Feeds sind die besseren Feeds
von Stefan Senfveröffentlicht am
Ja, ich bin die ‚Social-Media‘-Plattformen leid. Bin es leid, von Algorithmen ständig Inhalte vorgeschlagen zu bekommen, die alles zudecken, was ich selbst ausgewählt habe. Bin die verdeckte Werbung leid, aber auch das Übermaß an Meinung und Meinungsmache bis zur Hetze. Ihr nicht auch?
Ich bin es auch leid, diese Systeme selbst zu füttern. Mit Fotoserien, mit Zeichnungen, Geschichten, Herzblut. Aber heute geht es nicht darum, heute geht es um das Lesen. Das ‚Blättern‘ im Internet, in den Gedanken und Projekten von interessanten Leuten, in großen und kleinen Nachrichten, die auf mich zugeschnitten, für mich zusammengestellt sind. Und zwar von mir selbst und von niemandem sonst! Wie geht das?
Die Pause um den Jahreswechsel hat sich leider mein Körper ‚geschnappt‘ um sich mal wieder richtig mit Rückenschmerzen, Erkältung und Magenproblemen ‚auszuleben‘. In Sachen Fotografie und Zeichnung war für mich demnach wenig zu holen. Aber das schafft Zeit für diesen Artikel hier!
Feedreader
Nun, die besten Werkzeuge des Internets sind oft alt. Die Antwort auf die ‚Feeds‘ von Facebook / Meta, TikTok, Youtube, X, Bluesky oder LinkedIn sind klassische Feedreader. Es gibt sie - grob verkürzt - einerseits als Dienst (dort ist also wieder eine Firma im Spiel, die irgendwie Geld verdienen muss) und andererseits als kleine, lokal auf dem Smartphone, Tablet oder PC laufende Programme.
Früher habe ich eher die Vorzüge der Dienste gesucht. Anbieter wie ‚Feedly’, ‚Inoreader’ oder ‚NewsBlur’ bieten Apps für alle Endgeräte (oder den Zugang über eine Website). Man benötigt einen Account, muss sich einloggen. Der eigene Feed wird auf Firmenservern aktuell gehalten und dann an die App ausgeliefert. Benutzt man mehrere Endgeräte, so werden die Geräte synchron gehalten, so dass man die selbe Info nicht mehrfach angezeigt bekommt. Nachteil: externe Server bedeuten schon wieder Abhängigkeiten und gegebenenfalls Werbung, ablenkende ‚Vorschläge’ oder Abokosten, auch wenn der Einstieg in der Regel kostenlos ist. Das kommt einem ja bekannt vor. Trotzdem sind diese Systeme in der Regel mit bis 100 (oder mehr) Quellen kostenlos nutzbar, ausgereift und komfortabel.
Eine ‚radikalere’ Alternative dazu bieten kleine, lokal laufende Programme. Werkzeuge, die - wenn man möchte - ganz unabhängig auf dem eigenen Telefon, Tablet oder PC laufen, ohne irgendein Unternehmen im Hintergrund. Fühlt sich das nach einer technischen Hürde an? Das muss es nicht. Der Anfang vom Abschied von den Medienkonzernen ist wirklich einfach!
Reeder, Feeder oder NetNewsWire. Und viele andere!
Auch dienst-freie Feedreader gibt es sehr viele. Auch hier gibt es solche, die die App als Abo vermarkten, andere, die sich über Werbung finanzieren und ein paar, die wirklich noch kostenlos sind oder die man nur einmalig kaufen muss. Ich organisieren mich zur Zeit versuchsweise mit den beiden schlanken Apps ‚Feeder‘ (Android) und ‚NetNewsWire‘ (Apple). Aktueller als ‚Feeder’ wäre auf Android z.B. ‚Capy Reader’. Eine ähnliche Empfehlung von Oliver ist außerdem ‚Reeder classic’ (Apple) statt ‚NetNewsWire‘.
Die Namen Feeder und Reeder sind so naheliegend, dass man etwas aufpassen muss, um die jeweils richtige App zu erwischen. Statt ‚Feeder‘ (kostenlos) könnte man versehentlich ‚Feeder.co‘ (anderer Anbieter / Abosystem) herunterladen. Bei ‚Reeder classic‘ (5,99 Euro) könnte man bei ‚Reeder‘ (identischer Anbieter aber als Abosystem) landen. Wenn man diese Klippe umschifft hat, findet man allerdings jeweils eine App auf dem Gerät, die ohne weitere Kosten und ohne undurchsichtige Algorithmen direkt auf dem Gerät selbst läuft und ihren Job macht. Bei NetNewsWire und Capy Reader ist es genauso. Und wie gesagt: Das sind nur Beispiele, es gibt noch mehr solche Apps!
Ein Schlüssel
Den Feedreader-Services und den lokal installierten ‚freien‘ Feedreadern gemeinsam ist es, dass man sich um seine Inhalte selber kümmern muss und darf. Statt ständig ungefragt mit Inhalten zugeschüttet zu werden, wie in den sozialen Netzen, gilt es nun wieder, sich über seine Interessen selbst klar zu sein und sich passende Websites im Netz selbst zu suchen. Und da war wieder das Wort ‚suchen‘. Wer mich kennt (und ein paar meiner älteren Artikel gelesen hat), weiß dass ‚Suche’ aus meiner Sicht ein Schlüsselwort für Kreativität ist.
Modern ist der Satz, zu finden sei besser als zu suchen. Das mag für viele alltägliche Situationen auch stimmen. Im kreativen Prozess aber, ist die Suche der Weg. Wenn ich es auf die Spitze treiben darf: Wer aufhört zu suchen, hört auf sich zu entwickeln.Also beginne ich wieder damit, zu suchen, um meinen Feed zu füllen. Feeds, die von Feedreadern erfasst werden können, werden von unzähligen Websites ausgeliefert. Oft erfolgt das ganz unsichtbar, auf der Website kaum auffindbar. Das macht aber nichts, darum kümmern sich die Feedreader alle selbst. Wir können also aus dem vollen schöpfen: Zeitungen und (Fach-) Magazine liefern Feeds aus, Blogs tun das, auch Händler bloggen gerne (für Zeichnende sind - unter vielen anderen - z.B. die Blogs von Boesner und von Gerstaecker interessant) manche Feedreader können auch Quellen innerhalb von Youtube folgen, ganz ohne die sort sonst üblichen Ablenkungen durch ‚Shorts‘ und durch eingestreute Videos anderer Autoren. Wie schon beschrieben: Feedreader legen die Suche zurück in unsere Hand. Feedreader sind Trittsteine des freien Internets.
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