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Feeds sind die besseren Feeds

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Ein kleines bisschen 'Heimatfilm', aufgenommen im Dezember 2025 im Asemwald in Stuttgart

Ja, ich bin die ‚Social-Media‘-Plattformen leid. Bin es leid, von Algorithmen ständig Inhalte vorgeschlagen zu bekommen, die alles zudecken, was ich selbst ausgewählt habe. Bin die verdeckte Werbung leid, aber auch das Übermaß an Meinung und Meinungsmache bis zur Hetze. Ihr nicht auch?

Ich bin es auch leid, diese Systeme selbst zu füttern. Mit Fotoserien, mit Zeichnungen, Geschichten, Herzblut. Aber heute geht es nicht darum, heute geht es um das Lesen. Das ‚Blättern‘ im Internet, in den Gedanken und Projekten von interessanten Leuten, in großen und kleinen Nachrichten, die auf mich zugeschnitten, für mich zusammengestellt sind. Und zwar von mir selbst und von niemandem sonst! Wie geht das?

Die Pause um den Jahreswechsel hat sich leider mein Körper ‚geschnappt‘ um sich mal wieder richtig mit Rückenschmerzen, Erkältung und Magenproblemen ‚auszuleben‘. In Sachen Fotografie und Zeichnung war für mich demnach wenig zu holen. Aber das schafft Zeit für diesen Artikel hier!

Feedreader 

Nun, die besten Werkzeuge des Internets sind oft alt. Die Antwort auf die ‚Feeds‘ von Facebook / Meta, TikTok, Youtube, X, Bluesky oder LinkedIn sind klassische Feedreader. Es gibt sie - grob verkürzt - einerseits als Dienst (dort ist also wieder eine Firma im Spiel, die irgendwie Geld verdienen muss) und andererseits als kleine, lokal auf dem Smartphone, Tablet oder PC laufende Programme.

Wir müssen technisch nicht zurück bis ins vordigitale Zeitalter, um uns von Bevormundung zu trennen. Schreibmaschine, Telefon und Bibliothek sind toll. Damals gab es aber nicht die Möglichkeit niederschwellig mit gleichgesinnten Menschen aus aller Welt in Verbindung zu bleiben und seine eigenen Gedanken und Bilder zu veröffentlichen. Das Internet ist durch und durch ein Ein demokratisches Medium. Lassen wir es uns nicht kaputtmachen! Die Zeichnungen stammen von einem Sketchwalk der Stuttgarter Urban Sketchers im Mai 2025. Das Theodor Heuss Haus in Stuttgart ist ein lebendiges Museum der Fundamente unserer Demokratie.

Früher habe ich eher die Vorzüge der Dienste gesucht. Anbieter wie ‚Feedly’, ‚Inoreader’ oder  ‚NewsBlur’ bieten Apps für alle Endgeräte (oder den Zugang über eine Website). Man benötigt einen Account, muss sich einloggen. Der eigene Feed wird auf Firmenservern aktuell gehalten und dann an die App ausgeliefert. Benutzt man mehrere Endgeräte, so werden die Geräte synchron gehalten, so dass man die selbe Info nicht mehrfach angezeigt bekommt. Nachteil: externe Server bedeuten schon wieder Abhängigkeiten und gegebenenfalls Werbung, ablenkende ‚Vorschläge’ oder Abokosten, auch wenn der Einstieg in der Regel kostenlos ist. Das kommt einem ja bekannt vor. Trotzdem sind diese Systeme in der Regel mit bis 100 (oder mehr) Quellen kostenlos nutzbar, ausgereift und komfortabel.

Eine ‚radikalere’ Alternative dazu bieten kleine, lokal laufende Programme. Werkzeuge, die - wenn man möchte - ganz unabhängig auf dem eigenen Telefon, Tablet oder PC laufen, ohne irgendein Unternehmen im Hintergrund. Fühlt sich das nach einer technischen Hürde an? Das muss es nicht.  Der Anfang vom Abschied von den Medienkonzernen ist wirklich einfach!

Reeder, Feeder oder NetNewsWire. Und viele andere!

Auch dienst-freie Feedreader gibt es sehr viele. Auch hier gibt es solche, die die App als Abo vermarkten, andere, die sich über Werbung finanzieren und ein paar, die wirklich noch kostenlos sind oder die man nur einmalig kaufen muss. Ich organisieren mich zur Zeit versuchsweise  mit den beiden schlanken Apps ‚Feeder‘ (Android) und ‚NetNewsWire‘ (Apple). Aktueller als ‚Feeder’ wäre auf Android z.B. ‚Capy Reader’. Eine ähnliche Empfehlung von Oliver ist außerdem ‚Reeder classic’ (Apple) statt ‚NetNewsWire‘.

Die Namen Feeder und Reeder sind so naheliegend, dass man etwas aufpassen muss, um die jeweils richtige App zu erwischen. Statt ‚Feeder‘ (kostenlos) könnte man versehentlich ‚Feeder.co‘ (anderer Anbieter / Abosystem) herunterladen. Bei ‚Reeder classic‘ (5,99 Euro) könnte man bei ‚Reeder‘ (identischer Anbieter aber als Abosystem) landen. Wenn man diese Klippe umschifft hat, findet man allerdings jeweils eine App auf dem Gerät, die ohne weitere Kosten und ohne undurchsichtige Algorithmen direkt auf dem Gerät selbst läuft und ihren Job macht. Bei NetNewsWire und Capy Reader ist es genauso. Und wie gesagt: Das sind nur Beispiele, es gibt noch mehr solche Apps!

Ein Schlüssel

Den Feedreader-Services und den lokal installierten ‚freien‘ Feedreadern gemeinsam ist es, dass man sich um seine Inhalte selber kümmern muss und darf. Statt ständig ungefragt mit Inhalten zugeschüttet zu werden, wie in den sozialen Netzen, gilt es nun wieder, sich über seine Interessen selbst klar zu sein und sich passende Websites im Netz selbst zu suchen. Und da war wieder das Wort ‚suchen‘. Wer mich kennt (und ein paar meiner älteren Artikel gelesen hat), weiß dass ‚Suche’ aus meiner Sicht ein Schlüsselwort für Kreativität ist.

Modern ist der Satz, zu finden sei besser als zu suchen. Das mag für viele alltägliche Situationen auch stimmen. Im kreativen Prozess aber, ist die Suche der Weg. Wenn ich es auf die Spitze treiben darf: Wer aufhört zu suchen, hört auf sich zu entwickeln.

Also beginne ich wieder damit, zu suchen, um meinen Feed zu füllen. Feeds, die von Feedreadern erfasst werden können, werden von unzähligen Websites ausgeliefert. Oft erfolgt das ganz unsichtbar, auf der Website kaum auffindbar. Das macht aber nichts, darum kümmern sich die Feedreader alle selbst. Wir können also aus dem vollen schöpfen: Zeitungen und (Fach-) Magazine liefern Feeds aus, Blogs tun das, auch Händler bloggen gerne (für Zeichnende sind - unter vielen anderen - z.B. die Blogs von Boesner und von Gerstaecker interessant) manche Feedreader können auch Quellen innerhalb von Youtube folgen, ganz ohne die sort sonst üblichen Ablenkungen durch ‚Shorts‘ und durch eingestreute Videos anderer Autoren. Wie schon beschrieben: Feedreader legen die Suche zurück in unsere Hand. Feedreader sind Trittsteine des freien Internets.

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Werner schrieb mir am 4. Januar 2026

Lieber Stefan,

schön mal wieder von dir was zu lesen. Und: offensichtlich planst du wieder regelmäßig zu bloggen! Na, wenn das keine schöne Nachricht zum Beginn eines Jahres ist.

Ich teile deine Gedanken zu den Social Media Kanälen weitgehend. Facebook ist bei mir ja gar nicht mehr (und ich vermisse nichts). Insta ist noch ein Thema, aber angesichts der Entwicklung zu einem reinem Werbe- und Konsummedium werde ich mich auch dort etwas rarer machen. Mal schauen.. Ohnehin wird alles was ich fotografisch mache, mehr und mehr als Ergebnis analog: Prints und Bücher (so z.B. mein Jahresrückblick) für mich und all die, die uns besuchen, und gerne in den Alben blättern. Außerdem verschenke ich bisweilen auch gerne das eine oder andere „Werk“.

Da ich mich ja im letzten Jahr entschlossen habe, in den Vorruhestand zu gehen (seit November) – Die Möglichkeit ergab sich für mich aufgrund Alter und Arbeitsjahren -, kann ich mich in diesem Jahr neuen und anderen Dingen zuwenden. Die Fotografie wird als zentrales Thema für mich bleiben; aber auch hier möchte ich „anders“ arbeiten (in gezielten Projekten z.B.).

Und mein Blog „1000Hügelmomente“ bleibt das was er ist: EIN Mittel mich auszudrücken – Schade, dass die Welt der Blogs und Blogger kleiner wird /geworden ist. Und wie ich finde, leider auch zunnehmend „inhaltslos“.

Umso mehr freue ich mich von dir wieder mehr lesen zu dürfen.

Alles Gute für dich und deine Familie: Bleiben wir zuversichtlich!

Liebe Grüße,
Werner        

Hallo Werner, 

ja, das regelmäßigere Bloggen ist fest vorgesehen. Da ich mir gleichzeitig das Kommentieren auf Facebook abgewöhnen möchte (zumindest außerhalb des Urban-Sketching- und Fotografie-Kontexts), sollt dafür auch Zeit sein.

Du schreibst auch, dass Du Dich bei Insta rarer machen wirst. Auch das kann ich nachvollziehen. Und es ist interessant, dass Du scheinbar einen ähnlichen Weg nimmst: kein apodiktisches Schwarz oder Weiß sondern ein Herunterkochen auf das Wesentliche (und den Rest ausblenden).

Und eine weitere Analogie: "Bilder sind erst fertig wenn sie auf Papier sind." Mein Mantra. Ich halte mich nicht oft genug daran. Aber immer öfter...

Liebe Grüße zurück!

Stefan

Conny schrieb am 5. Januar 2026:

Hallo Stefan,
 
ich teile deine Meinung bezüglich der sogenannten „sozialen Netzwerke“, was sie streng genommen, kaum mehr sind. Ich nutze ein wenig Instagram für meine Hipstamatic-Fotos und Facebook hauptsächlich für einige wenige Gruppen. Das Gute an den Gruppen ist, dass sie (noch) komplett werbefrei sind. Für meine Lightroom-Gruppe z. B. wäre die Alternative vermutlich ein Forum und auf Foren habe ich auch keine große Lust mehr. So decken die von mir genannten Plattformen noch bestimmte Bedürfnisse ab. Allerdings hänge ich manchmal doch im allgemeinen Feed fest und was ich da außer Werbung zu lesen bekomme, tut mir oft weh. Es schmerzt mich regelrecht, in welchem Ton Menschen dort kommunizieren, wobei wir mittlerweile wissen, dass nicht hinter jedem Kommentar ein Mensch steckt. Was das Ganze nicht besser oder erträglicher macht. 
 
Blogs können nicht alles ersetzen, aber sie sind autark und persönlich. Leider scheinen einige Blogs mit KI-generierten Texten (und Bildern?) zu arbeiten, was nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Ich habe im letzten Jahr erstmals Kommentare nicht freigeschaltet, weil sie offensichtlich mit KI geschrieben wurden. Dennoch sind Blogs für mich nicht wegzudenken. Ich habe die Hoffnung, dass es in Zukunft wieder mehr davon geben wird, da es sich häuft, dass Menschen die sog. Sozialen Netzwerke verlassen und auf ihren Blog hinweisen. Auch gibt es wieder Angebote für Blog-Link-Listen. Allerdings kostet ein Blog, will man ihn werbefrei halten und macht mehr Arbeit. Nun, wir werden sehen. 
 
Ich nutze seit Jahren die Freeware Feedly und bin damit eigentlich ganz zufrieden. 
 
Ich freue mich auf deine Blog-Beiträge, egal zu welchem Thema, ich lese sie immer gern! 
 
Liebe Grüße
 
Conny
 
Hallo liebe Conny,
 
wie schön, von Dir zu lesen! Ich bin gestern ein schönes Essay von Joan Westenberg gefunden, das nahezu perfekt zu dem passt, was Du schreibst. Sehr lesenswert: "The Case for blogging in the ruins".
 
Hinsichtlich Insta und Facebook gehen wir offenbar ähnlich vor. Du schreibst allerdings, dass Du auf Foren keine große Lust mehr hast. Ich versuche zur Zeit, die Leitungsgruppe der Urban Sketchers in Stuttgart von einem Forum zu überzeugen (bisher mit geringem Erfolg). Ich mag das Format eigentlich immer noch, vorausgesetzt, es ist ordentlich moderiert. Aber ich merke, dass ich damit ein bisschen alleine bin. Deswegen bin ich neugierig: Was müsste denn bei Foren besser oder anders sein, um Dir wieder Spaß zu machen? Kannst Du das sagen?
 
Dass es immer mehr 'Schrott-Blogs' gibt, die mit KI-generierten Themen eigentlich nur Affiliate-Links vermarkten wollen, macht die Bloggerei tatsächlich schwer. Denn es untergräbt eben auch wieder die Auffindbarkeit guter, lesenswerter Blogs von Menschen, die man gerne kennenlernen möchte. Das ist übel. Aber dagegen hilft nur weiterzumachen, glaube ich.
 
Jedenfalls will ich das versuchen und bin unterwegs. Ich freue mich sehr, dass ich nicht allein bin und dass Du mich begleitest!
 
Viele Grüße in den schönen Norden: Stefan