Lichtpfützen und Schattenseen

[remastered] Lichtpfützen und Schattenseen

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Was nehmen wir wahr, wenn wir alltägliche Wege nehmen? Wenn wir in Gedanken treiben, Tagträumen nachhängen, verpassten Gelegenheiten oder heraufziehenden Ideen? Wenn der Alltag auf den Schultern lastet oder eine Vorfreude uns trägt? Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach innen richten und uns nur noch der eigene 'Autopilot' durch die Stadt navigiert? Was macht Stadt dann mit uns? Sind städtische Räume wirklich hochglanzpolierte, detailreiche Architektur? Wirklich schäbige, abgewetzte Kulisse? Oder wirkt Raum, Bewegung und Licht ganz anders auf uns?

Die Folge 002 unseres Podcasts 'Foblofon' ist online und wir reden unter anderem über Serien und Projekte. Und ich stelle den Zuhörenden diesen Blog (und mich selbst) vor. Dabei ist mir wieder klar geworden, wie sehr mich ein Projekt auch heute noch beschäftigt, das ich eigentlich innerhalb von drei Monaten im Herbst 2012 in Bilder gefasst hatte. 'Lichtpfützen und Schattenseen'. Der Versuch zu visualisieren, wie unsere Umwelt in uns wirkt, wenn wir unsere Wahrnehmung der Außenwelt auf das Maß heruntergefahren haben, das wir eben zum Funktionieren brauchen. Wenn wir nicht in Betrachtung verharren sondern uns fortbewegen. In uns. Im Stadtraum. In Schatten und Licht.

Die Aufnahmen lagen bis heute versteckt, tief in der Timeline bei Facebook. Und das ist kein guter Ort für dieses Projekt. Fotografiert habe ich damals mit einem iPhone 4. Die fünf Megapixel dieser 'Kamera' mögen uns heute fast unbrauchbar erscheinen, sind es aber nicht. Eher 'schwierig' war aber die ruppige Nachbearbeitung, die ich damals direkt auf dem Smartphone durchgeführt hatte. Nun habe ich die rund 600 Aufnahmen nochmals gesichtet und - wenn auch unter Schmerzen - eine Auswahl von 26 Bildern getroffen (vermutlich hätte ich noch mal 10 mehr weglassen sollen aber so weit hat die Kraft nicht gereicht). Und diese 26 Bilder habe ich nun in Lightroom entwickelt. In Einheit und Vielfalt, nicht mit den immer gleichen Mitteln.

Das Osterwochende kam genau richtig um das zu tun, was diese Serie aus meiner individuellen Perspektive längst verdient hat. Sie wird ein Buch in meinem Regal. Und ein Beitrag in meinem Blog. Und ja, ich denke nun werde ich die Bilder auch nach und nach noch an Instagram verfüttern. Und wenn das auch nur für mich selbst sein sollte.

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 Werner schrieb am 06.04.2021:

Diese Serie ist – glaube ich jedenfalls und rede es mir ein – das erste, was ich damals von dir gesehen habe. Damals wie heute fasziniert sie mich. Farben und Formen: Tatsächlich habe ich den Eindruck einem „Flow“ durch städtische Räume zu folgen. Wirklich faszinierend. Du schreibst, du hast sie zunächst mit dem Smartphone aufgenommen. Darf ich die nach der Technik der Aufnahmen fragen?

Sehr inspirierend, Stefan!

Liebe Grüße,
Werner  

Stefan schrieb am 06.04.2021:

 
Lieber Werner,
 
es fühlt sich seltsam an, die Serie ein zweites Mal zu zeigen. Drüben auf Instagram bekommt sie ungewöhnlich viel verbales Feedback, was mich freut und überrascht. Offenbar ist die Idee eine gegenwärtige geblieben.
 
Fotografiert habe ich die ganze Serie (mit einem einzigen Ausreißer) mit dem iPhone 4. Für die Rohaufnahme habe ich damals die App 'SlowShutter' verwendet. Sie simuliert eine Langzeitbelichtung, indem sie einen Stapel von Aufnahmen macht und dann miteinander verrechnet. Im Grunde also eine Mehrfachbelichtung. Während ich also durch die Stadt ging, nahm ich Bilder auf, die Zeiträume von 20-30 Sekunden, vielleicht auch mal fast eine Minute, verdichteten. Die App erlaubte es damals, sofort nach der Aufnahme noch Varianten aus dem Material abzuspeichern. So konnte ich eine bestimmte Phase im Aufnahmezeitraum höher gewichten und hatte mehr Freiheit, Personen im Bild sichtbar zu machen - und häufig sogar noch den Ort der Person festlegen zu können. Diese Funktion gibt's heute leider nicht mehr. Aus etwa 200 - 300 Aufnahmen wurden so zunächst etwa 600 Bilder.
 
Die Rohaufnahme ist verhältnismäßig stumpf, enthält aber viele Details, die sich mittels Lightroom gut sichtbar machen lassen. Noch vor der Auswahl der Bilder für die Serie habe ich die Bilder also einem ersten groben Entwicklungsschritt unterzogen. Dann kam die Selektion, dann die eigentliche Ausarbeitung.
 
Damals, beim ersten Mal, hatte ich die Bilder direkt am Handy entwickelt. Mit Snapseed, glaube ich.
 
Ein Abkömmling dieses Projekts sind die Bilder, die - ein wenig unpassend vielleicht - zur Illustration meines Artikels über die manuelle Belichtung verwendet habe. Die sind dann Jahre später mit der DSLR entstanden. Aber immerhin auch als 'echte' Mehrfachbelichtung in der Kamera, nicht erst in Photoshop. Ich überlege noch, ob ich das ganze nicht auch Mal mit der Instax versuche. Sie macht allerdings nur Doppelbelichtungen. Da wird ein Bild mehr Planung brauchen. Ob ich damit das Gefühl noch transportieren kann?
 
Viele Grüße in den Kraichgau: Stefan