[Altpapier] Steilvorlagen und rote Karten

Woche 6 und 7. Ich bin unterwegs in meinem 52-Bilder-Jahresprojekt und es macht Spaß. Die Wochen, in denen ich mich frage, ob es wirklich nötig ist ein Bild zu ‘liefern’, werden auch noch kommen, das weiß ich vom letzten mal. Zur Zeit aber trägt mich meine Idee und triggert mich Kwerfeldein mit Stichworten, die ich bisher wie eine Reihe von Steilpässen empfinde. Ich bin kein Fußballer (und war es nie) aber mir ist bewusst, dass steile Flanken nicht immer leicht zu verwandeln sind. Doch zumindest lassen sie einen ja mal in vielversprechende Richtungen starten.

Woche 6, Stichwort 'Nachbarschaft'. Mein Thema aus dem Jahr 2014, als ich 52 Wochen lang meinen 'Heimatfilm' fotografiert hab. Gerade deshalb fällt es mir aber verhältnismäßig schwer, nun ein Bild zu finden, das alles auf den Punkt bringt. Und das eben nicht nur ein neues, vielleicht beliebig wirkendes Bild für die alte Serie ist. Und dann ist da noch das Leitthema für dieses Jahr, ‘Dinge zu Papier bringen’. Ich habe mich dazu entschieden, es ein wenig anders anzugehen:

Der Asemwald wird gerne als 'riesig' beschrieben. Manche nennen ihn auch 'anonym'. Das sind Leute die ihn nicht kennen. Niemand aus der Nachbarschaft. Eigentlich ist der Asemwald ein Dorf. Ein gut funktionierendes Dorf sogar, mit allem was dazu gehört. Nur aufgestapelt und dafür mit viel Natur aussenrum. Das ist der Schuh, den ich mir zum Thema Nachbarschaft anziehen will. Also hab ich das eben fotografiert und gezeichnet.

Und nun zur roten Karte. Ich weiß, dass ein 52-Wochen-Projekt davon lebt , dass man loszieht und neue Dinge macht. Trotzdem quittiere ich das Thema der 7. Woche, 'Rot', mit einem alten Bild, das ich 2016 gemacht hatte. Die Idee für mein Jahresprojekt habe ich seither noch weiter gesponnen aber die Bilder von damals sind die Wurzel und ein untrennbarer Teil davon. Sie werden Ihren Platz finden. Wenn man hart nach Regeln spielt, dann gibt so was bestimmt die rote Karte. Das Leben ist streng genug, ich bleib locker.

Ein Thema, das mich in dieser Serie begleitet ist die Frage, ob Dinge und Erinnerungen sichtbarer werden können, indem sie verborgen werden. Dieses Bild ist so rot, wie es ein weißes Blatt Papier eben sein kann.

Es gibt auch eine kleine Geschichte hinter diesem Bild. Sie hat zu tun mit einem Sohn, der mit Freunden im Wald spielen war und dann mit dem lapidaren Satz 'ich hab mich ein bisschen geschnitten' vor der Tür stand. Der Aufzug und der Flur sahen aus wie in einem schlechten Krimi und 'das bisschen' Schnitt musste dann mit 6 Stichen wieder zusammengenäht werden. Der kleine Kerl war dabei erstaunlich tapfer. Keine Träne, nicht eine. Und wir waren am Ende einfach glücklich, dass der Gitarrenunterricht nach ein paar Wochen weiter gehen konnte, als wäre nichts gewesen. Es hätte nicht viel gefehlt und das Thema wäre durch gewesen. Buchstäblich.

Bilder erzählen Geschichten. Geschichten müssen auf Papier.

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