[Heimatfilm unltd.] Take a walk on the wald side

Meinen Weg zur Arbeit kann ich mit dem Auto fahren. Allerdings könnte ich das Auto seit dem ersten Oktober eigentlich nicht mehr parken. Stuttgart hat sich eine umfassende Parkraumbewirtschaftung verpasst. Ich kann ihn auch mit Bus und U-Bahn fahren. Ein Jahresticket steckt in meiner Tasche. Aber ich kann den Weg auch gehen. Sieben Kilometer sind es bis zu meiner Arbeitsstelle, gut vier bis zu einer U-Bahn-Station, die mir das steilste Gefällestück und das Gehen auf Straßen und Treppen abkürzt. Und diese viereinhalb Kilometer gehe ich. So oft es geht. Wenigstens drei Mal pro Woche.

[Heimatfilm unltd.] Filmriss-2

Zu gehen, ist kein Fotoprojekt. Es nimmt den Fotoprojekten eher ein bisschen Raum. Die verfügbare Zeit ist ja leider endlich. Und trotzdem bin ich auch durch das Fotografieren auf’s zu Fuß Gehen gekommen und das zu Fuß Gehen schärft den Sinn. Auch für die Fotografie.

Sebastian Rose ist ein ein Fotoblogger aus Stuttgart. Und ein flickr-Kontakt von mir. Ich denke, es war vor mehr als einem Jahr, als sein Blog mehr und mehr das Thema wechselte. Die Fotografie wurde dienender, das Laufen (nicht das Gehen, wie bei mir) trat in den Vordergrund. Ich habe Sebastian persönlich kennengelernt und war beeindruckt, wie er in einer ähnlichen Lebenssituation wie meiner (Kinder im gleichen Alter) so viel Zeit und Energie in dieses Hobby investieren kann. Der Wunsch, mich ebenfalls mehr zu bewegen hatte einen neuen Impuls erhalten. Offenbar hat es den gebraucht.

Vor etwa einem halben Jahr war ich dann so weit. Seither greife ich mir so oft wie möglich morgens den Rucksack, die Stöcke und die Laufschuhe und biege (statt dort zu warten) an den Bushaltestelle in den Wald ab. Ich habe Glück. Meine Strecke verläuft zwar durch das Stuttgarter Stadtgebiet aber dennoch fast komplett durch Wald. Ein hoher Mischwald hier, Dichtungen mit Jungwald in alten Sturmbrachen dort, mal schnell durch eine offene Talaue, mal vorbei an ein paar Lichtungen, an einem der württembergischen Mammutbäume (ich liebe die, ich kann gar nicht genau sagen warum), direkt zu einer U-Bahn-Station mitten Wald. Das ist an sich keine riesen Sache, die irgendjemandem Respekt abnötigen müsste. Es ist ein Luxus, den ich mir gönne (nicht zu vergleichen mit Sebastians Marathondistanzen). Und es öffnet. Nicht nur die Augen. Ich merke, dass ich intensiver wahrnehme, wie das Jahr verläuft, seit ich gehe. Leider vergeht es immer noch genauso schnell.

[Heimatfilm unltd.] Filmriss-1

[Heimatfilm unltd.] Filmriss-3

Bilder: Samsung NX 1000 mit dem 2.4/16 mm. Hübsches Bokeh, eigentlich! Für ein Weitwinkel?!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey, danke für Erwähnung. Das macht mir mal wieder bewusst, dass ich meinen Blog zwar umbenannt habe, um auch was zum Laufen zu schreiben, aber das Fotografieren eigentlich einen größeren Stellenwert verdient hätte. Aber leider mache ich derzeit auch einfach zu wenig Bilder. Mal sehen, ob gerade die dunkle Jahreszeit daran etwas ändern kann. Und ich bin gespannt, wie das mit dem Arbeitsweg per pedes klappt, wenn es Winter wird. 🙂

  2. Impulse kommen meist dann, wenn man ihnen gerade die Tür einen Spalt öffnet ;-). Hoffentlich hältst du auch im Winter durch, ich drücke dir die Daumen!
    Das Bokeh ist tatsächlich ganz hübsch 🙂

  3. Pingback: [Über Bildserien] Nachhaltige Waldwirtschaft | Stefan Senf – Motivprogramm

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