Pentax WG-8

Pentax WG-8

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Ich habe 2026 eine Kompaktkamera gekauft und das hat nichts mit einem Hype oder dem berüchtigten 'Gear-Acquisition-Syndrome' zu tun. Die neue Kamera ist als Arbeitstier für meine Tätigkeit als Sachverständiger gedacht. Und dafür bringt sie Eigenschaften mit, die man in dieser Kombination sonst nirgends findet, also auch nicht in meiner Kameraschublade.

Die Pentax WG-8 ist keine echte Neuheit. Das Modell ist seit 2024 auf dem Markt, folgte aber auf eine nahezu identische Kamera des Mutterkonzerns Ricoh, die bereits seit 2019 verfügbar war. Sie ist extrem robust gebaut, wasserdicht bis 20 m und staubdicht, übersteht angeblich einen Aufprall aus 2,10 m Höhe und eine Krafteinwirkung von 1 kN ( ~100 kg). Sie lässt sich problemlos mit einer Hand bedienen, die wichtigen Bedienelemente sind groß und selbsterklärend und die Ergonomie ist ausdrücklich für den Gebrauch mit Handschuhen optimiert. Alle Tasten haben ungewöhnlich 'harte' Druckpunkte, die man auch im Handschuh noch spürt. So weit, so ideal für Baustellen und Ortstermine. Aber was macht sie außerdem noch besonders gut?

Die Aufgabe des Sachverständigen besteht darin, sehr genau hinzusehen. Das bezieht sich oft auch ganz wörtlich darauf, die Beschaffenheit von Baustoffen zu dokumentieren, Beschichtungen, Fügungen, Risse, Feuchtigkeitsspuren oder Schimmel, solche Sachen. Viele Aufnahmen sind in fotografischer Hinsicht Makros. Die Pentax WG-8 spielt in dieser Hinsicht gleich mehrere Trümpfe aus. Zwei verschiedene Makroeinstellungen decken die Entfernungsbereiche von 10 bis 60 cm und von 1 bis 30 cm ab. In beiden Einstellungen erlaubt die Kamera die Nutzung des eingebauten Zoomobjektivs und zeichnet Bilder in voller Größe (20 MP) auf. Rund um das Objektiv sind 6 LEDs angeordnet, die als Ringlicht dienen und in zehn Stufen dimmbar sind. Außerdem kann man Teilbereiche des Ringlichts abschalten, um ein Motivs räumlicher darzustellen. Das ist aber noch nicht alles.

Auf dem Programmrad der Kamera findet sich ein Mikroskop-Logo. In diesem Modus kann man die Kamera einfach direkt (mit einem mitgelieferten Distanzring (oder einem x-beliebigen Step-up-Ring für Filter) auf ein Motiv aufsetzen und tatsächlich mikroskopische Details erfassen. Die Bilder werden zwar nur mit drei Megapixeln abgespeichert aber das ist eher hilfreich als störend (warum das so ist, erkläre ich gleich noch ;-). Ein bisschen besser versteckt im Menü findet sich als vierte Makro-Option ein Programm, das selbständig ein Fokus-Stacking durchführt. Damit lassen sich im Makrobereich auch Motive durchgängig scharf darstellen, die nicht flach sind. Auch diese Funktion beschränkt sich auf eine Ausgabe im Format drei Megapixel. Leider ist beim Fokus-Stacking das Ringlicht nicht aktivierbar, sodass man auf ein Stativ angewiesen ist.

Gutachten werden üblicherweise im Format DIN A4 abgefasst. Sie werden als pdf ausgegeben oder gedruckt. Bilder werden dabei direkt in den Text integriert oder auf Anhangseiten abgesetzt. Ein Querformat, das im Textfluss auf einer DIN A4 Seite sitzt, misst etwa 12 x 16 cm. Ein 3 Megapixel-Mikroskop-Makro aus der WG-8 liegt mit in diesem Format mit mehr als 300 dpi schon oberhalb dessen, was man von einem Dienstleister als Fotoabzug bekäme. Es ist gestochen scharf. 

Vom Kleinen zum ganz Großen. Bei Ortsterminen in etwas weitläufigeren Objekten kann es oft schwierig sein, eine Aufnahme später genau einem Ort zuzuordnen. Welche Fassade war das jetzt nochmal? Welches Fenster? Die WG-8 kann den Standort über GPS mit abspeichern. Das kann ein Smartphone natürlich auch. Sie speichert auf Wunsch aber zusätzlich die Ausrichtung der Kamera ab und kann beide Informationen auf Wunsch auch in das Bild einblenden (zumindest, wenn es einem gelingt, den Kompass zu kalibrieren - ich hab's bisher nicht geschafft). Außerdem kann das Datum, die Uhrzeit und auch der Urheber des Bildes eingeblendet werden. Für die Erstellung von Gutachten ist das wirklich praktisch. Alle relevanten Infos zur Nachvollziehbarkeit sind ohne Nacharbeit direkt im Bild sichtbar. Nur eine Bildnummerierung wäre noch schön gewesen.

Die 'Gutachten-Einstellungen' legt man sich einfach auf eine der beiden frei programmierten User-Funktionen des Programmrades und hat sie damit auf einen Dreh parat. Wenn man auch in diesem Fall ein nicht zu großes Bildformat wählt, erspart man sich jede nachträgliche Änderung am Bild. Das ist auch aus Nachweisgründen eigentlich ideal und es ist datensparsam. Perfekt.

Die Kamera erzeugt natürlich auch Bilddateien im Format von 20 Megapixeln, wenn das möchte. Bei gutem Licht werden die Bilder ganz gut, kommen aber selbstredend nicht an gleich große Bilder aus Systemkameras oder DSLR heran. Nicht mal andeutungsweise. Die Kamera zeichnet keine RAW-Daten auf, wie das Bild aussehen soll, legt man also am besten vor der Aufnahme fest. Die überschaubare Auswahl an Bildstilen erspart uns irgendwelche Spielzeugkameraeffekte (diesen Krimskrams findet man erst, wenn man sich ins Wiedergabemenü verirrt und kann ihn deshalb gedanklich gut ausblenden).

Sowohl der 'natürliche' als auch der 'Umkehrfilm' Bildstil liefern angenehme Ergebnisse, die man gerne ansieht. 

20 Megapixel auf einem Sensor von nur 4,6 x 6,2 mm sind eigentlich zu viel. Aktuelle Smartphones sind zwar ähnlich dicht gepackt, haben aber größere Sensoren. Aus z.B. 50 MP 'Rohmaterial' errechnen sie dann scharfe Bilder mit z.B. 12 Megapixeln und verwenden dafür oft - ohne dass wir das merken - mehrere 'gestapelte' Aufnahmen und eine Prise KI. Das ganze läuft inzwischen mit der Rechenpower eines ausgewachsenen Computers, mit der das Innenleben einer Kompaktkamera sowieso niemals mithalten kann.

Feine Strukturen im Bild kann die Kamera bei schlechtem Licht nicht gut umsetzen. Erheblich besser wird es, wenn man sich auf 10 Megapixel oder weniger beschränkt. Damit liegt die Kamera gegenüber einem Smartphone allerdings höchstens noch wegen des optischen Zooms vorne. Aber sie kann trotzdem etwas, was dem Smartphone weniger liegt: sie verringert die Ablenkung und erhöht die Konzentration.

Ich habe mein Mantra oft genug geschrieben. Niederschwelligkeit ist der Trumpf des Smartphones. Man hat es dabei, es spuckt ohne Aufwand fertige Bilder aus, notfalls lassen sich die Bilder sofort nachbearbeiten und sie lassen sich auch sofort verschicken. Das meiste davon kann die WG-8 nicht. Aber durch die Verbindung von Robustheit, Ein-Hand-Bedienung, Mikroskopfunktion und Makrofähigkeit, optischem Zoom und Einblendungen ins Bild, ist sie für die Arbeit schon ziemlich ideal. Es beweist sich einmal mehr, dass eine 'Profikamera' nicht notwendigerweise eine teure High-End-Kamera ist.

Momentan gibt es offenbar ein zaghaftes Revival kompakter Kameras. Meine Tochter war sehr begeistert, als ich ihr eine ältere Canon betriebsbereit gemacht habe, die noch in meiner Schublade schlief. Eine SX mit einem seeerhr langen Zoom. Nichts was ein Handy bieten kann. Oliver hat sich kürzlich die X-Half besorgt, die ähnlich und doch ganz anders als meine Pentax WG-8 auch ein Spezialinteresse bedient. Dort ist es Entschleunigung, Entperfektionierung, das Provozieren eines Narrativs beim Fotografieren. Und so gibt es tatsächlich eine kleine Palette von Kameras, die sich von der Idee des Schweizer Taschenmessers (Smartphone) nicht verrückt machen lassen. Und es gibt eine junge Generation, die Kompaktkameras 2026 neu entdeckt. 

Die Bilder in diesem Beitrag sind unbearbeitet, höchstens zugeschnitten und gedreht, das aber nur in Ausnahmefällen.

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