[dahinter und davor] Papierbilder

Als ich vor vier Jahren eine Serie unter dem Titel 'Haushaltsbuch' begonnen hatte, war mein Thema die Frage, wie Erinnerung funktioniert. An was erinnerst Du Dich, wenn Du im Leben mal stehen bleibst und den Blick nach innen, nach hinten richtest? Wie das Lego in der Schachtel klang? Wie sich das Buttermesser beim Frühstücken angefühlt hat oder an den Geruch des Aquariums im Kinderzimmer?

Ein Foto ist eine Abstraktion. Das Hören, das Fühlen, das Riechen und Schmecken, all das kann es nicht erfassen. Und wenn ein Foto bleiben soll, muss es auf Papier. Aber kann vielleicht das Papier selbst dann dabei helfen, sich anders zu erinnern? Und kann etwas sichtbarer werden, indem man es verbirgt?

Ich hatte mich damals auf den Weg gemacht, ein Buch aus zerknittertem Papier zu gestalten. Aus Bildern von zerknittertem Papier. Von zerknittertem Papier, das Bilder formt. Von künftigen Erinnerungen. Heute ist noch etwas dazu gekommen. Der erste Anlauf zu diesem Buch hatte sich totgelaufen, weil ich ihn zu eng gesteckt hatte. Heute sehe ich das Papier noch mehr als ein Amalgam, um verschiedene Ideen, Interessen und Techniken zusammenzuhalten. Papier kann nicht nur geknittert Bilder formen. Auf Papier wird vor allem auch geschrieben, gedruckt, gezeichnet. Ich bin Architekt, ich bin Urban Sketcher und ich schreibe. All das darf ein Teil des Ganzen werden. Papier (ein Buch) ist das Ziel meiner Serie und deshalb ist Papier auch ein Drech- und Angelpunkt. Aber nicht der einzige.

Ich bin fast ein bisschen überrascht, wie gut die Stichworte von kwerfeldein.de zu diesem Konzept passen. Letzte Woche war ein Versteckspiel angesagt (siehe oben), diese Woche war es eine Collage. Ich beginne einfach mal zu sammeln: Heimatfilm, Raumstadt, Wohnstadt Asemwald, Architektur, Architekturmodell, Fotografie. Die für die Collage ausgesuchten Bilder trugen mal den Arbeitstitel "Lichtskizzen und Schattenrisse". Ich hatte die hier auch schon mal in einem anderen Kontext gezeigt. Sie versuchen, gebaute Umwelt skizzenhaft einzufangen. Aus dem Diffusen versuchen sie nur Raum und Linien zu erhalten. Eben das, was uns im Kopf bleibt, wenn wir passiv schlendern. Das, was die Wirkung von Architekturen ausmacht, von Stadträumen und Landschaften, die wir nicht mehr zum ersten Mal sehen.

Aus diesen Wahrnehmungen schnitze ich hart den Strukturplan meines Heimatbezirks. Es ist das Gegenteil eines Architekturmodells, die Scheibenhochhäuser werden zu Negativraum. Und doch entsteht auch hier (hoffentlich) ein Gefühl für diesen Ort. Für das karthesische Gewebe in dem wir (gerne) leben. Die Häuser, die meine Kinder später mal Ihre Heimat nennen werden.

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