[Life is thirtyfive] Die Kamera zur Tasche

Schwache Momente. Da war zum Beispiel der, als ich mir damals die NX1000 ins Haus geholt hatte. Und dann die NX300. Wunderbare kleine Kameras. Da lag die große Pentax erst mal schwer in der Schublade und lag und lag. Aber alles neue wird irgendwann wieder normal und die K-5 war einfach immer noch da und immer noch toll! Ich liebe optische Sucher. Meinen Samsungs habe ich längst Aufstecksucher verpasst aber an das Pentaprisma einer Pentax kommt (in dieser Klasse) nichts heran. Und dann kam letztes Jahr die KP auf den Markt und ich war ein bisschen verloren.

Eine Kamera, kaum größer als die klassische Leica, ohne diesen monströsen Handgriff, den alle digitalen Spiegelreflexkameras aus der Kameramode der 90er Jahre mitgenommen haben und nie mehr los wurden. Eine Form, nahe an meiner alten Nikon F301, die immer noch mit Film geladen in der Vitrine steht. Eine moderne spiegellose Systemkamera – nur mit Spiegel und echtem optischem Sucher. Ich habe ein Jahr lang widerstanden. In den USA hätte ich sie fast gekauft, bin aber vor den Zollformalitäten und der fehlenden internationalen Garantie zurückgeschreckt. Erst zum Jahreswechsel war es nun so weit. Mein schwacher Moment war erreicht.

Ich hatte die Kamera erst wenige Tage, da war klar, dass ich zumindest die Galaxy NX mit Ihrem Mäusekinosucher direkt verkaufe. Die beiden kleineren Gehäuse bleiben. Für die Tage an denen jedes bisschen Gewicht zählt. Und für das rauhe Leben in der Satteltasche des Fahrrads. Für das pure Fotografieren ist aber nun die KP da.

Für einen echten Erfahrungsbericht ist es noch zu früh. Bereits in meinem Beitrag vom 9. Januar waren erste Bilder aus der KP enthalten aber Gelegenheit für wirklich intensives Fotografieren mit der Pentax war noch wenig. Also ist dieser Bericht eher ein Auftakt. Ein ‚Hands-on‘, wie man auf Internetdeutsch so schön schreibt.

Wie man auf den Bildern sieht, ist bei mir gerade eine Leica M4 zu Gast. Das gute Stück ist so alt wie ich und ich fotografiere gerade eine Spule Film voll. Ein Schmuckstück. Anderes Thema. Hier ist sie nur zu sehen, um einen Maßstab für die Pentax zu liefern. Denn die Größe und Form ist natürlich ein Kernpunkt bei dieser Kamera. Die KP stammt entfernt von der K-5 ab (die ich wie die Galaxy NX mittlerweile ebenfalls verkauft habe). Sie trat vor einem Jahr im Grunde die Nachfolge der K-3 II an (zumindest mit Blick auf den üblichen 2-Jahres-Rhythmus, auf das AF-System, den Sensor und den Bildprozessor und auf das Magnesiumgehäuse), wendete das Konzept aber in eine ganz andere Richtung. Das Heulen und Zähneklappern im Pentaxlager war groß, denn die Kamera verzichtete auf allerlei Features, die an der K-3 II noch zu finden waren. Auf der Soll-Seite stehen:

– der ‚langsamere‘ Verschluss (max 1/6000 sek statt 1/8000) mit geringerer Auslegung (100.000 wie bei der K-5-Serie statt 200.000 wie bei der K-3-Serie)
– geringere Serienbildgeschwindigkeit und kleinerer Puffer
– kein HDMI-Port
– kein Schulterdisplay
– keine IR-Fernbedienung
– USB 2 statt USB 3
– kleinere Akkus mit ensprechend geringerer Zahl von standardisierten Auslösungen
– nur noch einen Kartenslot

Es gibt aber auch eine Haben-Seite:

+ Verbesserter Sensor mit verbessertem Rauschverhalten in RAW und jpg und erweitertem nutzbarem ISO-Bereich (und deutlich erweitertem ISO-Bereich der nur für Testaufnahmen sinnvoll ist – zum Beispiel bei der Nachtfotografie, bevor man dann wirklich die Langzeitbelichtung macht…)
+ 5-Achsen-Stabi
+ Prime IV CPU statt Typ III (die vermutlich gleichermaßen für die besseren RAWs als auch fpür die etwas gesunkene Geschwindigkeit verantwortlich sein dürfte)
+ Eingebauter Blitz
+ Autofokus bei Videoaufnahmen (per Taste) und Stereoton
+ Elektronischer Verschluss für die wirklich schnellen Belichtungszeiten und lautloses Auslösen
+ Neues Bedienkonzept mit 3 Rädern wie die K-1
+ Schwenkmonitor
+ leichtere und kompaktere Bauweise im Stil klassischer analoger SLR bzw. spiegelloser Retro-Kameras.
+ eingebautes WiFi mit einer wirklich funktionierenden App (Fernauslöser, Tethering, Remote-Sucher)

Natürlich hätte man manches davon auch in eine K-3 III einbauen können. Aber insgesamt ist das ein stimmiges Paket, auch mit den nun weggelassenen Punkten. Stimmig, wenn man davon ausgeht, dass das eine Kamera für Reise, Reportage, Straße und Alltag und Familie ist. Wenn man die KP mit einem Limited drauf neben die alte Leica oder (gedanklich) neben eine neue Fuji X-T2 legt, geht einem ein Licht auf. Und deshalb ist es auch kein Wunder, dass die KP perfekt zur Cosyspeed Streetomatic+ passt, die mich seit unserem Sommer in Amerika begleitet.

Neben dem neuen Gehäuse habe ich mir noch einen zweiten Wunsch erfüllt, der mich seit Jahren begleitet. Mein zweiter schwacher Moment. Ende 2013 hatte ich schon mal eine kleine Ode an den Bildwinkel von 35 mm (@ Kleinbildfilm) verfasst. Und an dieser verhinderten Zuneigung hatte sich seither nichts geändert. Nun bin ich endlich den Schritt gegangen, mir das Objektiv zu kaufen, das bei Pentax der 35-mm-Perspektive am nächsten kommt: Das 3.2/21 mm Limited. Es passt perfekt zum Charakter der KP und macht sie endgültig zu einem leichten Begleiter für Bilder vom Echten und Wichtigen im Leben. Life is thirtyfive. Und ich freu mich halt. Merkt man, oder? 😉

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Stefan … auch ich habe die KP allerdings seit Juli 2017 weil ich bei einem Sturz mit dem Fahrrad meine K5 „geschrottet“ hatte. Und auch ich war mir lange nicht klar, ob ich das so will. Klar – die Cam ist kompakter, doch liebäugelte ich zunächst mit einer K3II. Bis – ja bis ich sie in Konstanz (war extra die 80 km mit dem Rad dorthin gefahren) zum 1.Mal in der Hand hielt. Das war es dann. Die und keine Andere. Und ich habe den Kauf bisher nicht bereut. OK – ich habe inzwischen 3 Reserveakkus dabei. Doch das liegt auch daran, dass ich meine Art der Fotografie verändert habe. Und ich bin wirklich froh darüber … Auch habe ich das 21ltd/3,2 als beinahe-immer-drauf. Zusätzlich noch das 35mm, das 55mm, das 14mm und einige ältere Linsen. Doch das 21er entspricht voll und ganz meinem Fotografie-Stil. Ich hatte noch nie (m)eine Kamera so oft dabei und noch nie so viel fotografiert, wie jetzt mit der KP. Achja – auch ich habe mich für eine Cosyspeed entschieden. Gruß … Robert/feerluwa

  2. @Robert: Danke für Dein Feedback! Ja, Reserveakkus habe ich auch zwei gekauft. Man liest ja allenthalben, dass das unbedingt nötig sei. Tatsächlich sind die Akkus der KP nicht kleiner als die meiner spiegellosen Kameras und folgerichtig hatte ich die Ersatzakkus auch noch nie in Benutzung. Auch, weil ich – wie gesagt – in den letzten Wochen noch nicht so intensiv fotografiert habe, dass ich sie gebraucht hätte. Ich hoffe, das ändert sich bald. Geplant ist genug 😉

    PS: Hübsches Fahrrad hast Du, das kommt mir auch irgendwie bekannt vor 😀

  3. Hallo Stefan,
    die Freude ist wirklich anzumerken ;o)
    Als ich vor 1,5 Jahren zur Pentax K-70 gewechselt bin, habe ich gleichzeitig das 15er, und
    das von Dir angesprochene 21er gekauft.
    Feine Kombinationen sind das, und für mich mit den annähernden Brennweiten von 24 und 35mm KB eine perfekte Grundlage für mich.

    Falls von Interesse:
    Die Bilder in diesem Beitrag sind alle mit dem 21er entstanden.
    http://reiterandreas.de/categories/voelkersbach/essays/traktorparade-voelkersbach/
    Alle einmal ganz bewusst mit der Offenblende 3.2.

    Zu den Ersatzakkus: Ich habe 3 Jahre mit den spiegellosen von Sony fotografiert.
    DIE fressen förmlich den Strom. Die 2 Ersatzakkus meiner K-70 habe ich bisher eigentlich
    so gut wie nie gebraucht…

  4. Ja, Andreas, so stelle ich mir das vor, mit dem 21er. Eine schöne natürliche Plastizität, ein maßvoller Schärfeverlauf. Bilder nicht ‚hallo, schau mich an‘ schreien und genau dadurch auch einen zweiten und dritten Blick erlauben und einfordern. Schön!

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