[Gear acquisition syndrome] klein, stark, schwarz.

Wie viel kompakte Qualität bekommt man heute für kleines Geld?

Ich hatte ja kürzlich meine GX10 verkauft. Ein solides Stück Kamera, gut in Schuss, erwachsen in der Bedienung, ein guter Gefährte auf meinem bisherigen Weg durchs Hobby. Und ein Brocken von über 700 gr. Mit Objektiv und Akku fast ein Kilo. Wie hier angekündigt, wollte ich die GX10 eigentlich wieder öfter einfach am langen Arm mit in die Stadt nehmen. Aber ich habe gemerkt, dass sie dafür nicht geschaffen ist. Oder ich bin es nicht. Seit sie verkauft ist, suche ich also einen kleinen, hochwertigen Ersatz. Einen, der nach Möglichkeit nicht viel mehr kosten sollte, als die GX10 eingespielt hat. Dieser Artikel befasst sich mit der Suche danach.

Gibt es das also? Bildqualität für 175,- EUR plus X. Neu, klein verpackt, leicht, mit Blitzschuh und wenigstens andeutungsweise mit Gestaltungsmöglichkeiten über die Schärfeverteilung im Bild?

Ja, das gibt es. Die Auswahl ist nicht riesig aber immer noch viel besser, als ich dachte. Lustigerweise sind es jeweils zwei Kameras aus den Häusern Samsung und Olympus, die für mich in das genannte Raster fielen. Die Samsung NX 1000, die Samsung EX2F, die Olympus E-PM1 und die Olympus ZX-1. Das hier wird kein Vergleichstest oder so. Ich habe mich schlussendlich für die Samsung NX 1000 entschieden. Aber warum?

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Mein erster Favorit war die Pen Mini. Ein Auslaufmodell. Als ‚herstellergeprüfte Gebrauchtkamera‘ (aka. ‚Refurbished‘) habe ich letzte Woche bei einem großen Onlineauktionshaus gerade mal 175,- für ein (fast) neues Exemplar bezahlt und meine Budgetvorgabe damit perfekt erreicht. Ich hatte die Kamera also sozusagen 1:1 gegen die GX10 eingetauscht. Das Hans-im-Glück-Prinzip. So was macht mir Spaß. Hatte wohl letztlich auch die Entscheidung beschleunigt.

Die E-PM1 hat die ganz große Review-Runde ja schon hinter sich. Ming Thein hat sie zum Beispiel offenbar geradezu lieb gewonnen. Oder Amy Medina (für Steve Huff). Testbilder und so ein Zeug gibt es jedenfalls mehr als genug im Netz. Ich war also voll Vorfreude, als sie kam. Und tatsächlich: Sieht toll aus (bisschen nach Spielzeug vielleicht, vor allem das Objektiv) und fühlt sich toll an. Schien zu passen. Das edle Stück hätte auch beste Chancen gehabt, bei mir zu bleiben, wenn da nicht der buchstäblich erschütternde Verschluss wäre. Das Ding macht verwackelt (zumindest in meinen Händen) angesichts der vielleicht schon fast zu leichten Kamera alle Bilder zwischen 1/100 und 1/200. Unabhängig davon, ob der Stabi an ist oder nicht. Ich habe an mir gezweifelt. Das Ganze scheint aber nach Aussage eines informierten Olympus-Kenners tatsächlich mehr oder weniger normal zu sein. Die Kamera befindet sich mittlerweile auf der Rückreise.

Dann haben mich die beiden High-End-Kompaktkameras interessiert. Gerade bei der Olympus ZX-1 mit Ihren f 1.8 bis 2.5 kann man – wenn man den Schärfentieferechnern glaubt – annähernd mit den Freistellungsmöglichkeiten einer APS-C-Kompakten mit Kitobjektiv mithalten. Und der Vorsprung in der Lichtstärke erlaubt gleichzeitig noch die Verwendung von ISO-Einstellungen, die rund 2 Stufen unter jenen einer DSLR mit dem typischen 18-55/3.5-5.6 liegen (bei gleichen Zeiten und gleicher Schärfeverteilung im Bild). Dadurch fällt auch das Rauschen und die Bildqualität durchaus vergleichbar aus. Das Ganze ist klein und handlich verpackt, mit der Möglichkeit RAWs zu speichern und preiswert – weil ein Auslaufmodell. Bei der Samsung EX2F ist das alles recht ähnlich. Von den Kompakten hat mich aber mein Spieltrieb abgehalten. Auch wenn ich die Kamera mit nur einem Objektiv mit mir herumtragen werde, werde ich vielleicht nicht ewig widerstehen können, dieses Objektiv hin und wieder durch ein anderes zu ersetzen. Außerdem ist es mir sympathisch, an einen Sensor auch mal ranzukommen. Falls das der Dreck vor mir schafft.

Also die die Samsung NX 1000. Das Samsung NX-System hat für mich Züge eines Geheimtipps. Die NX 1000 ist derzeit geradezu lächerlich billig (ich habe meine heute als Sonderangebot in einer Supermarktkette erworben. Für gerade mal 199,- EUR!) und ihre Bildqualität mit einem 20 MP APS-C-Sensor ist, soweit ich das in aller Schnelle beurteilen kann, beeindruckend. Auch mit dem recht kleinen Kitobjektiv.

Klar, sie ist deutlich weniger wertig verarbeitet als die E-PM1. Da mag auch der Grund dafür sein, dass man im Netz recht wenig von ihr liest. Sie hat als Kamera selbst keine besondere Ausstrahlung. Das ist keine keine Leica, keine Fuji X und noch nicht mal eine Ricoh GR. An der NX 1000 ist alles Plastik, fühlt sich an wie Plastik und sieht auch aus wie Plastik. Obwohl die Kamera aus einem homogenen Material ist, täuscht sie eine gepolsterte Belederung vor. Leider sieht man das. Nicht unbedingt ein Styling, das meinen Prioritäten entspricht. Das gilt allerdings nicht für das technische Design: Ergonomisch nämlich, passt sie mir auf Anhieb ziemlich gut! Liegt gut in der Hand, lässt sich intuitiv verwenden. Der i-Fn-Knopf am Objektiv legt frei wählbare Funktionen auf den Fokusring. Das hat Potential. Auch das Objektivangebot – wenn man je mal nachlegen möchte – ist mit mehreren kleinen ‚Pancakes‘ sehr ‚passend‘  und preislich moderat.

Mehr werde ich erst schreiben, wenn ich die Kamera wirklich benutzt habe. Heute war der Weg das Ziel. 😉

 

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hab mir die Kleine NX1000 im Set mit dem Tab gekauft und find sie absolut klasse. Richtig top fürs Geld. JPG ist für HIISO-Fetischisten zwar keine Erleuchtung, aber in Raw geht einiges. Auch die Kitobjektive und die sonstige relativ günstige NX Palette bieten sehr viel fürs Geld.

    Feines kleines Gerät welches viel Freude bereiten kann.
    Und für das Geld anstatt eine Knipskiste einfach eine Kamera kaufen! 😉

  2. Du bist ziemlich mitschuldig an diesem Kauf. Danke dafür! 😀

  3. Pingback: [Samsung NX 1000] Der DSLR-Schreck | Stefan Senf

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