ dadurch vorbereitet, seitenweise Hochzeitsfotos anzusehen und mir bei Bildern die mir gefallen in groben Zügen die Komposition aufzunotieren. Zum Nachmachen. Ganz so weit bin ich diesmal nicht gegangen. Ich hatte schon so eine Ahnung, dass das mit Christine sowieso nicht nötig sein würde. Sie weiß, welche Wirkung sie auf Bildern hat und das macht es mir natürlich leicht. Reingelesen / reingeschaut habe ich mich also vor allem in die Stimmung von Businessportraits, nicht in so Dinge wie ‚Posing‘ und dergleichen. 

Für mich war das Ergebnis: Geschäftliche Bilder dürfen Raum atmen. Portraits die aussehen wie Bewerbungsbilder vor einer runtergerollten  Fototapete sehen für mich genauso sinnbefreit aus wie solche, bei denen jemand hinter (s)einem Schreibtisch hockt oder gequält einen aufgeklappten Laptop herumträgt. Ich mochte stattdessen vor allem die Bilder, in denen man große Räume spürt, natürlich ohne sie ‚buchstäblich‘ auch zu sehen. Das diffuse Gefühl von Raum, das sich zum Beispiel aus der Qualität des Lichts ergibt, ist etwas das mich inzwischen seit Jahren interessiert und begleitet. Das wollte ich hier versuchen. Zumal Christine und ich das gleiche studiert haben und ‚Raum‘ da sozusagen das ‚Business‘ schlechthin ist. Ob es gelungen ist, dürft Ihr selbst entscheiden. Spaß hat es jedenfalls gemacht. Uns beiden, denke ich…

Womit ich nicht zufrieden bin: Als Einzelbild kein Problem, in der Serie aber inkonsistent und störend sind der wechselnde Weißabgleich und die uneinheitlichen Hauttöne. Ich habe teilweise geblitzt, teilweise hatte ich Oberlicht, teilweise Seitenlicht. Mal bedeckten Himmel, mal Sonne, mal grünes Licht von Bäumen. Um die Hauttöne in einer durchgehenden Serie einheitlich zu halten fehlt mir in diesem Fall mindestens eine Graukarte für den genauen Weißabgleich vor Ort (oder wenigstens als Referenz für die Nachbearbeitung). Mindestens. Oder halt eine kleine Blitzanlage. Aber damit wäre meine Einleitung in Sachen Raum und Lichtqualität womöglich hinfällig. Außerdem ist es ein Hobby. Und ich habe keine Ambitionen das zu ändern 😉

 

[Drucken macht glücklich] Größer drucken macht glücklicher

Die letzten beiden Beiträge drehten sich nun schon um das Entstehen nur eines Bildes und dieser Text tut das auch noch mal. Ich hab es schon oft geschrieben: Bilder müssen auf Papier. In diesem Fall ist das Papier nun Leinwand. Aber eins nach dem anderen.

Schon bevor wir dieses Mal in den Schwarzwald gefahren sind, war mir klar, dass ich ein großes Bild für die Wohnzimmerwand machen wollte. Groß in der Dimension und dafür – so weit es mir möglich ist – auch einigermaßen ‚groß‘ im Inhalt (was nicht mehr bedeuten soll, als dass ich von vorneherein keinen Schnappschuss für die Wand ‚aufmöbeln‘ wollte). Die Technik und die Idee hab ich ja schon beschrieben. Und der Familienrat war dann am Ende auch einverstanden damit, sich dieses Bild nun mal einige Zeit in der Wohnung ansehen zu wollen. Nur wie?

Das Ziel war es, das Bild in einem einigermaßen raumfüllenden Format zu drucken. Leider stellt man ziemlich schnell fest, dass das kein billiger Spaß ist. Die preiswerteste Methode für sehr große Formate sind Leinwanddrucke. Dibond, Forex, Acryl, alles was ich sonst gerne mache ist viel zu teuer, wenn man ein Format von wenigestens 150 cm Breite anstrebt. Leinwand geht. Nach einiger Recherche habe bin ich auf den Anbieter fotofox gestoßen, der einerseits ein paar ordentliche Tests aufweisen kann und andererseits eher auf der preiswerten Schiene anbietet. Im Rahmen einer kleiner Rabattaktion konnte ich das Bild in imposanten 180 x 60 cm für rund 90,- EUR drucken lassen.

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Vor dem Druck habe ich das Bild mittels Softproof in Lightroom neu abgemischt. Auf Anfrage bei fotofox wurde mir dafür sogar die passende icm-Datei für Lightroom zugeschickt. Überhaupt war der Kontakt zu fotofox immer sachlich und freundlich. Eine automatische ‚Optimierung‘ bietet Fotofox erst gar nicht an. Und das ist gut so!

Nach einigen Tagen gespannten Wartens (11 Tage, um genau zu sein) stand heute nun ein ziemlich überdimensioniertes Paket vor der Tür. Die Verpackung hatte ein hässliches Loch, der unbekannte Fremdkörper hat das Bild in der Packung aber um Haaresbreite verfehlt. So kam es trotzdem ohne Blessuren bei mir an. Zu meiner großen Freude passen die Lichtwerte und die Farben sehr gut. Nichts ist abgesoffen, ausgebrannt ist nur das, was ausgebrannt sein soll. Das Grün ist warm und leuchtend, das Bild ist reich an Details, hat satte Tiefen und ein edles mattes Finish.

Der niedrige Preis hat natürlich auch Folgen: Keine Versiegelung schützt die aufgespritzten Farben. Wasserspritzer hätten verheerende Folgen, wie ein Wischtest an der Rückseite zeigt. Der Keilrahmen kommt ohne Keile, ohne Filzpuffer zum Schutz der Tapete, ohne Aufhänger. Ziemlich ‚pur‘ also. Ich schätze mal, so wird das Bild nicht ewig halten. Aber was ist schon für die Ewigkeit… 🙂

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Pointe zum Schluss: Trotz des Verbesserungspotezials bei der Endverarbeitung ist das Bild sehr nahe an dem, was ich mir vor einigen Wochen als Ziel gesetzt habe. Nur eines nicht: Für das Wohnzimmer war das Bild immer noch zu klein. Nun hängt es über dem Esstisch und passt dort als wäre es nie anders geplant gewesen 😀

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[Eine Idee machen] Sandmännchen

[Eine Idee -noch besser- machen] mutig im Märchenwald-1

Am Ende wollte doch noch jemand mit auf’s Bild. Das ist also das Endergebnis der Idee, die ich in diesem Urlaub machen wollte. Ursprünglich hätten es einfach nur zwei Kinder Hand in Hand werden sollen, das kleinere davon mit einer Puppe in der Hand. Die Kinder eher heller, der Wald eher dunkler. Das Ergebnis entspricht also nicht ganz dem Plan. Das macht aber nichts, Offenheit und Flexibilität gehören schon dazu. Im Grunde war ich mit dem Ergebnis ohne Kinder auch schon zufrieden, allerdings gebe ich zu: Das war nicht unbedingt ein Bild, das man sich ins Wohnzimmer hängt. Dieses hier schon.

[Eine Idee machen] Märchenwald

Märchenwald_cr_Website

Ich dachte, ich liefere mal einen ‚proof of concept‘ zu meinem Artikel über Kreativität. Das geht dann am besten, wenn man seine Komfortzone verlässt (alter Hut). In meinem Fall bedeutet das zum Beispiel: Das Inszenieren von Fotos.

Meine erste Idee war eigentlich (ganz profan) ein Landschaftsbild unseres Dauerurlaubsziels Schwarzwald für die heimische Wohnzimmerwand. Dann habe ich begonnen, an der Idee zu Zupfen und zu ziehen, um zu sehen, was draus wird. Die erste Ecke an der ich zog war die Bildwirkung. Ich wollte eine große Tiefe durch eine besonders geringe Tiefenschärfe. Damit war als schon mal die Brenitzermethode gesetzt. Das Bild oben ist aus sagenhaften 130 Einzelaufnahmen zusammengesetzt (allerdings ist das nur ein Ausschnitt des gesamten Panoramas. Ich denke mal, so etwa 75 Bilder werden mindestens wirklich verwendet worden sein). Der zweite Gedanke war es, meine Süßen ins Bild zu nehmen und ein Bild über Angst und Mut draus zu machen. Als das ‚Personal‘ mir allerdings die Gefolgschaft verweigerte, blieb von dieser Idee nur die etwas abseitigere Hälfte übrig. ‚Märchenwald‘ wurde das Motiv.

Einen vorzeigbare Vorläufer zu diesem Bild gibt es auch und ich überlege sogar die beiden Bilder unmittelbar übereinander als Doppelbild auszubelichten. Der untere Teil sähe dann so aus:

Marchenwald_präludium_Website

Die Bilder sind übrigens nur gestitched und beschnitten. Eine Nachbearbeitung hinsichtlich der Farben oder der Belichtung habe ich (noch) nicht vorgenommen. Das Ergebnis ist mir deshalb auch noch zu kalt und verträgt noch etwas Differenzierung. Die verwendete Kamera ist die Pentax K-5 mit dem in meinen Augen großartigen DA* 1.4/55. 

[Über Kreativität] Ein Märchen vom Druck und vom Ventil

Das Hobby Fotografie habe ich mir zugelegt, als ich meine berufliche Aufgabe vom eher entwurflich geprägten Arbeiten mehr zur Realisierung von Gebäuden verlagert habe. Die Kreativität, so hab ich das immer formuliert, hat sich ein neues Ventil gesucht. Aber stimmt das? Ist Kreativität etwas, das in uns kocht und einen glatt zum platzen bringt, wenn es nicht raus kann? Ein schönes Bild ist das ja. Nur ist es leider mindestens unvollständig.

 

Was ist also ‚Kreativität‘? Zunächst mal bedeutet das Wort einfach Schöpferische Kraft. Kreativ ist man, wenn man Ideen hat und diese gestalterisch verwirklicht. Sich das klar zu machen nimmt schon mal etwas Druck aus dem Kessel. Kreativität bedeutet nämlich nicht notwendigerweise, dass das was man macht unbedingt bahnbrechend, atemberaubend und völlig neu sein muss. Einfach nur eine Idee machen. Das klingt realistisch.

Als Architekt – um (m)ein Beispiel außerhalb der Fotografie zu wählen – bewegt man sich in einem engmaschigen Netz von Vorgaben und Zwängen. Ausgehend von den Bedürfnissen und Wünschen des Bauherrn spannt es sich vom Baurecht zu den Kosten, von der Erschließung zur Baukonstruktion und von Materialien bis zu den Terminen (um nur ein paar wenige Stichwörter fallen zu lassen). Die Kreativität des Architekten findet innerhalb dieses Netzes statt. Er kann es nicht ignorieren. Vielleicht kann er es an der einen Stelle etwas dehnen oder an einer anderen ein Stück weiterweben. Nur wenige verlassen es aber ganz. Indem sie Ideen formulieren, ohne den Anspruch sie auch zu bauen. Vordenker und Visionäre. Bei Ihnen findet das Machen aber immer noch statt, wenn schon nicht in Form von gebauter Realität, dann doch in Wort und Zeichnung. Oft gelten sie damit als die kreativsten Köpfe und prägen das, was allgemein unter Kreativität verstanden wird. Ist das eigentlich richtig?

Zunächst mal möchte ich unterstreichen, dass dieses freie, von der Realisierung abgekoppelte Vorwärtsdenken in meinen Augen geradezu unverzichtbar ist. Ohne dieses Prinzip des offenen, hinterfragenden und Zwänge negierenden Forschens würden wir noch in Höhlen leben. Und gleichzeitig ist es nicht weniger kreativ, sich innerhalb des Netzes zu bewegen. Eher im Gegenteil. Im Bereich der Fotografie ist es geradezu unumgänglich:

Eine Idee machen. Wenn man Kreativität auf diesen Nenner bringt, ist es der nächste Schritt, sich das Machen und die Idee näher anzusehen. Zum Machen in der Fotografie gehört alles das, was uns Fotofreunde ja immer ganz besonders umtreibt: die Technik und die Techniken.

Von der Kamera bis zur Bildgestaltung, von Stativ und Blitz bis zur Präsentation oder dem Druck, von der Belichtung bis zur Gewichtung.  Alles von der Beherrschung der Ausrüstung bis zur Beherrschung von Genre, Komposition, Licht und Moment gehört zum Machen. Das ist hier das Netz, in dem wir uns bewegen. Ein solches Netz engt (mich) nicht ein. Letztlich hilft es (mir) eher, eine Idee auszuarbeiten, auf den Punkt zu bringen. Das gilt für die Architektur und die Fotografie. Und da war auch schon das zweite Stichwort: Die Idee.

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Machen ohne Idee ist in meinen Augen eine Art Sport. Ein Krafttraining der Fertigkeiten, der Beherrschung der Technik und der Techniken. Training für die Schöpferische Kraft. Kreativ ist darauf aufbauend dann aber erst die Verbindung des Machens mit einer Idee. Das tückische an der Idee ist, dass sie hier erst nach dem Machen wirklich herzeigbar wird. Ideen zu beschreiben ohne sie zu realisieren gilt in der Fotografie nicht viel. Trotzdem funktioniere ich so, dass ich Ideen gerne mit Worten auf Papier untersuche, umkreise, abgrenze, zuspitze und ausarbeite. Oder sie wegwerfe. Ganz für mich allein. Das lebt aber sicher jeder anders. Die Methode ist egal, wichtig ist es, für sich selbst eine Idee zu entwickeln, welche Bilder man machen will. Bei manchem läuft das spontaner oder intuitiv, ich selbst nähere mich bei  wie gesagt eher ‚theoretisch‘ an. Ältere, mit Leben erfüllte Ideen gehen irgendwann ins Muskelgedächtnis über (Das Beitragsbild ist so ein Beispiel. Die Serie ‚Heimatfilm‘ hat längst tiefe Wurzeln geschlagen und läuft im Autopilot mit, selbst wenn ich nur ein paar Familienfotos schießen will).

Was sind Ideen?  Hier lauern üble Fallstricke. Die Suche nach eigenen Ideen öffnet das ganze Spektrum von Missverständnissen. Eine Idee ist nichts, was man in einem Blogpost oder in einem Buch finden kann (und gleichzeitig sind Blogposts und Bücher gute Auslöser oder Sprungbretter für eigene Ideen). Eine Idee ist nicht nur eine Idee, wenn sie noch niemand hatte (und gleichzeitig sind gute Ideen oft auch neu und unerwartet).

Die gute Nachricht: eine Idee ist besser als keine. Wir reden über Kreativität und da gilt dieser Satz. Auch im Kreativen gibt es blöde um noch blöderere Ideen aber so lange niemand zu Schaden kommt, ist das nicht schlimm. Häufiger als auffallend blöde Ideen sind schwache, mutlose, wenig originelle, nur nachahmende Ideen. Auch die tun nicht weh aber sie helfen der Kreativität nicht weiter. Und bei denen muss man aufpassen,  ob sie überhaupt schon Ideen oder noch Techniken sind. Ich zähle hier bewusst keine Beispiele auf, denn für den einen mag schon eine Idee sein, was für den anderen nur (noch) eine Technik ist. Das ist auch OK so. Verinnerlichte, eingeübte Ideen werden zu Techniken. Das ist das, was ich oben im Wort ‚Muskelgedächtnis‘ ausdrücke.

Ein Rezept für Ideen gibt es nicht. Ich kann nur von mir berichten und damit den Bogen noch mal zur Architektur schlagen: Die Antwort verbirgt sich in der Frage. Eine starke Idee für ein Gebäude steht immer mindestes mit einem Bein auf dem Fundament der Bauaufgabe. Was genau will der Kunde, was braucht er (das muss nicht unbedingt deckungsgleich sein), was bringt der Ort mit, was die Technik und was die Zeit, der Stil der Zeit, der Zeitgeist. Je genauer man fragt, je engmaschiger man das Netz webt, desto leichter findet man zu Konzepten. Und am Ende zu der einen Idee. Klingt nach Arbeit? Genau, das ist es. Es mag geniale Entwerfer (Fotografen) geben, denen die Ideen wie Sterntaler zufallen. Ich bin keiner davon. Und ich bin noch keinem begegnet, glaube ich. Das ist enorm tröstlich, oder? Es ist Arbeit, man kann Ideen erarbeiten. Man muss sie nicht einfach nur haben. Man ist nicht schlechter, wenn Ideen nicht von selber aus einem herausplatzen.

Und da sind wir wieder beim Druck und beim Ventil. Nein, die Kreativität ist nichts, was in uns kocht und uns zum platzen bringt, wenn wir ihr kein Ventil geben. Wir müssen ihr ständig einheizen, damit sie auf Temperatur bleibt. Mit dem Machen und mit Ideen.

Kreativität ist Arbeit. Der Kunde sind wir selbst (zumindest in der freien Fotografie). Fragen wir uns, warum wir (etwas) fotografieren wollen, dann sind wir den ersten Schritt auf eine eigene Idee zugegangen. Jetzt können wir damit weiter machen das spontan ‚gewollte‘ zu hinterfragen und uns dann darum kümmern, was das Sujet mit sich bringt, was die Technik und was die Zeit. Kreativität ist keine Gabe. Sie ist erlernbar und sie muss gepflegt und geübt werden. Und das ist doch besser als wenn sie ein Geschenk wäre, das man hat oder nicht hat. Leider ist es auch eine Ausrede weniger.