Im Hier und Jetzt

Wenn jetzt schon wieder ein Artiel über Sylt kommt, dann klärt das einiges. Ich fotografiere wenig. Ich veröffentliche noch weniger. Das sind Tatsachen. Ich bin nicht sehr zufrieden damit aber die Gründe dafür sind selbstgewählt und gut. Trotzdem möchte ich mich mit der Wirkung nicht abfinden. Mal sehen, ob ich hier wieder mehr zu Stande bringe, in Zukunft.



Also wieder Sylt. Einer guten Tradition folgend, war ich dort jetzt im November wieder. Diesmal nicht mit der Familie sondern 'nur' mit 3 guten Freunden, mit Wanderschuhen und mit der Pentax statt des Smartphones (nein, eigentlich nicht 'statt' aber diese Bilder hier kommen alle aus der DSLR). Ich bin meiner alten Maxime gefolgt: 'one camera, one lens' (a day). Ich flechte hier schnell die Geschichte ein, die mich im Sommer einige Nerven gekostet hat: Meine an sich recht neue Pentax KP war innen extrem verstaubt. Fette Dreckbatzen auf dem Sensor, die ich mit meinen Mitteln auch gar nicht mehr wegbekommen habe. Bilder aus dem Sommerurlaub gibt es deswegen fast keine. Ich kann mir das eigentlich nur so erklären, dass das Sigma 18-300 als Luftpumpe in kurzer Zeit eine Menge Staub ins Gehäuse gesaugt hat. Jedenfalls hab ich die KP zu Herrn Lorenzen nach Lübeck geschickt und - wie immer - ein perfekt gereinigtes Schätzchen zurückbekommen. Ich hoffe, Herr Lorenzen betreibt seinen Service noch lange, einen besseren kenne ich nicht! Seither verwende ich das Sigma jedenfalls selten. Die Limiteds sind am Zug. Hier auf Sylt war es das 70er. Alle Bilder sind damit entstanden:



One camera and one lens. 70 Millimeter habe ich ausgewählt, um dem Seenebel und den dunklen Tagen durch die Raffung Raum und Tiefe zu geben. Das gleiche Ziel verfolge ich mit dem Hochformat, auch wenn es untypisch zu sein scheint, bei diesen Zielen. Gerade deshalb. Nebel und Dunkelheit sind hier auf Sylt nichts Negatives. Ich genieße es, einfach den ganzen Tag nur zu gehen und mit den Freunden zu reden. Da ich als einziger mit Kamera unterwegs war, waren diese Spaziergänge keine Fototouren. Die Bilder sind also eigentlich nur ein 'Beifang'. Trotzdem hatte ich eine Idee im Kopf. Ein Kontrapunkt zur Mittsommer-Serie. Less is more - diesmal nicht in technischer sondern in gestalterischer Hinsicht. Bilder von Stille und Fernweh und von Unmittelbarkeit. Denn dafür gehe ich nach Sylt. Dafür und für die Freundschaft.

Unmittelbarkeit habe ich auch als Kern dieses Postings ausgewählt. Denn sie ist es, die mich auch am Konzept der DSLR fasziniert. Ich hatte ja zuletzt von der Niederschwelligkeit des Smartphones geschrieben. Dazu stehe ich. Die Unmittelbarkeit ist etwas anderes. Der Blick durch den optischen Sucher, womöglich sogar mit dem zweiten Auge weit offen, das ist etwas, das ich sehr schätze und nicht gegen einen elektronischen Sucher eintauschen möchte. Egal ob der Himmel großflächig blendend hell ist, ob die Sonne in einem ungünstigen Winkel steht oder oder ob eine dunkle Umgebung die Adaption des Auges herausfordert: Der optische Sucher geht immer und irritiert nie. Ich sehe mein Motiv mit unverstelltem Blick, ich bin hier und jetzt und nehme ungefiltert wahr. Niederschwelligkeit macht schnell und flexibel, Unmittelbarkeit macht in-sich-ruhend und zufrieden. Also mich zumindest.



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Werner schreibt am 25.11.2019:

Man spürt das Hier und Jetzt – das Fernweh und die Weite . und damit die Intensität in deinen Fotos. Also, ein wunderbarer „Beifang“. Danke!

Ja, der optische Sucher. Mir ist er auch lieb und teuer. Seit ein paar Monaten habe ich aber auch eine Kamera (Nikon Z6) mit elektronischem Sucher. Doch so richtig warm werden wir beide nicht. Und das liegt in der Tat stark an diesem Sucher. Es ist einfach eine andere Art der Fotografie: ich würde sie als „künstlich“ beschreiben. Es geht der natürliche Blick und Ausschnitt verloren und man tauscht ihn mit der Möglichkeit, das „endfertige“ Foto im Sucher und/oder dem Monitor noch vor dem Auslösen zu sehen. Mich schreckt das immer noch, verstehe seither aber, warum so viele darauf schwören. Nein, falsch. Ich weiß es nun, verstehen (im Sinne von: mit dem Verstand wahrnehmen) tue ich es nicht. Ich empfinde es als Entfremdung von dem was Fotografie auch immer für mich ist: Sehen, Wahrnehmen, Beachten, Gestalten. Alles in Ruhe und mit einer Idee im Kopf.

Die Elektronik entfremdet: Macht schnell und direkt ins Netz. Ohne Herz und Liebe.

Alles Gute für dich und deine Familie

Werner