[Theta V] Der Nokia-6210-Moment

Das Nokia 6210 war mein erstes Handy. Das Business-Handy nach der Jahrtausendwende. Verlässlich, ausdauernd, unempfindlich. Mit Fotografie hatte es genau gar nichts zu tun. Aber ich weiß noch wie heute, wie es sich anfühlte. Solide und gefällig. Fast genau wie die neue Ricoh Theta V, die ich für einen Test bekommen habe und die seither immer mit mir unterwegs ist.

Das Paket aus Hamburg enthielt nicht viel. In der Schachtel der Theta V findet sich wenig kameratypisches. Kein Akku und keine Handschlaufe zum Beispiel.  Stattdessen nur die wunderbar handschmeichlerische Kamera, ein USB-Kabel, eine Neoprenhülle zum Schutz der beiden Fischaugenobjektive und natürlich ein bisschen Papier. Zur Kamera gehören ausserdem zwei Apps, die es für Android und iOS gibt und die sich in beiden Versionen kaum voneinander unterscheiden. Die App ‚Theta S‘ (die also noch den Namen des Vorgängermodells führt) dient vor allem als Fernbedienung der Kamera und zum Teilen der Aufnahmen, ‚Theta+‘ ist dagegen vorrangig für die Nachbearbeitung und Verwertung der Bilder gedacht. ‚Theta+‘ läuft auf einem iPad leider nicht auf dem vollen Bildschirm, auf Androidtablets gibt es diese Einschränkung nicht.

Die Kamera habe ich nicht gekauft. Im November startete das neue Online-Fotojournal ‚Photo Weekly‘ und gleich in der ersten Ausgabe wurden 5 Leser gesucht, die eine Theta V testen wollen. Ricoh ist ‚meine‘ Firma und das 360er-Thema juckt mich schon länger. Natürlich habe ich mich gemeldet und zum Glück hatte ich Glück ;-).

So eine 360°-Kamera wirft einen fotografisch erst mal weit zurück. Die Theta V raubt mir gewissermaßen meine geübten Routinen. Entscheidend sind plötzlich neue Gesichtspunkte: Bildausschnitt und (Schärfen-) Tiefe fallen fast komplett unter den Tisch, stattdessen entsteht die Bildgestaltung vorrangig durch die Suche nach Orten. Orten, die Nähe und Weite gleichzeitig schaffen, die einen Kontrast anbieten zwischen Detail und Fernblick. Erst langsam steige ich mit der neuen Kamera tiefer in meine Bildserien ein, zunächst kommt die Experimentierphase. Und die – das kann ich jetzt schon sagen – macht sehr viel Spaß!

Diese merkwürdige Assoziation zu einem Business-Handy war sofort da und und genau wie ein Handy passt sie in jede Jackentasche und ist innerhalb von Sekunden bereit. Die Bildqualität siedle ich im Bereich üblicher Smartphones ein. Offen gesagt hatte ich ein bisschen mehr Schärfe und weniger Schwächen im Randbereich der jeweiligen Optik und in der Stitching-Zone erwartet. Möglicherweise ist mein Exemplar der Kamera auch ein wenig dezentriert. Das ändert aber wenig daran, dass die Kamera überall wo man sie (und die Ergebnisse) zeigt, Begeisterung auslöst. Und daran, dass sie mich als Fotograf neu herausfordert. Ich mag Herausforderungen 😉

Für einige erste Bilder bin ich abends schnell noch zum Fernsehturm gefahren, zu unserem Stuttgarter Wahrzeichen. Wenn man nicht gerade ein Stativ mitnimmt und die Kamera mit der Smartphone-App auslöst, ist es kaum möglich, nicht mit auf dem Bild zu sein. Klar, man kann versuchen, sich wieder heraus zu retuschieren. Das ist aber nicht einfach. Mehr noch: Löst man die Kamera in der Hand aus, ist immer der Daumen im Bild. Und zwar groß. Das kann lustig sein. Aber nicht immer. Der Selbstauslöser ist Dein Freund! Der Selbstauslöser und ein Einhand-Stativ, besser bekannt als ‚Selfie-Stick‘: Wenn man die Kamera ohne Kugelkopf einfach längs auf den Stick schraubt, verschwindet sie mit dem Stab weitgehend aus dem Bild und aus dem Selfie wird eine gefühlte Drohnenaufnahme. Nach einer Runde durch die App ‚Theta+‘ wird noch einmal etwas Neues daraus. Die App ist sozusagen eine zweite Instanz des Experiments. Horizonte krümmen sich in der einen oder anderen Richtung und es entstehen zum Beispiel kleine (Heimat-) Planeten. Oder man rollt das 360°-Panorama flach aus, um es drucken zu können. Auch hat dafür gibt es verschiedene Projektionsmodi. Ein riesen Spaß, jedenfalls! 

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Man kann aus deinen Zeilen deine Freude „ablesen“ und erahnen. So soll es sein, oder? Mich reizt die Kamera so überhaupt nicht. Und so vielfältig sind wir…. Das ist gut und schön so. In jedem Fall bereichern wir uns so gegenseitig.
    Hab weiterhin viel Freude damit!
    Lg,
    Werner

  2. Pingback: [Heimatplanet] Heimweg | Stefan Senf – Motivprogramm

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