[Pentax KP] The raw and the cooked – too close to call

Seit 10 Jahren fotografiere ich regelmäßig im (auch) RAW-Format, seit ich mit der Samsung GX10 (aka Pentax K10D) zum ersten Mal eine Kamera mit einem Sensor im APS-C-Format in den Händen hatte. Wobei es das RAW-Format bekanntlich gar nicht gibt. Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen und diese internen Datenformate unterliegen überdies auch noch einer Veränderung von Kamerageneration zu Kamerageneration und von Kameratyp zu Kameratyp. Die Interpretation des digitalen Negativs erfolgt erst über einen RAW-Konverter und auch die unterschiedlichen RAW-Konverter am Markt bringen jeweils einen eigenen Input in die Bilder mit, beeinflussen mit Ihren Möglichkeiten und Beschränkungen das Endergebnis bis tief in die Farbigkeit und die Detailauflösung hinein.

Mein Werkzeug für die RAW-Bearbeitung ist Adobe Lightroom, zur Zeit in Version 5. Das funktioniert selbst mit der neueren Pentax KP weitgehend, weil Pentax die Rohdaten wahlweise im Format .dng abspeichern kann, einem Format, das von Adobe stammt und zumindest etwas allgemeingültiger ist als ein normales (proprietäres) RAW. Spezialanwendungen der Kamera, wie Mehrfachbelichtungen und Pixelshiftaufnahmen werden jedoch offenbar nicht unterstützt. Und der Importvorgang sortiert ausserdem immer wieder Bilder als nicht lesbar aus, ohne dass ich ein durchgehendes Muster für die Ursache erkenne. Mit Kameras, die meine ältere Version von Lightroom offiziell unterstützt ist das früher jedenfalls nicht vorgekommen. Eine hundertprozentige Kompatibilität mit der neuen Kamera ist nicht gegeben.

Adobe hat für Lightroom mittlerweile bekanntlich den Weg in ein Software-Abo gewählt, käuflich zu erwerben sind die neueren Versionen nicht mehr. Für mich ist das ein Anlass, Lightroom zu hinterfragen. In das Abo werde ich nicht einsteigen. Und mit dem Programm hinterfrage ich letztlich auch meine ganze bisherige Vorgehensweise: Bislang schiebe ich den Inhalt jeder Speicherkarte durch den Importvorgang von Lightroom. Dort werden die Dateien umbenannt (dem Dateinamen wird das Datum hinzugefügt) und dann in einer Verzeichnisstruktur Jahr -> Monat -> Datei auf der Netzwerkplatte verstaut. Die Daten liegen in der Regel als jpg und RAW vor, im Katalog von Lightroom ist anschließend nur das RAW sichtbar. Innerhalb das Katalogs (der auch für jedes Jahr neu angelegt wird), werden die Bilder grob verschlagwortet und dann mit allerlei Bewertungssystemen bedarfsorientiert sortiert (abgelehnt/ausgewählt, Sterne, Farben). All diese Maßnahmen sind – ebenso wie die durchgeführten Entwicklungs- und Bearbeitungsschritte – ausschließlich mit Lightroom sichtbar. Wenn man mit einem anderen Gerät auf die Festplatte zugreift, sind dort lediglich die Dateien in der besagten Ordnerstuktur auffindbar. Alle nachfolgenden Schritte fehlen. Meine Frau greift im Zweifel also immer auf die unbearbeiteten jpg-Dateien aus der Kamera zu. Und sollte ich mich in Zukunft von Lightroom lösen, so wäre die Arbeit von Jahren mehr oder weniger futsch. Eine unbefriedigende Situation.

Mein Jahresprojekt 2018 ist es, mich rückwärts durch 10 – 15 Jahre digitaler Fotografie zu wühlen, Bilder zu sortieren, auszuwählen, nachzubearbeiten und in Fotobüchern zu fassen. Jedes Buch erhält ein neues Verzeichnis auf dem Server mit allen fertig entwickelten und exportierten jpg-Dateien, jeweils eine Kopie davon kommt auf DVD und auf einer Speicherkarte mit ins Buch. Danach bin ich frei, was die Abhängigkeit von Lightroom angeht. Was kommt dann?

Ich habe einen gewissen Anfangsverdacht, dass ich gerade auf dem langen Weg zurück zum jpg bin. Der Markt für neue Alternativen zu Lightroom ist in Bewegung. Manche Programme habe ich oberflächlich ausprobiert über viele habe ich vieles gelesen. Ein Werkzeug, das ähnlich intuitiv bedienbar wäre wie Lightroom, habe ich dabei noch nicht entdeckt. Für jpg-Bilder gibt es ein solches Programm dagegen: Der jpg-Illuminator ist nach wie vor erste Wahl! Gleichzeitig merke ich, welche Fortschritte Pentax mit den kameraseitig erzeugten jpg-Dateien gemacht hat. Eine RAW-Entwicklung der Bilder aus der KP kann zwar im Einzelfall – besonders bei niedrigen Empfindlichkeiten – noch einige Extra-Details herauskitzeln, im High-ISO-Bereich allerdings sind die Bilder ohne Nacharbeit schon super: Ein bisschen narbig, ähnlich wie ein iPhone Bild (bei weit geringerer Empfindlichkeit, natürlich). Gedruckt wird das – falls überhaupt erkennbar – wie Korn wirken.

Jedenfalls habe ich in der Kamera nach einigem Testen nun einen Look gefunden, der vieles von dem vorweg nimmt, was ich bisher erst nach der Aufnahme verändert habe. Als ‚User-Mode‘ abgespeichert sind das momentan die folgenden Einstellungen:

Spritzlichtkorrektur ‚on‘
Schattenkorrektur ‚Auto‘
Bildstil ‚Natürlich‘ mit
Sättigung 0
Farbton 0
Hi-Key +1
Kontrast +2
Feinschärfe +1

Dazu noch Auto-ISO auf 100-12800. Die so mit jedem Klick erzeugten jpg-Dateien wirken hell und natürlich aber mit viel Zeichnung und Details in den Lichtern und in den Schatten. Kein übertriebenes Tonemapping, keine Überschärfung. Ein unaufgeregtes Bild, das man in vielen Fällen einfach so lassen kann. Falls ich an den Einstellungen noch was ändern muss, werde ich das hier im Artikel nachführen! Was man übrigens ganz und gar nicht nutzen darf, ist die falsch mit dem Wort ‚Schärfe‘ übersetzte Klarheits-Funktion (Info-Menü). Nicht nur ruiniert sie komplett die Zeichnung in den Lichtern (in der Nähe dunkler Flächen), nein, noch dazu bremst sie die Kamera so aus, dass sekundenlang keine weitere Aufnahme möglich ist. Schrott. Egal. Bleibt ausgeschaltet.

Ein 1:1-Ausschnitt einer Zooaufnahme vom Wochenende mit dem Sigma 18-300 C. Links: jpg aus der Kamera, in der Mitte: eine Entwicklung in Lightroom, wie ich sie dort vielleicht ungefähr machen würde (aufgehellt, Klarheit, Schärfe, Lichter abgesenkt, Weißpunkt angehoben – insgesamt ein bisschen zu bunt, mein Fehler) und rechts: Die jpg-Datei, leicht nachgeschärft mit jpg-Illuminator. Das Bild ist 1:1 verfügbar. Klicken, runterscrollen, dort ist der Link ;-)

Es liegt mir fern, vom Saulus zum Paulus zu werden. Für mich gehört ein Bild bearbeitet, wenn man es veröffentlicht oder es an die Wand bringt. Daran ändert sich nichts. Allerdings nimmt mir die KP mit diesen Einstellungen oft weite Teile der Bearbeitung ab. Die Bilder für’s Album sind damit hoffentlich weitgehend gegessen oder brauchen nur noch ein paar Handgriffe mit jpg-Illuminator. Von den RAWs werde ich mich nicht trennen können. Aber vielleicht reicht mir dann tatsächlich das nur noch halb kompatible Lightroom 5 mit dem ich mich zum Ausgleich einigermaßen gut auskenne. Jedenfalls muss ich vorerst nicht nach einem neuen RAW-Konverter suchen. Die KP passt mir!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Schöne alternative Sichtweise zu der Lightroom-Abo-Bezahl-Ich-Nicht-Sau die hier in der Foto-Szene durch das Dorf getrieben wird.