one Ding a day

Man kann sich so viel vornehmen. Mehr fotografieren, mehr zeichnen, mehr schreiben, mehr lesen, mehr spielen, mehr reden, mehr publizieren, mehr drucken, mehr basteln und bauen, mehr radfahren, mehr wandern, mehr ansehen, mehr Dinge tun, die die Tage unterscheidbar machen. Woran werde ich mich erinnern? An was sich andere erinnern?

Meine Frequenz als Blogger ist niedrig, das ist mir bewusst. Meine Frequenz an unterscheidbaren Tagen ist es wohl auch. Das Arbeitspensum ist hoch, die Tage und Wochen laufen ziemlich geordnet ab. In diesem Fall bedeutet das: wenig Varianz, viel von dem, was man wohl als Alltag bezeichnen muss. Das was man sich vornimmt schafft es in diesem Ablauf entweder auf einen festen Platz (in meinem Fall nehme ich mal das Beispiel des e-bikens, das halte ich seit fast 2 Jahren an gut 3/4 aller Arbeitstage durch und mache voraussichtlich nächste Woche die ersten 5000 Kilometer voll) oder es kommt unter die Räder (so ist es mit vielem von dem, was ich oben aufgezählt habe - und dabei sind das nur Ausschnitte von dem, was ich immer schon mal (...) oder endlich mal wieder (...), ihr wisst, wie das ist).

Im Urlaub kommt man dazu, solche Gedanken mal zu Ende zu führen. Oder wenigestens so tief darin einzusteigen, dass man sich traut, Schlüsse zu ziehen und sich an Veränderungen heranzutrauen. Ich war im Urlaub. Ich verändere jetzt was.

Ein Ding am Tag, one Ding a day, das klingt ein bisschen nach einer 365er Fotoserie oder so. Das ist aber nicht gemeint. Ein Ding am Tag, das kann ein Foto sein, ja. Es kann eine Zeichnung sein, etwas was man für die Familie oder mit der Familie, ein Blogbeitrag, ein paar Kapitel eines guten Buches, ein Abend mit Freunden, ein besonderes Essen kochen, ein Ausflug, alles mögliche. Das klingt sehr offen und damit sehr anfällig für Selbstbetrug und Nachlässigkeit. Deshalb werde ich es an einem anderen Punkt kristallisieren lassen: In einem privaten Notizbuch. 

Geschäftlich bin ich ein großer Freund von Notizbüchern. Ein Notizbuch ist nach meiner Erfahrung sehr viel hilfreicher als die schönste Software, hilfreicher als eine Zettelwirtschaft ist es sowieso. Notizbücher bedürfen einer gewissen Pflege, dafür animiert schon das Schreiben eines Eintrags zum Nachdenken und lässt mich Dinge auf den Punkt bringen. Es gibt viele schicke Techniken, wie man Notizbücher führen kann, alle paar Jahre ist eine neue Technik hip. Mir ist das ein bisschen egal, ich führe es eher einfach. Kästchen für Dinge, die zu erledigen sind, die kann man dann abhaken. Besprechungen und (Stichwort-) Listen führe ich mit runden Punkten, sollte auch dabei eine notwendige Erledigung auftauchen, dann ist der Punkt nicht ausgefüllt sondern noch ein Kreis. Wenn ich das Gefühl habe, dass das Buch unübersichtlich wird, schnappe ich mir ein Lineal und streiche Seiten mit einer dünnen Linie ganz durch. Offen gebliebene Punkte werden entweder mit gestrichen oder übertragen. Das Durchstreichen hat eine 'reinigende Wirkung' allerdings ist aber auch manchmal ein bisschen schade. Ich werde das privat durch eine farbige (z.B. grüne) Markierung am Seitenrand ersetzen. Jeder neue Tag beginnt mit einem Trennstrich und dem aktuellen Datum. Besprechungen und Listen bekommen eine Überschrift. Viel mehr Regeln gibt es nicht.

one Ding a day, jeder Tag soll zählen. An jedem Tag sollte etwas entstehen oder passieren, was ihn besonders macht. Man kann das weiterspinnen: in jedem Monat sollte etwas entstehen oder passieren an das ich mich künftig (gern) erinnern werde. Und wenn's gut läuft, dann sollte wenigstens in jedem viertel Jahr etwas entstehen oder passieren, an das sich andere (gern) erinnern. Das wäre eine gute Quote. Das universell einsetzbare Fotografenvorbild Ansel Adams schrieb ja mal, dass zwölf gute Bilder pro Jahr eine gute Ausbeute seien (Bullshitbingo für Fotoblogger: https://fotoschule.fotocommunity.de/30-schoensten-zitate-zur-fotografie/). Da bleibe ich mit Respekt ein Stück dahinter zurück, die Idee ist aber ähnlich.

Nun also ein privates Notizbuch. Ich mag es nicht 'Bullet Journal' nennen und auch nicht 'Sketchnote' obwohl es bestimmt geweisse Parallelen haben wird. Ich nenne es aber auch nicht 'mein liebes Tagebuch', versprochen. Das schreibe ich eher hier im Blog, der trägt eher Züge eines Tagebuchs. Nein, das Notizbuch wird ein Werkzeug. Eine Sammlung von Ideen, ein Motivationstool, ein Rechenschaftsbericht an mich selbst. Da kommt jeden Tag das Ding des Tages rein. Einfach auch, um zu spüren, ob es eines gab. Da kommen Ideen rein, kleine Schritte, unerreichbare Träume, konkrete Ziele. Privat, wie gesagt. Geschäftlich mach ich das schon länger so. Dort will ich es nur parallel ein bisschen frischer aufstellen, zumal ich seit dem Jahreswechsel ein neues Tätigkeitsfeld habe und diese Woche auch noch in eine große Fortbildung starte, die mich die nächsten zwei Jahre lang begleiten wird. Langweilig wird es nicht, es geht eher darum, noch den Wald vor lauter Bäumen zu sehen.

Ich war im Urlaub, ich hab's erwähnt. Die Bilder zu diesem Beitrag stammen aus der Region Oberstdorf. Skifahrer bin ich keiner (mehr), stattdessen hatte ich winterfeste Wanderstiefel und die Kamera dabei. Die Aufnahmen stammen vom 5. März 2019. Eine klare Idee hatte ich an diesem Tag nicht. Nur einen Ort, eine Kamera und Zeit, um Bilder zu suchen. Trotzdem, das würde vielleicht gerade noch durchgehen, als one Ding a day: Zwei Stunden in Hindelang.

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Werner schreibt am 11. März 2019:

Ja, die Zeit. Sie lässt uns keinen Raum. Sie frisst sich in unser Leben und spielt ihr Spiel mit uns: Wem wir alles gerecht werden müssen, und so Vieles muss jeden Tag erledigt werden. Wenig Varianz.. so beschreibst du es. Da bleibt vieles liegen. Vieles von dem, was uns als Mensch ausmacht, wenn wir nicht nur funktionieren, sondern nah bei uns selbst sind.

Dieses „nah bei mir selbst“ nenne ich „das gute Leben“: Es besteht aus den vielen unzählbaren Kleinigkeiten des Alltags (bei mir im Blog gerade „99 Momente des Glücks“), die es alle wert sind erinnert zu werden. Manche nennen es auch „Ersttagserlebnisse“. Alles was wir zum ersten Mal tun, brennt sich ein, bleibt haften, dehnt Zeit manchmal ins Unendliche. Und das wollen wir doch, oder?

Notizen machen, Notizbücher führen. Wie wunderbar.  

Ich pflege nun schon seit langer Zeit mein „Erinnerungsbuch“: In ihm versammelt sich alles, was mein Leben gut macht: Polaroids, Eintrittskarten, handgeschriebene Zettel, Einkaufsbelege, Gedankensplitter. Ich habe mir dazu extra Bücher anfertigen lassen. Und sie werden ergänzt von meinem digitalen Tagebuch: meinem Blog. Der ist schon lange mehr, als ein Foto-Zeig-Instrument. Er ist Teil von mir.

Danke für diesen wieder einmal sehr lesenswerten Beitrag.

Bleib -auch wenn es schwer fällt – öfter bei dir.

Werner

Danke Dir, Werner. Dein 'Erinnerungsbuch' scheint eine verwandte Idee zu sein. Ich denke nicht, dass ich 'mein' Buch auch zu einer physischen Sammlung werden lasse, ich denke eher an Worte und Zeichungen. Aber Bilder? Ein schöner Gedanke, ja! Der passt zu etwas, das ohnehin ins Buch muss. Aber da will ich nicht gackern. ;-)

Stefan