[bloggen] Rückblick, Ausblick, das Übliche zum Jahreswechsel

‚Bloggen‘. So langsam klingt das Wort nicht mehr wirklich aktuell. Noch weniger aktuell klingt allerdings das Wort ‚Forum‘. Facebook hat bis zu einem gewissen Grad beides aufgefressen. Und Facebook ist selbst schon ein alte-Menschen-Medium. Flickr ist nicht besser, Instagram vielleicht, Snapchat, Whatsapp, Twitter meinetwegen. Trotzdem poste ich noch in Foren. Und vor allem: Trotzdem blogge ich! Ein Blog ist im Gegensatz zu all diesen Medien etwas, das man im Ganzen selbst bestimmen kann. Inhalte, Präsentation, Dynamik. Ein Blog erreicht weniger Menschen als ein Forum oder Facebook, als Flickr oder Twitter. Das ist nicht schlimm. Ich bin kein Unternehmen. Ein Blog bietet statt dessen einen Blick im Zusammenhang an, der in den sozialen Medien gerne im stetigen Fluss von Happen und Häppchen untergeht.

http://stefansenf.de/?p=3730

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Hier ist alles von mir. Mein Leben spiegelt sich in allem hier. In den Bildern, den Themen, selbst der Häufigkeit in der ich hier schreibe (und in Phasen der Funkstille). Mal ist dieses Spiegelbild klar und scharf, mal wird es matt und undeutlich. Auf längere Sicht wird es aber (denke ich) immer plastischer und lebendiger. Dafür liebe ich die Blogs, denen ich selbst folge: Sie erlauben es mir, mir ein Bild zu machen, das über einen Schnappschuss hinaus geht. Sie gestatten dem Leser eine persönliche Nähe, obwohl sie eigentlich nur von einem gemeinsamen Interesse, von einem Hobby handeln. Und dafür blogge ich selbst. Als Einladung.

Mit den Bildern ist das genauso. Die Bilder, die man macht und auch jene, die man nicht macht, bilden im Zusammenhang ab, was man ist. Das gilt letztlich bis in den journalistischen Bereich, es gilt für Portraits, Makros, Landschaften, Straßenbilder, Kunst, Kitsch, Familienfotos, alles. Das ist mein Selbstverständnis. Meine Bilder verstehe ich so. Auch die, die ich nicht mache.

2013 hatte ich noch konsequent Woche für Woche eine Bilderserie entwickelt: ‚Heimatfilm‘. Immer noch ein Stichwort für mich, das nicht an Bedeutung verliert. Diese Serie hatte mich ein gutes Stück voran gebracht. In Sachen Konzept, Serie und Ausdauer zum Beispiel. Als ich mir im letzten Jahr gleich vier wöchentliche Serien vorgenommen hatte, musste ich nach einiger Zeit akzeptieren, dass das nicht ging. Ich blieb auf halbem Wege stecken. Dafür gab es gute Gründe.

Das ‚Scheitern‘ an den selbst gesteckten Zielen hat etwas abgeschlossen. Aber das hat mehr Zeit gebraucht, als ich erwartet hatte: Auch dieses Jahr blieb eher still. Ich habe viel gelesen und wenig geschrieben, viel fotografiert und wenig gezeigt. Vorrang hat nun das, was mir wichtig ist, was mir gut tut und was Spaß macht. Mich den Mechanismen der Selbstvermarktung im Netz zu unterwerfen, gehört nicht dazu. Darin war ich sowieso nie gut. Ein gewisses Maß an Auffindbarkeit muss reichen. So ist auch dieser Artikel hier gedacht.

Bilder und Beiträge zu verfassen, nur um den Blog zu füllen, das hinterlässt kein gutes Gefühl bei mir. Mittlerweile schreibe ich seltener und fühle mich gut damit. Das mit ‚Heimatfilm‘ begonnene, will ich dennoch weiter wieder pflegen und nach einem fotografisch sehr ruhigen Jahr ist das mein Vorsatz für 2016, mein ‚Projekt‘. Konzepte, Serien, Ausdauer. Bilder auf Papier. Bilder in Büchern. Für die, die sich darauf einlassen wollen und für mich. Ähnliches hatte ich schon für dieses Jahr auf dem Schirm, ohne es umzusetzten. Dinge brauchen offenbar Ihre Zeit.

Michael Omori Kirchner sammelt wie jedes Jahr Blogs in seiner ‚Fotografie-Blog-Bühne‚. Dass ich mich zum ersten Mal dafür entschieden habe, dort mitzumachen, ja, vielleicht ist das etwas inkonsequent. Vielleicht setzt es mich wieder unter Druck, nun auch zu ‚liefern‘. Aber deine Sammlung von Foto-Blogs, Michael, verstehe ich als Adressbuch, als Einladung an die Gemeinschaft der Blog-Leser und Blogger, im kommenden Jahr ein Stück Weg zusammen zu gehen. Diese Einladung möchte ich teilen.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Diese jährliche „Selbstvorstellung“ lädt dazu ein einmal über sein Tun nachzudenken… und das kann manchmal mehr verändern als irgendwas zu kaufen oder zu lesen…

    Grüße,
    Foto UNICO

  2. Hallo Stefan,

    das sind doch mal Gedanken zum Thema Blog, Selbstdarstellung Projektideen, was man zeigt, was man nicht zeigt und wer man ist…
    Schön. Ein schöner Ansatz mit einer wunderschönen Aussage:
    „… als Einladung an die Gemeinschaft der Blog-Leser und Blogger, im kommenden Jahr ein Stück Weg zusammen zu gehen.“
    Ja das ist schön und bringt uns mit unserem – für manch andere „wunderlichen Blogdingens“ – näher zusammen.

    Ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr

  3. Schöne Gedanken, Stefan. Ich freue mich auf Neues und „Bewährtes“ . Auf die Forsetzung des „Heimatfilms“ ganz besonders: DIese Serie hat mich in den letzten Wochen inspiriert.

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr. Wir lesen uns.
    Werner

  4. Lieber Stefan,

    ja ja,

    war so ein Jahr. Leider leider wird es mich beruflich nicht mehr nach Stuggi führen. Also keine/wenig Möglichkeiten gemeinsam auf einen Plausch zu gehen und die Spiegellosen gegeneinander antreten zu lassen. 😉

    Zum Blog – hach – es ist schwierig. Manchmal möchte ich ihn einfach löschen. Abgesehen von (gefühlten)

    Stammlesern und

    Zufallsbesucher die Woche ist da nicht viel los. Andererseits ist es mein Tagebuch des (täglichen) Fotowahnsinns. Und ja – er spiegelt die aktuelle Situation wieder. Aktuell also _nichts_. Weil Familie und Beruf gerade an Position

    steht.

    Lustigerweise habe ich just an dem Tag als dein Artikel in meinem RSS Feed aufgeschlagen ist meine 2015er Liste mit den Vorsätzen geprüft. Ich habe _nix_ davon erreicht – fast nix. Eines meiner Ziele war: Weniger Online sein, weniger Twitter und Facebook. Twitter ist bei mir inzwischen sehr offline. Facebook wird auch weniger.
    Mehr wird iMessage, WhatsApp und Messenger. Also mehr direkte 1:1 Kontakte. Kurze Chats.

    Ansonsten habe ich meine 2015er Liste etwas überarbeitet und mal elegant nach

    geschoben. Mal sehen ob/wie ich das durchziehe. Auch fotografisch. Da gibt es eine Idee, ein Ansatz. Mal sehen.

    Mit dem (fast fertigen) Umstieg von Nikon auf die Lumix hab‘ ich jedenfalls die Kamera öfters dabei. Hab‘ wieder mehr/anderen Spaß daran. Sogar daran meinen Kleinsten zu fotografieren.

    Also eigentlich kann alles nur gut werden. 😉

    Ich wünsche deiner Familie und dir ein ruhiges und besinnliches Fest und einen gesundes Jahr 2016! Passt auf euch auf!

    lg, oli

  5. Lieber Stefan, interessante Gedanken zu den Themen, die uns gemeinsam sind. „Dinge brauchen offenbar ihre Zeit“. Das ist etwas, was ich aus deinen Artikeln mitnehme. Das zu sich stehen, das sich nicht unter Druck setzen, das sich wohlfühlen mit dem Tempo, dem Prozess, dem Ergebnis. Dein Blog ist ein Ruhepol für mich und ich genieße jeden Artikel.

    Dir und deiner Familie schöne Feiertage!

    LG, Conny

  6. Ich danke Euch allen für Euer positives Feedback und wünsche Euch von Herzen ein paar entspannte Weihnachtstage und einen guten Start in ein hoffentlich wunderbares Jahr für Euch!

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