[Über Bildserien] Nachhaltige Waldwirtschaft

Ich hab’s erwähnt: Ich gehe. Zur Arbeit. Nicht nur morgen früh, wenn hier in Stuttgart Busse und Bahnen streiken sondern so oft wie möglich. Durch den Wald vor meiner Türe. Als ich darüber das erste Mal berichtet hatte, schrieb ich, zu gehen sei kein Fotoprojekt. Das ist so. Für heute vergessen wir das aber mal.

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Über das Für und Wider der Waldwirtschaft werde ich mich nicht auslassen. Wir sind auf den Rohstoff Holz angewiesen, er gilt als besonders nachhaltig und ökologisch. Dazu gehört es, dass er geerntet wird. Dass man das auch schonender machen könnte, steht auf einem anderen Blatt. Die Veränderung meines Wanderwaldes ‚wollte‘ deshalb unbedingt zu einer Bildserie werden.

Ich bin ja ein großer Anhänger des Fotografierens in Serien. Meistens nehme ich mir Serien vor, die über mehrere Wochen oder Monate, manchmal sogar Jahre tragen sollen. Machmal sind es kleine, in sich geschlossene Themen, die man an einem Tag beginnt und abschließt. Die kleine Reportage über Sammys Frisiersalon war so etwas. Oder heute eben Bilder von gefällten Bäumen. Warum liebe ich Serien?

Serien sammeln. Wenn eine Serie entsteht, dann hilft mir das, mir selbst über etwas klar zu werden. Man schnitzt alles überflüssige ab, schleift dran rum, pustet immer wieder den Staub ab und hat am Ende (im Idealfall) einen klaren Gedanken vor sich. Und nicht mehr unscharf in sich. Um das am Beispiel dieser Bilder hier festzumachen: Ich habe mich anfangs ungeheuer geärgert, dass ‚mein‘ Wald so zugerichtet wurde. Das war doch mein Wald, der hatte gefälligst so zu bleiben wie er war. Der Gedanke schlich sich seit Wochen immer wieder in meinen Kopf am Morgen. Nun wird das anders sein. Nun habe ich Ihn zu einer Bildserie gemacht, den Gedanken in Bilder gefasst und damit gewissermaßen für mich abgeschlossen.

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Serien erzählen. Ein einzelnes Bild kann das nicht. Oder nur sehr viel schwerer, lückenhafter, unvollständiger. Mit einer Serie kann man alle Seite eines Gedankens beleuchten. Wie Bäume zu Stückware werden. Wie die alten Baumriesen aus dem Dickicht junger dünner Stämmchen verschwinden. Wie die Erntefahrzeuge Breschen durch den Wald brechen. Wie der Wald dennoch bleibt, was er war. Oder es zumindest wieder werden wird.

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Serien kann man zeigen. Zumindest mir geht es so, dass ich (meine) Einzelbilder gerne als Stückwerk wahrnehme. Auch hinter berühmten, ikonenhaften Einzelbildern stehen meist Serien. Serien machen herausragende Bilder in meinen Augen erst möglich. Manchmal schafft man es in einer Serie ein einzelnes Bild zu treffen, in dem der ganze Gedanke spürbar wird, in dem die ganze Serie kondensiert. Das ist nicht die Regel. Schön wär’s. Aber die Serie ist die Voraussetzung, dass es ab und zu gelingt. Und wenn ein solches Bild nicht dabei ist, dann schafft es eine Serie vielleicht trotzdem noch, den Betrachter ein bisschen zu fesseln und mitzunehmen. Besser als ein einzelnes Bild.

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Ich könnte jetzt noch etwas zum Handwerklichen einer Serie schreiben. Über die Entscheidung für einen einheitlichen Bildstil, über Farben, Brennweiten, Schärfentiefen oder Bearbeitung. Das wäre einfacher, wenn ich mich hier in diesem Beispiel wenigstens auf ein einheitliches Bildformat festgelegt hätte. Ich hab es nicht getan weil ich situationsgebunden reagiert habe. Ich habe auch zwei Kameras mit zwei Brennweiten verwendet. Den Zusammenhalt suche ich in den Farben und der Wiederholung scheinbar gleicher Motive. Mehr nicht. Deshalb lasse ich das Handwerkliche heute einfach beiseite. 😉

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Deine Gedanken über „Serien“ begleiten mich. Vielen Dank für dieses Hirnfutter. Kann ich gut gebrauchen… Ach ja: starke Serie!

    Lg,
    Werner

  2. Danke Werner. Die kleinen Serien, Tagesprojekte sind das was ich neben der ‚Gebrauchsfotografie‘ zur Zeit noch hinbekomme. Die großen Linien bilden dagegen inzwischen ein Bündel offener Fäden, mit denen ich viel zu selten weiterstricke…

  3. Schon ewig wollte ich hierzu einen Kommentar schreiben, nun aber!

    Dein Blick auf den Wald ähnelt dem meinen sehr, das lese ich aus deinen Texten heraus, aber vor allem sehe ich es, wenn ich deine und meine Wald-Bilder vergleiche. Was allerdings anders ist, ich gehe nicht täglich durch den selben Wald und daraus ist bei dir diese Serie entstanden, die mir sehr gut gefällt.

    Ich teile deine Meinung, dass nur eine Serie wirklich erzählen kann. Und ja, sie erzählt viel über denjenigen, der sie fotografiert, über seine Gedanken und seine Wahrnehmung. Und klärt, kann etwas auf den Punkt bringen und schließlich das Gefühl auslösen, mit einem Thema fertig zu sein. Mir ging es so mit einer Serie über die Spuren der Trauer auf Friedhöfen.

    LG, Conny

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