[Kambodscha 2007] Roadbook reloaded – Teil 3

Von den Jahrhunderte alten Ruinen im Norden zu den erst Jahrzehnte alten im Süden: Nach Kep und Bokor.

Mittwoch, 8. August 2007: Tag 12, Beng Mealea

Zurück aus Beng Mealea. 2 Stunden Überlandfahrt und ein sehenswerter Abschluss der Tempeltour.

Das Tuktuk (eigentlich ein Motorrad mit Anhänger – selbst LKW werden hier durch solche Konstruktionen ersetzt) brauchte nur 2 Stunden, um uns von Beng Mealea wieder nach Siem Reap zu befördern. Selbst wenn die Straße aber schlechter gewesen wäre, wäre der Ausflug dorthin es absolut Wert gewesen. Der Tempel liegt tatsächlich in einem dschungelartigen Wäldchen, wenn auch nicht etwa fernab jeder Zivilisation: Im Reisfeld gegenüber steckten unübersehbar die Minenwarnschilder und der Mienenräumer winkte uns freundlich zu und schwenkte sein Peilgerät.

Der Tempel selbst gilt aber als sicher und bietet einen Einblick, wie man ihn sich in romatischer Verklärung vielleicht auch von Angkor erwartet hätte: Er ist ein gigantischer Trümmerhaufen, von Moos und Flechten überwuchert, von Baumwurzeln aufgebrochen, endlich ein guter Grund, unsere Wanderstiefel hierher geschleppt zu haben

Handtellergrosse Spinnen sitzen in ihren Netzen, die schönsten Reliefs findet man am Boden und in Schuttnischen. Wir waren zweieinhalb Stunden begeistert durch das Gewirr gekraxelt. Gestört haben uns eigentlich nur die Wagenladungen von Südkoreanern, die über den angelegten Holzbohlenweg tippelten und sich zu fragen schienen, warum sie wegen eines völlig zerfallenen Tempels 60 km gefahren waren.

Tempelwächter:

Die schönsten Stellen in Beng Mealea findet man nicht allein. Mit etwas Glück führt einen einer der Tempelwächter (in Uniform!) in die entlegeneren Ecken des Trümmelfeldes und zeigt einem auch die schönsten Steinmetzarbeiten. Eine kleine Spende (z.B. 1 USD) wird danach mit Dank angenommen.

Samstag, 11. August 2007: Kep, die Cote d’Azur Indochinas…

…oder das Ende der Welt.

Nach dem Besuch in Beng Mealea hieß es Abschied zu nehmen vom Tempelfeld um Siem Reap. In einer ganztägigen Bustour mit der üblichen Dauerbeschallung waren wir über Phnom Penh nach Kep gelangt. Endlich sahen wir an einer Verpflegungsstation mit eigenen Augen, was wir aus den diversen Führern schon ‚kannten‘: Gebratene Taranteln mit Knoblauch. Wir haben es uns verkniffen 😉 …

Kep selbst war eine erwachende Geisterstadt. Früher eine Art Cote d’Azur Indochinas, unter den Roten Khmer niedergebrannt und verwüstet, 2007 ein sehr sehr langsam erwachender Ort. Nicht ein einziges Internetcafé, die ausgebrannten herrschaftlichen Ruinen wurden slumartig wieder bewohnt, Schweine und Kühe weideten mit Blick auf die Uferpromenade.

Dennoch ist Kep auch ein wirklich sehenswerter Ort. Am alten Krabbenhafen finden sich eine Reihe kleiner und auf den ersten Blick wenig einladender Seafoodrestaurants. Gegessen haben wir im ‚Kimli‚, wo man direkt über dem Wasser sitzt und das bestellte Essen frisch aus der Reuse geholt wird.

Einen sehr netten Club (das ‚The Riel‘, leider inzwischen aufgegeben) betrieb ein kosmopoliter Holländer mit seiner einheimischen Frau am nördlichen Ortsausgang. Marcel hielt in seinem Club die Landeswährung hoch, er wollte gern in Riel bezahlt werden, weil er auch der Meinung war, dass die Orientierung auf den Dollar dem Land nur schadet.

Ein Tagesausflug zu zweit auf einem (!) Moto mit Fahrer hatte uns dorthin geführt, wo der Pfeffer wächst. Die Umgebung von Kep gilt als eines der wichtigen Pfefferanbaugebiete und alle Fahrer und ‚Reiseagenturen‘ bieten solche Ausflüge auf die Farmen an. Das eigentliche Ziel der Fahrt jedoch war Wat Kirisehela bei Kompong Trach, ein als buddhistische Pilgerstette genutztes Höhlensystem. Die extremen Niederschläge der Nacht zuvor hatten zwar nicht nur viele Strassen in Seen verwandelt sondern auch die Höhlen geflutet. Dass sie dennoch den weiten Weg wert waren, sagt fast genug. Die ‚erste‘ Höhle führt einen in einen Krater, dessen etwa 50 m messendes Rund von wildwucherndem Dschungel umfasst ist und in dem sich weitere Höhlen befinden. Eine andere Welt.

Danach sind wir weiter nach Kampot gefahren, ein verschlafenes Kaff in Küstennähe, dem Ausgangspunkt für Trips in den Bokor NP…

Guesthouse in Kep:

Da das allgemein empfohlene Veranda preislich jede Bodenhaftung verloren hat, haben wir uns in den ‚Vanna Bungalows‘ eingemietet. Schön gelegene Holzbungalows mit Veranda und Hängematte, preislich OK, leider trotz Boilern kein warmes Wasser, etwas konfuses Personal. Insgesamt empfehlenswert.

Fahrer in Kep:

Unser Fahrer und Führer Lisu war ein sehr netter junger Khmer, der sich die Fahrzeit damit vertrieb, uns mit Engelsgeduld und gegen den Fahrtwind anbrüllend Redewendungen auf Khmer beizubringen. Ihm verdanken wir die wenigen Brocken, die wir verinnerlichen konnten. Sie haben uns an den verbleibenden Tagen gute Dienste geleistet.

Sonntag, 12. August 2007: If you do it, do it with Orchid

Bokor National Park. Eine Tour zum Achsen Brechen.

Eines vorweg: Es ist keine Achse gebrochen. Selbst saemtliche Knochen sind noch an Ort und Stelle, hoechstens ein paar Kronen wackeln jetzt vielleicht etwas mehr…

„If you do it, do it with Orchid“ war der Tipp eines dänischen Pärchens, das wir in Siem Reap getroffen hatten. Gemeint hatten sie die Tour nach Bokor. Sie hätten vielleicht stattdessen betonen sollen „If you do it…“. Nach den Regenfällen der vergangenen Tage war die ohnehin abenteuerliche Strasse auf das 1000 m hoch gelegene Hochplateau im Regenwald, das von der Geisterstadt Bokor eingenommen wird, nur mehr ein Trümmerhaufen. Eine jeweils etwa 3 Stündige Tortour für Mensch und Material. Das Auto, ein hochgelegter Toyota Pickup mit Gelände- und Allradumbau ächzte, klapperte und schrie in jeder Sekunde, denn es ging über 30 Kilometer lang nur auf Felsen, Teerresten und Schlammlöchern vorwärts. Nach einer gewissen Spassphase am Anfang schrie auch mein Körper mit. Die Schultern wurden immer härter, die Knie immer blauer von den Versuchen, sich irgendwie auf dem Wagen festzuhalten. Zum Glück waren wir nur zu viert auf dem Pickup. Als wir oben waren, trudelten nach und nach noch andere Unternehmen ein, deren Pickups weniger geländetauglich wirkten, auf denen aber „zum Ausgleich“ locker 10 bis 12 Kunden kauerten.

Bokor selbst ist eine verlassene vorwiegend französische Stadt in gemässigtem Bergklima mit unbeschreiblicher Sicht über die Kueste und die vorgelagerten Inseln. Wie so vieles in Kambodscha ist auch sie eine Ruine, an deren Wiederaufbau niemand ernsthaft denkt (heute, 2012 sieht es anders aus. Leider.). So verrotteten nun die katholische Kirche, das Kasino und all die anderen Gebäude auf dem Berg, nachdem sie längst von den Bewohnern aus dem Tal gründlich ausgeschlachtet worden waren. Ich hoffe, die Fotos werden den morbiden Charme dieser Anlage transportieren können.

Das nächste Ziel unserer Reise war nun Sianhoukville, das heutige Zentrum der Küste Kambodschas. Vielleicht finden wir ja wieder Erwarten dort einen Ort, um noch etwas „Abzuhängen“.

Guesthouse und Tour:

Orchid G.H., gegenüber des in den Reiseführern oft genannten ‚Blissful G.H.‘ in einer namenlosen Straße etwa einen Kilometer südöstlich des zentralen Kreisverkehrs von Kampot (Nähe Acleda Bank). Das G.H. bietet sehr einfache Bambushütten und klimatisierte Steinhäuser. Wir hatten eine Bambushütte mit massiver nächtlicher amphibischer Beschallung vom unmittelbar angrenzenden ‚Gartenteich‘ (eigentlich die Retentionsmulde für das Duschwasser – immerhin scheinen die sonstigen Abwässer einen anderen Weg zu nehmen, es roch nicht… ). Morgens saß eine riesige braune Kröte in der Dusche und nachts hatten wir Besuch von einem Nagetier unbestimmbarer Größe. Zum Übernachten also eher was für nur eine Nacht – der Inhaber und (in unserem Falle) Tourguide ist aber ein netter und vertrauenserweckender Kambodschaner – daher trotzdem eine Empfehlung.

Restaurants:

Ta Eou: Eine riesige Flussterrasse aus Holz, ein gutes Stück nördlich des Zentrums. Seafood. OK. Busladungsweise Touristen aber auch Einheimische.

Little Garden Bar: Westlich geführtes G.H. mit Bar. Western Food. Vom Garten ist nicht viel zu sehen, sattdessen sitzt man hinter Stacheldraht und neben ausgebrannten Ruinen. Essen war OK aber nicht billig.

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