[Heimatfilm] Wieder

Wieder Frühling, wieder mal da, wieder ein Bild im ‚Heimatfilm‘.

Ja, ich schreibe wenig. Viel zu wenig, wenn’s nach mir geht. Ja, das hat einen Grund. Letztlich sogar mehrere. Ja, ich werde Euch und mir die Aufzählung ersparen, jeder von uns kennt sie, jeder erlebt sie selbst.

Die Kamera trage ich jeden Tag bei mir. Ernsthaft. Eine hab ich immer bei mir und damit meine ich nicht das Smartphone. Und dann plötzlich. Eine halbe Stunde ohne Plan. Im richtigen Augenblick. Einfach endlich in den Rucksack greifen und das Ding aus dem Neoprentuch wickeln. Einschalten. Gar kein Ziel haben. Kein Projekt ausser den alten, fast vergessenen Serien. Gar nicht weglaufen. Einfach zur Seite drehen. In den Wald sehen, in ein Treppenhaus schauen, die wild blühenden Bäume beachten und ins Knipsen kommen. Ist ein gutes Gefühl. Sollte ich öfter machen. Sollten wir alle öfter machen. Weiterlesen →

[Über Kreativität] Ein Märchen vom Druck und vom Ventil

Das Hobby Fotografie habe ich mir zugelegt, als ich meine berufliche Aufgabe vom eher entwurflich geprägten Arbeiten mehr zur Realisierung von Gebäuden verlagert habe. Die Kreativität, so hab ich das immer formuliert, hat sich ein neues Ventil gesucht. Aber stimmt das? Ist Kreativität etwas, das in uns kocht und einen glatt zum platzen bringt, wenn es nicht raus kann? Ein schönes Bild ist das ja. Nur ist es leider mindestens unvollständig.

 

Was ist also ‚Kreativität‘? Zunächst mal bedeutet das Wort einfach Schöpferische Kraft. Kreativ ist man, wenn man Ideen hat und diese gestalterisch verwirklicht. Sich das klar zu machen nimmt schon mal etwas Druck aus dem Kessel. Kreativität bedeutet nämlich nicht notwendigerweise, dass das was man macht unbedingt bahnbrechend, atemberaubend und völlig neu sein muss. Einfach nur eine Idee machen. Das klingt realistisch.

Als Architekt – um (m)ein Beispiel außerhalb der Fotografie zu wählen – bewegt man sich in einem engmaschigen Netz von Vorgaben und Zwängen. Ausgehend von den Bedürfnissen und Wünschen des Bauherrn spannt es sich vom Baurecht zu den Kosten, von der Erschließung zur Baukonstruktion und von Materialien bis zu den Terminen (um nur ein paar wenige Stichwörter fallen zu lassen). Die Kreativität des Architekten findet innerhalb dieses Netzes statt. Er kann es nicht ignorieren. Vielleicht kann er es an der einen Stelle etwas dehnen oder an einer anderen ein Stück weiterweben. Nur wenige verlassen es aber ganz. Indem sie Ideen formulieren, ohne den Anspruch sie auch zu bauen. Vordenker und Visionäre. Bei Ihnen findet das Machen aber immer noch statt, wenn schon nicht in Form von gebauter Realität, dann doch in Wort und Zeichnung. Oft gelten sie damit als die kreativsten Köpfe und prägen das, was allgemein unter Kreativität verstanden wird. Ist das eigentlich richtig?

Zunächst mal möchte ich unterstreichen, dass dieses freie, von der Realisierung abgekoppelte Vorwärtsdenken in meinen Augen geradezu unverzichtbar ist. Ohne dieses Prinzip des offenen, hinterfragenden und Zwänge negierenden Forschens würden wir noch in Höhlen leben. Und gleichzeitig ist es nicht weniger kreativ, sich innerhalb des Netzes zu bewegen. Eher im Gegenteil. Im Bereich der Fotografie ist es geradezu unumgänglich:

Eine Idee machen. Wenn man Kreativität auf diesen Nenner bringt, ist es der nächste Schritt, sich das Machen und die Idee näher anzusehen. Zum Machen in der Fotografie gehört alles das, was uns Fotofreunde ja immer ganz besonders umtreibt: die Technik und die Techniken.

Von der Kamera bis zur Bildgestaltung, von Stativ und Blitz bis zur Präsentation oder dem Druck, von der Belichtung bis zur Gewichtung.  Alles von der Beherrschung der Ausrüstung bis zur Beherrschung von Genre, Komposition, Licht und Moment gehört zum Machen. Das ist hier das Netz, in dem wir uns bewegen. Ein solches Netz engt (mich) nicht ein. Letztlich hilft es (mir) eher, eine Idee auszuarbeiten, auf den Punkt zu bringen. Das gilt für die Architektur und die Fotografie. Und da war auch schon das zweite Stichwort: Die Idee.

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Machen ohne Idee ist in meinen Augen eine Art Sport. Ein Krafttraining der Fertigkeiten, der Beherrschung der Technik und der Techniken. Training für die Schöpferische Kraft. Kreativ ist darauf aufbauend dann aber erst die Verbindung des Machens mit einer Idee. Das tückische an der Idee ist, dass sie hier erst nach dem Machen wirklich herzeigbar wird. Ideen zu beschreiben ohne sie zu realisieren gilt in der Fotografie nicht viel. Trotzdem funktioniere ich so, dass ich Ideen gerne mit Worten auf Papier untersuche, umkreise, abgrenze, zuspitze und ausarbeite. Oder sie wegwerfe. Ganz für mich allein. Das lebt aber sicher jeder anders. Die Methode ist egal, wichtig ist es, für sich selbst eine Idee zu entwickeln, welche Bilder man machen will. Bei manchem läuft das spontaner oder intuitiv, ich selbst nähere mich bei  wie gesagt eher ‚theoretisch‘ an. Ältere, mit Leben erfüllte Ideen gehen irgendwann ins Muskelgedächtnis über (Das Beitragsbild ist so ein Beispiel. Die Serie ‚Heimatfilm‘ hat längst tiefe Wurzeln geschlagen und läuft im Autopilot mit, selbst wenn ich nur ein paar Familienfotos schießen will).

Was sind Ideen?  Hier lauern üble Fallstricke. Die Suche nach eigenen Ideen öffnet das ganze Spektrum von Missverständnissen. Eine Idee ist nichts, was man in einem Blogpost oder in einem Buch finden kann (und gleichzeitig sind Blogposts und Bücher gute Auslöser oder Sprungbretter für eigene Ideen). Eine Idee ist nicht nur eine Idee, wenn sie noch niemand hatte (und gleichzeitig sind gute Ideen oft auch neu und unerwartet).

Die gute Nachricht: eine Idee ist besser als keine. Wir reden über Kreativität und da gilt dieser Satz. Auch im Kreativen gibt es blöde um noch blöderere Ideen aber so lange niemand zu Schaden kommt, ist das nicht schlimm. Häufiger als auffallend blöde Ideen sind schwache, mutlose, wenig originelle, nur nachahmende Ideen. Auch die tun nicht weh aber sie helfen der Kreativität nicht weiter. Und bei denen muss man aufpassen,  ob sie überhaupt schon Ideen oder noch Techniken sind. Ich zähle hier bewusst keine Beispiele auf, denn für den einen mag schon eine Idee sein, was für den anderen nur (noch) eine Technik ist. Das ist auch OK so. Verinnerlichte, eingeübte Ideen werden zu Techniken. Das ist das, was ich oben im Wort ‚Muskelgedächtnis‘ ausdrücke.

Ein Rezept für Ideen gibt es nicht. Ich kann nur von mir berichten und damit den Bogen noch mal zur Architektur schlagen: Die Antwort verbirgt sich in der Frage. Eine starke Idee für ein Gebäude steht immer mindestes mit einem Bein auf dem Fundament der Bauaufgabe. Was genau will der Kunde, was braucht er (das muss nicht unbedingt deckungsgleich sein), was bringt der Ort mit, was die Technik und was die Zeit, der Stil der Zeit, der Zeitgeist. Je genauer man fragt, je engmaschiger man das Netz webt, desto leichter findet man zu Konzepten. Und am Ende zu der einen Idee. Klingt nach Arbeit? Genau, das ist es. Es mag geniale Entwerfer (Fotografen) geben, denen die Ideen wie Sterntaler zufallen. Ich bin keiner davon. Und ich bin noch keinem begegnet, glaube ich. Das ist enorm tröstlich, oder? Es ist Arbeit, man kann Ideen erarbeiten. Man muss sie nicht einfach nur haben. Man ist nicht schlechter, wenn Ideen nicht von selber aus einem herausplatzen.

Und da sind wir wieder beim Druck und beim Ventil. Nein, die Kreativität ist nichts, was in uns kocht und uns zum platzen bringt, wenn wir ihr kein Ventil geben. Wir müssen ihr ständig einheizen, damit sie auf Temperatur bleibt. Mit dem Machen und mit Ideen.

Kreativität ist Arbeit. Der Kunde sind wir selbst (zumindest in der freien Fotografie). Fragen wir uns, warum wir (etwas) fotografieren wollen, dann sind wir den ersten Schritt auf eine eigene Idee zugegangen. Jetzt können wir damit weiter machen das spontan ‚gewollte‘ zu hinterfragen und uns dann darum kümmern, was das Sujet mit sich bringt, was die Technik und was die Zeit. Kreativität ist keine Gabe. Sie ist erlernbar und sie muss gepflegt und geübt werden. Und das ist doch besser als wenn sie ein Geschenk wäre, das man hat oder nicht hat. Leider ist es auch eine Ausrede weniger.

[Über Bildserien] Nachhaltige Waldwirtschaft

Ich hab’s erwähnt: Ich gehe. Zur Arbeit. Nicht nur morgen früh, wenn hier in Stuttgart Busse und Bahnen streiken sondern so oft wie möglich. Durch den Wald vor meiner Türe. Als ich darüber das erste Mal berichtet hatte, schrieb ich, zu gehen sei kein Fotoprojekt. Das ist so. Für heute vergessen wir das aber mal.

[Heimatfilm] Nachhaltige Waldwirtschaft-13

Über das Für und Wider der Waldwirtschaft werde ich mich nicht auslassen. Wir sind auf den Rohstoff Holz angewiesen, er gilt als besonders nachhaltig und ökologisch. Dazu gehört es, dass er geerntet wird. Dass man das auch schonender machen könnte, steht auf einem anderen Blatt. Die Veränderung meines Wanderwaldes ‚wollte‘ deshalb unbedingt zu einer Bildserie werden.

Ich bin ja ein großer Anhänger des Fotografierens in Serien. Meistens nehme ich mir Serien vor, die über mehrere Wochen oder Monate, manchmal sogar Jahre tragen sollen. Machmal sind es kleine, in sich geschlossene Themen, die man an einem Tag beginnt und abschließt. Die kleine Reportage über Sammys Frisiersalon war so etwas. Oder heute eben Bilder von gefällten Bäumen. Warum liebe ich Serien?

Serien sammeln. Wenn eine Serie entsteht, dann hilft mir das, mir selbst über etwas klar zu werden. Man schnitzt alles überflüssige ab, schleift dran rum, pustet immer wieder den Staub ab und hat am Ende (im Idealfall) einen klaren Gedanken vor sich. Und nicht mehr unscharf in sich. Um das am Beispiel dieser Bilder hier festzumachen: Ich habe mich anfangs ungeheuer geärgert, dass ‚mein‘ Wald so zugerichtet wurde. Das war doch mein Wald, der hatte gefälligst so zu bleiben wie er war. Der Gedanke schlich sich seit Wochen immer wieder in meinen Kopf am Morgen. Nun wird das anders sein. Nun habe ich Ihn zu einer Bildserie gemacht, den Gedanken in Bilder gefasst und damit gewissermaßen für mich abgeschlossen.

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Serien erzählen. Ein einzelnes Bild kann das nicht. Oder nur sehr viel schwerer, lückenhafter, unvollständiger. Mit einer Serie kann man alle Seite eines Gedankens beleuchten. Wie Bäume zu Stückware werden. Wie die alten Baumriesen aus dem Dickicht junger dünner Stämmchen verschwinden. Wie die Erntefahrzeuge Breschen durch den Wald brechen. Wie der Wald dennoch bleibt, was er war. Oder es zumindest wieder werden wird.

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Serien kann man zeigen. Zumindest mir geht es so, dass ich (meine) Einzelbilder gerne als Stückwerk wahrnehme. Auch hinter berühmten, ikonenhaften Einzelbildern stehen meist Serien. Serien machen herausragende Bilder in meinen Augen erst möglich. Manchmal schafft man es in einer Serie ein einzelnes Bild zu treffen, in dem der ganze Gedanke spürbar wird, in dem die ganze Serie kondensiert. Das ist nicht die Regel. Schön wär’s. Aber die Serie ist die Voraussetzung, dass es ab und zu gelingt. Und wenn ein solches Bild nicht dabei ist, dann schafft es eine Serie vielleicht trotzdem noch, den Betrachter ein bisschen zu fesseln und mitzunehmen. Besser als ein einzelnes Bild.

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Ich könnte jetzt noch etwas zum Handwerklichen einer Serie schreiben. Über die Entscheidung für einen einheitlichen Bildstil, über Farben, Brennweiten, Schärfentiefen oder Bearbeitung. Das wäre einfacher, wenn ich mich hier in diesem Beispiel wenigstens auf ein einheitliches Bildformat festgelegt hätte. Ich hab es nicht getan weil ich situationsgebunden reagiert habe. Ich habe auch zwei Kameras mit zwei Brennweiten verwendet. Den Zusammenhalt suche ich in den Farben und der Wiederholung scheinbar gleicher Motive. Mehr nicht. Deshalb lasse ich das Handwerkliche heute einfach beiseite. 😉

[Spiel’s noch einmal, Sam!] Wahrzeichen zum Zweiten

Nach dem ersten, ziemlich vernebelten Anlauf, endlich wieder ‚das‘ Stuttgarter Wahrzeichen, den Fernsehturm zu erstürmen, habe ich gestern gleich noch mal nachgelegt. Wieder spontan, wieder ohne feste (fotografische) Vorsätze und diesmal mit meinem lieben ‚Blogger-Kollegen‘ Oliver aus München.

[been to] Wahrzeichen reloaded-3

Eigentlich standen wir – wenn man ehrlich ist – einfach beide auf dem Turm, haben die Aussicht genossen, geredet und ab und zu mal den Auslöser gedrückt. Oliver hat gerade als Gast in einem Podcast von Thomas Leuthard über ’sein‘ Thema gesprochen. Über das ‚Vier-Augen-Modell‘ von Wolfgang Zurmühle, über das wir uns auch schon mal intensiv unterhalten hatten. Das war ein Thema. Und wir haben über unsere Kameras getratscht (Oliver ist gerade vom Nikon KB-Format auf mFT umgestiegen, ich spiele immer noch sehr gern mit meiner unverschämt billigen Neuerwerbung Galaxy NX rum und lache gern und herzlich über ihre Macken und Verrücktheiten).

Ein paar Bilder sind auch dabei herausgekommen. Ich zeige die vor allem, um Lust auf einen Ausflug auf den Turm zu machen. Die Renovierung hat ihm nicht geschadet. Alles was liebenswert und altmodisch war, hat man erfreulicherweise nicht angetastet. Und das wichtigste – den Blick ins Land – hat gestern kein Nebel getrübt. Da hätte ein Teleobjektiv nicht geschadet. Aber das hatte keiner von uns dabei 😀 …

(Galaxy NX mit NX 20-50 und Nikon 1.8/50)

Ich mag es nicht verheimlichen: Eigentlich ist das ein Artikel, den ich nur schreibe, weil es einfach schön war, Oliver wieder zu treffen, weil es einfach schön ist, Euch Blogger, Leser und Kommentierer über das Schreiben kennenzulernen. Ihr seid toll! Und ich schreibe ihn, damit Ihr alle Olivers Gastspiel bei Thomas Leuthard anhört! 🙂

[Coverfoto] Mordschwarzwald

Es ist schon einfach toll, wenn das Telefon klingelt und sich jemand vorstellt, weil er ein Bild für ein Hörbuch verwenden will. So ging es mir letzten Herbst und der ‚jemand‘ war Mike Maas, der … Weiterlesen →

[Update] Jetzt auch per Facebook

Ich mach’s kurz: Nach langem Zögern habe ich mich heute spontan entschieden, meinem Blog ein ‚Spiegelbild‘ auf Facebook zu verpassen (den Begriff ‚Fanpage‘ finde ich doch ein wenig anmaßend).

Was ich nicht tun werde, ist es, Facebook auch noch Geld für meine eigenen Inhalte in den Rachen zu werfen. Das bedeutet, dass man auch nach einem ‚gefällt mir‘ nicht sicher sein kann, wirklich über neue Blogbeiträge informiert zu werden. Aber das ist eben so.

Immerhin ist das ganze vielleicht interessant für den einen oder anderen, besonders wenn man lieber bei Facebook liest, als einen Feedreader oder -aggregator (feedly oder so) zu verwenden.

Hier geht’s lang (komm’se rein, komm’se näher!)

[Und was machst Du so für Fotos?] Schublade mit Aussicht

Wie oft passiert mir das. Irgendwie kommt das Gespräch auf mein Hobby, dann ist die nächste Frage immer: ‚und was machst Du so für Fotos?‘. Was antwortet man da? Ich hab keine Schublade parat. Mache … Weiterlesen →

[bloggen] Rückblick, Ausblick, das Übliche zum Jahreswechsel

‚Bloggen‘. So langsam klingt das Wort nicht mehr wirklich aktuell. Noch weniger aktuell klingt allerdings das Wort ‚Forum‘. Facebook hat bis zu einem gewissen Grad beides aufgefressen. Und Facebook ist selbst schon ein alte-Menschen-Medium. Flickr ist nicht besser, Instagram vielleicht, Snapchat, Whatsapp, Twitter meinetwegen. Trotzdem poste ich noch in Foren. Und vor allem: Trotzdem blogge ich! Ein Blog ist im Gegensatz zu all diesen Medien etwas, das man im Ganzen selbst bestimmen kann. Inhalte, Präsentation, Dynamik. Ein Blog erreicht weniger Menschen als ein Forum oder Facebook, als Flickr oder Twitter. Das ist nicht schlimm. Ich bin kein Unternehmen. Ein Blog bietet statt dessen einen Blick im Zusammenhang an, der in den sozialen Medien gerne im stetigen Fluss von Happen und Häppchen untergeht.

http://stefansenf.de/?p=3730

http://stefansenf.de/?p=3730

Hier ist alles von mir. Mein Leben spiegelt sich in allem hier. In den Bildern, den Themen, selbst der Häufigkeit in der ich hier schreibe (und in Phasen der Funkstille). Mal ist dieses Spiegelbild klar und scharf, mal wird es matt und undeutlich. Auf längere Sicht wird es aber (denke ich) immer plastischer und lebendiger. Dafür liebe ich die Blogs, denen ich selbst folge: Sie erlauben es mir, mir ein Bild zu machen, das über einen Schnappschuss hinaus geht. Sie gestatten dem Leser eine persönliche Nähe, obwohl sie eigentlich nur von einem gemeinsamen Interesse, von einem Hobby handeln. Und dafür blogge ich selbst. Als Einladung.

Mit den Bildern ist das genauso. Die Bilder, die man macht und auch jene, die man nicht macht, bilden im Zusammenhang ab, was man ist. Das gilt letztlich bis in den journalistischen Bereich, es gilt für Portraits, Makros, Landschaften, Straßenbilder, Kunst, Kitsch, Familienfotos, alles. Das ist mein Selbstverständnis. Meine Bilder verstehe ich so. Auch die, die ich nicht mache.

2013 hatte ich noch konsequent Woche für Woche eine Bilderserie entwickelt: ‚Heimatfilm‘. Immer noch ein Stichwort für mich, das nicht an Bedeutung verliert. Diese Serie hatte mich ein gutes Stück voran gebracht. In Sachen Konzept, Serie und Ausdauer zum Beispiel. Als ich mir im letzten Jahr gleich vier wöchentliche Serien vorgenommen hatte, musste ich nach einiger Zeit akzeptieren, dass das nicht ging. Ich blieb auf halbem Wege stecken. Dafür gab es gute Gründe.

Das ‚Scheitern‘ an den selbst gesteckten Zielen hat etwas abgeschlossen. Aber das hat mehr Zeit gebraucht, als ich erwartet hatte: Auch dieses Jahr blieb eher still. Ich habe viel gelesen und wenig geschrieben, viel fotografiert und wenig gezeigt. Vorrang hat nun das, was mir wichtig ist, was mir gut tut und was Spaß macht. Mich den Mechanismen der Selbstvermarktung im Netz zu unterwerfen, gehört nicht dazu. Darin war ich sowieso nie gut. Ein gewisses Maß an Auffindbarkeit muss reichen. So ist auch dieser Artikel hier gedacht.

Bilder und Beiträge zu verfassen, nur um den Blog zu füllen, das hinterlässt kein gutes Gefühl bei mir. Mittlerweile schreibe ich seltener und fühle mich gut damit. Das mit ‚Heimatfilm‘ begonnene, will ich dennoch weiter wieder pflegen und nach einem fotografisch sehr ruhigen Jahr ist das mein Vorsatz für 2016, mein ‚Projekt‘. Konzepte, Serien, Ausdauer. Bilder auf Papier. Bilder in Büchern. Für die, die sich darauf einlassen wollen und für mich. Ähnliches hatte ich schon für dieses Jahr auf dem Schirm, ohne es umzusetzten. Dinge brauchen offenbar Ihre Zeit.

Michael Omori Kirchner sammelt wie jedes Jahr Blogs in seiner ‚Fotografie-Blog-Bühne‚. Dass ich mich zum ersten Mal dafür entschieden habe, dort mitzumachen, ja, vielleicht ist das etwas inkonsequent. Vielleicht setzt es mich wieder unter Druck, nun auch zu ‚liefern‘. Aber deine Sammlung von Foto-Blogs, Michael, verstehe ich als Adressbuch, als Einladung an die Gemeinschaft der Blog-Leser und Blogger, im kommenden Jahr ein Stück Weg zusammen zu gehen. Diese Einladung möchte ich teilen.

[Heimatfilm unltd.] Take a walk on the wald side

Meinen Weg zur Arbeit kann ich mit dem Auto fahren. Allerdings könnte ich das Auto seit dem ersten Oktober eigentlich nicht mehr parken. Stuttgart hat sich eine umfassende Parkraumbewirtschaftung verpasst. Ich kann ihn auch mit … Weiterlesen →

[Bix] Kuhnacht und eng wie Sau

Der Stuttgarter Jazzchor trifft ‚Funk Affair‘ im Bix in Stuttgart.

[Bix]Jazzchor Stuttgart meets Funk Affair - -19

Es ehrt einen ja, wenn man aus heiterem Himmel zu einem Konzert gebeten wird, um Fotos zu machen. Und klar, wenn gute Freunde bitten, dann bin ich da. Das war so, als ich ‚aus dem Stand‘ eine Hochzeit fotografieren sollte (ohne das je zuvor gemacht zu haben) und nun war es also ein Jazzkonzert.

Um nicht ständig die Objektive wechseln zu müssen, hatte ich die K-5 mit dem 1.4/55 und die NX 300 mit dem 2.4/16 dabei. Die Belichtungszeiten wählte ich zwischen 1/125 und 1/160, die Blenden waren offen, die Empfindlichkeit ließ ich auf Automatik bei Mehrfeldmessung, einer Blende Unterbelichtung und maximal ISO 3200. Der Rest war eine Aufgabe für Lightroom, wobei die meisten Bilder nicht viel Arbeit brauchen. Sie sind wie sie sind. Dunkel. Wie das Bix.

Das Bix ist ein kleiner, angesehener Jazz’keller‘ mitten Stuttgart. Wirklich klein. Der Jazzchor fand schon alleine kaum Platz auf der Bühne. Als die Tübinger Band ‚Funk Affair‘ dazu kam, wurde es endgültig ein echtes Gedränge. Der Musik tat das keinen Abbruch. Funknummern und Jazzklassiker standen genau so eng nebeneinander wie die ungleichen Künstler. Und alles harmonierte prächtig. Nur wie man das als – noch dazu in Sache Konzertfotografie völlig unerfahrener – Hobbyfotograf in lebendige Bilder packen soll, war mir anfangs nicht ganz klar. Stützen mitten auf der Bühne, die Tische der Gäste bis an den Bühnenrand möbliert und voll besetzt und fast kein Licht: Wow! Ich habe mich darauf besonnen das zu tun, was ich am liebsten tue: Nahe rangehen oder Details in den Vordergrund rücken.

Das 55er ist an APS-C eine Portraitbrennweite. Für das Konzert war die Lichtstärke ein Segen, die Brennweite aber etwas knapp. Um die Dirigentin, einzelne Sänger/innen oder die Musiker von “Funk Affair‘ einzeln herauszugreifen, musste ich mich schon recht selbstbewusst vor Ihnen aufbauen. Das Publikum war gnädig. Zum Glück.

Das 16er war unkompliziert. Für die Totale in einem engen, quer angeordneten Raum war es genau richtig. Die Lichtstärke ist brauchbar und die Schärfe ist auch offen gut genug, um angesichts des ISO-Rauschens keine Limitierung darzustellen. Außerdem hat es trotzdem Tiefenschärfe satt.

Nun ja. Für eine Premiere war das alles ganz großartig…   …das Konzert, meine ich 😛 . Über meine Bilder urteile ich nicht selbst 😉