[clixxie Retropix] Sofortbilder mit Wartezeit 

Polaroid. Der Name hat nur wenig an Klang eingebüßt. Polaroid steht für Sofortbilder wie Tempo für Papiertaschentücher. Wie schön war das damals. Bei Parties oder Feiern ging die Kamera von Hand zu Hand oder von Tisch zu Tisch und am Ende des Abends war oft auch gleich ein Fotoalbum fertig. Heute ist alles sofort, immer. Das Smartphone ist die Polaroid der Gegenwart. Facebook, Instagram und Co sind das Fotoalbum dazu. Kommentare werden nicht mehr mit halb eingetrockneten Lackstiften aufs Bild gekritzelt sondern auf zu kleinen Tastaturen mehr oder weniger erfolgreich gegen die aufmüpfige Autokorrektur durchgekämpft. Toll. Oder? Die ‚Alben‘ sind nur kurze Zeit wirklich greifbar, dann versanden sie unter der Flut des immer Neuen. Die Fotos bleiben nur füchtiger leuchtender Abglanz, der für ein paar Sekunden die Oberfläche des Smartphones einnimmt. Dann verschwinden sie dort und es kommt die nächste Nachricht, das nächste Lesehäppchen, der nächste Videoschnipsel oder wenn es gut läuft einfach der nächste Anruf. Polaroids wären geblieben. Irgendwo wartend, darauf dass sie einem zur Unzeit wieder in die Hände fallen. Dass sie Erinnerungen wecken und lebendig machen. 

Klar, auch heute gibt es noch (und wieder vermehrt) Sofortbildkameras. Fuji ist dort aktiv, bringt nächstes Jahr sogar endlich ein größeres quadratisches Format auf den Markt, das an die seligen Polas erinnert. Impossible pflegt das Polaroid-Erbe auf den alten Fertigungsstrassen und einige Kameramarken von Leica bis MiNT oder Lomo liefern zusätzliche Kameras zu den Systemen. 

Aber auch für den Nutzer des Smartphones gibt es Hilfe in der Not und Bilder die bleiben: Anbieter, die den Look von Sofortbildern nachahmen gibt es fast schon wie Sand am Meer. Für ein kleines Geschenk im Kollegenkreis habe ich mich sehr spontan und ohne langen Vergleich für die ‚Retropix‘ von clixxie entschieden.  Die Bestellung läuft über eine kleine App, die weiter nicht viel kann. Sie kann auf die Kamera zugreifen, auf Instagram oder einfach auf den Bilderspeicher im Telefon. Sie erlaubt es, auf den breiten Rand des Bildes ein paar Worte zu tippen, den Bildausschnitt ein bisschen zu schubsen oder 12 Fotos zu einem Kalender zu machen. Das war’s auch schon fast. Ein bisschen Krimskrams als Sideorder gibt es noch.

Die Bilder kommen in einer sehr gelungenen, aufwendigen Verpackung. Ein Polsterumschlag enthält einen dekorativen Umschlag aus braunem Packpapier, der seinerseits einen weißen Hochglanzumschlag enthält, der kurioserweise noch den Aufdruck des früheren Produktnamens ‚Polapix‘ trägt und von einem textilen Gummiband zusammengehalten wird. Darin stecken dann endlich die Bilder aus stabilem Karton. Die Bilder sind gedruckt, nicht belichtet (leider) und mit einer Schutz- und Glanzfolie veredelt. Der weiße Rand mit der typischen, asymmetrischen Form (die im Original die Chemie enthält, um das Bild zu entwickeln und zu fixieren) ist mit einer schönen Haptik dem Anfassgefühl eines echten Polaroids nachempfunden. Die Rückseite ist auch ein Abbild der historischen Polaroidmaterials, trägt allerdings gleichzeitig einen in meinen Augen etwas aufdringlichen Werbeaufdruck. Immerhin weist das Logo noch mal unmissverständlich darauf hin, dass die Bilder nicht irgendwo sondern im schönen München gefertigt werden. Damit kann ich leben. 

‚Sofortbild‘ hat bei den Retropix eine ambivalente Bedeutung: Der Druck sieht gut aus (zu gut vielleicht, ich habe sicherheitshalber vor der Bestellung eine leichte ‚Retro-Bearbeitung‘ vorgenommen und das war gut so. Die App oder der Dienst selbst tun das nämlich nicht), die Bilder lassen sich auch ganz einfach  unterwegs und ’sofort‘ bestellen, sie wirken Charmant und (auf mich) nicht peinlich, nur bis man sie wirklich in der Hand hält, braucht man 3-5 Tage (plus Postlauf) Geduld. Was ja eigentlich das glatte Gegenteil eines Sofortbildes ist, wenn man ehrlich ist.

Wie so oft, wenn etwas ‚retro‘ ist, bieten einem auch diese Bilder also ein Gefühl von Authentizität und Kontinuität, ohne es wirklich einlösen zu müssen. Aber sie sind ein schöner Spaß, bieten eine gute Qualität und eine hohe Wertigkeit. Und sind es mir deswegen Wert, diesen Artikel zu schreiben um Euch den Dienst zu empfehlen. Wenn Ihr so was mal sucht.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die Rezension. Ich denke über einen Instax-Drucker nach. Das wäre die Möglichkeit, jedes Bild (das man irgendwie auf´s Smartphone bekommt) sofort auszudrucken :-). Sofortbild-Kameras sind noch näher am Ziel. Aber ich warte auf die neue Instax-Quadrat. Beides ist mehr Sofort-Bild, als diese Möglichkeit. Trotzdem interessant. Ich möchte im Idealfall ein Bild von einem Moment machen, es in ein Buch kleben und dazu etwas schreiben. Du malst dann 🙂

    LG, Conny

  2. Einen Instax-Drucker finde ich (auch) ein bisschen halbgar. Eine ‚echte‘ Instax, idealerweise wirklich im kommenden quadratisch Format macht mich dagegen auch an. Mal sehen. Einstweilen zeichne ich, ja 😉

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