[Samsung 16-50 mm Power Zoom ED OIS] Klein sein ist (nicht) alles

Ich bin ein ‚Opfer‘ des fortschreitenden Drangs zur Miniaturisierung. Manche Leute kaufen sich immer leichtere Bauteile für’s Fahrrad und ich erliege den Verlockungen eines (gerade mal) 1 cm kürzeren Objektivs. Ich habe mir das NX 16-50 PZ ED OIS besorgt. Mich lockt einfach das noch-weniger-dabei-haben, der Stabi, die 16mm ohne Objektivwechsel und der 43er Filterdurchmesser. Der Achromat von Raynox passt da genau drauf, ohne das Plastikklemmdings. Alles schön klein. Kann man immer dabei haben.

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-6-2
Schlingnatter in der Trockenmauer. Das NX 16-50 PZ ED OIS an der Nahgrenze.

Mit dem ‚alten‘ NX 20-50 mm und dem NX 2.4/16 mm habe ich den Brennweitenbereich eigentlich bereits abgedeckt. Und schlimmer noch: Das ‚alte‘ Zoom und die Festbrennweite können gemeinsam eigentlich fast alles besser als das neue Objektiv. Aber das PZ macht halt eine Kompaktkamera aus der NX, erlaubt das Zoomen beim Filmen, hat einen Stabi und feilt somit am ‚rundum-sorglos-Paket‘, das die Kamera ohnehin schon ist. Ich hatte lange mit mir gerungen, stattdessen dem Drang zum NX 1.8/45 mm nachzugeben. Aber da kann ich letztlich auch Altglas adaptieren (Nikon- und Pentax-Adapter habe ich sowieso schon) und Freude am ‚analogen‘ Bildeindruck haben, den solche Kombinationen erzeugen.

Wenn man bei Samsung preiswert kaufen möchte, greift man zu ‚entbundelten‘ Objektiven. Das neue Zoom kam also in einem weißen schmucklosen Karton und etwas Bläschenfolie zu mir. Das war klar und nicht schlimm. Nur fand ich es an der Kamera auch gar nicht mal so richtig toll. Es fühlt sich zwar deutlich hochwertiger an als das NX 20-50. Trotzdem vermittelte es mir schon vom ersten Tag an das Gefühl, dass ich für das Geld schon spannendere Sachen gekauft hab. Aber das war erst der Anfang: Das Objektiv war deutlich dezentriert!

Gekauft habe ich online. Der Austausch des Objektivs war überhaupt kein Problem. Nummer zwei hatte allerdings eine exakt identische Dezentrierung, nur die Ausprägung war etwas geringer. Links oben waren beide flau, unscharf und kontrastarm, die anderen Ecken waren gut. Der Händler Foto Mundus (der logischerweise für die Qualitätsmängel nichts kann) entwickelte sich daraufhin zu einer echten Empfehlung: Der Kontakt per E-Mail funktionierte sehr schnell, sehr freundlich und sehr kundenorientiert: Ohne Murren wurde auch das zweite NX 16-50 mm umgetauscht. Nun (auf meine Anregung, um einen Chargenfehler auszuschließen) sogar gegen ein weiß-silbernes, das bei Foto Mundus eigentlich zum fast doppelten Preis in der Liste steht. Dieses dritte Objektiv ‚passt‘ jetzt. Also: Foto-Mundus hat das jedenfalls gut gemacht. Kann ich empfehlen.

[G.A.S.] NX 16-50 PZ ED OIS-2

Das weiße 16-50 passt optisch überraschend gut zum braunen Gehäuse meiner NX 300. Der Zoom- und Fokusring ist silbern, der ausfahrende Teil des Tubus ist silbern, das Weiß ist eher perlmutt, insgesamt wirkt das selbstverständlicher als man denkt. Ich habe das Objektiv gekauft um möglichst klein zu werden. Das ist gelungen. Aber ich mag den Fly-by-wire-Zoom nicht. Das fühlt sich einfach besch … eiden an. Das Objektiv ist gut. Es ist praktisch. Es kann das, was ich wollte. Es ersetzt mir mit dem aufgeschraubten Raynox 150 gleich noch ein Makro. Es macht ein ungeheuer schlankes Kameratäschchen. Es entlockt den Umstehenden ein interessiertes ‚Ohh?!‘. Aber es bedient sich zum Abgewöhnen. Null Sex-Appeal. Synthetisch.

Der Zoom arbeitet über eine Tastenwippe am Objektiv und über den Objektivring. Die Tasten sind für mein Empfinden aber an der falschen Stelle. Weder bei der klassischen Kamerahaltung (linke Hand am Objektiv) noch bei dem Gebrauch der Kamera ‚vor dem Bauch‘ lassen sich die Tasten intuitiv bedienen. Also muss man sich mit dem Objektivring behelfen. Der allerdings, verleitet durch sein zögerliches Ansprechen dazu, immer entweder mit 16 oder mit 50 mm zu fotografieren. So gut diese Ringe in Verbindung mit der iFn-Funktion arbeiten, so unerträglich finde ich sie beim Zoomen oder Fokussieren.

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-2-16
16 mm

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-2-50
50 mm

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-1-16
16 mm

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-1-50
50 mm

4 Testbilder bei gutem Licht. Viel besser wird’s nicht. Alles per Lightroom aus dem RAW und in voller Größe (bei flickr) 😉

Die Abbildungsleistung des Objektivs würde ich nach den ersten Wochen Testphase mit ’schwankend‘ umschreiben. Manchmal macht das Ding Bilder, die in nichts dem ausgezeichneten NX 20-50 nachstehen. Manchmal sind die Bilder aber auch merkwürdig unscharf. ‚Weich‘ wäre dabei gar nicht mal die beste Umschreibung, denn die nicht deaktivierbare (!) aber dennoch offensichtliche Korrektur, die dem Objektiv selbst im RAW (über Lightroom) zuteil wird, zerstört eine eventuell vorhandene natürliche Weichheit. Es ist schwer zu beschreiben. Am Monitor in 1:1-Darstellung sieht die diese gelegentliche Unschärfe nicht gut aus. Im Druck ist sie eher irrelevant: Da ist es wieder, das Kompaktkameragefühl.

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-0437_cr
Typisches unscharfes Bild (Ausschnitt 1:1) trotz 1/80 Sekunden Belichtungszeit und Stabi

Warum das Objektiv mal besser und mal schlechter abbildet? Ich nehme fast an, dass der Stabilisator da irgendwie eine Rolle spielt, denn eine direkte Beziehung zur Blende oder zur Brennweite habe ich noch nicht gefunden. Ist also nur eine Vermutung.

Mein Fazit? Ja, ich werde das Objektiv behalten und verwenden. Es wird vermutlich sogar mein ‚Standard‘ auf dieser Kamera. Es erweist sich aber auf’s Neue, dass die NX besonders dann Spaß macht, wenn sie ein altes adaptiertes Glas vor dem Sensor trägt. Das NX 16-50 PZ ED OIS ist ein Objektiv für alle Fälle. Wenn es schnell gehen muss oder wenn es nicht so wichtig ist. Es liefert manchmal eine sehr gute Bildqualität und manchmal eine, die nur ‚in Ordnung‘ ist. Die Bedienung ist synthetisch, der Bildeindruck ist es gelegentlich auch. Vielleicht ist das kein Wunder, angesichts der Miniaturisierung. Dieses Objektiv macht einen jedenfalls nicht zu einem besseren Fotografen. Jedes 20,- EUR-Altglas am Adapter führt zu mehr Bewusstheit und Achtsamkeit beim Fotografieren.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So so, wart ihr auf dem Michaelsberg! 😉 Schön da oben, gell? Da war ich früher oft oben um zu funken. Tolle Reichweite.

    Den Spagat zwischen Qualität und Größe kenne ich – ich glaube die einzige Antwort darauf wäre eine Leica M. Mit meiner neuen Lumix G5 muss ich da den gleichen Spagat machen – entweder die 12-32 Kit-Scherbe (dann aber sehr klein…) oder das Monster 12-40/2,8 was dann eher wie Objektiv mit angeschraubtem Sensor aussieht.
    Ich denke wir müssen uns ganz klar vor Augen halten WOFÜR wir genau diese eine kleine Kombi benötigen: High-Fashion Shootings mit denen wir Geld verdienen oder Schnappschüsse von der Familie.
    Trotzdem sollte eine Linse zentriert sein, gleichmäßigen Schärfe und Kontrast liefern etc. Trotzdem sind das Bilder die auf 10×15 trotzdem wirken und gut sind. Und wenn das dann noch eine tragbare Kombi ist, die man ggf. noch öfters mitnimmt als die 4kg-DSLR-Ausrüstung, dann hat man eigentlich nur WIN-WIN Situationen. Mann gewinnt weil Kamera dabei und damit spielen kann, Familie gewinnt weil Kamera dabei und Bilder gemacht werden.
    Und warum nehmen wir dann nicht einfach das iPhone? Das ist ja auch „immer dabei“?
    Weil das iPhone mit dem Fixfokus von ca. 32mm zwar sehr nett ist, aber die Flexibilität in der einen oder anderen Situation halt einfach leidet. Und weil es im Dunkeln wirklich arg arg rauscht!
    Also so ein bisschen Qualität muss ja dann doch schon sein. Oder??? 😉

    lg, oli

  2. Ich bin da stundenlang auf der Brüstung gesessen und konnte mich nicht satt sehen. Ein schöner Ort.

    Die Miniaturisierung ist natürlich ein zentrales Argument. Sonst hätte ich das Objektiv nicht gekauft, wäre nicht durch 2 Umtausche gegangen um es am Ende zu behalten, obwohl es nicht schärfer ist, als das was ich schon hatte. Aber die Miniaturisierung hat auch einen Preis. Das zu erzählen ist mir wichtig.

    Die besseren Fotos mache ich mit alten Flaschenböden. Das liegt sicher ein gutes Stück weit an mir selbst. Die manuellen Objektive fordern mir ab, eine Blende zu wählen und scharf zu stellen. Ich muss die Zeit dazu einstellen und kann der Kamera höchstens noch die Belichtungsmessung und -einstellung über Auto-ISO überlassen. Was ich gelegentlich mache und häufig bereue. Eigentlich muss ich also alles selber machen. Und das ist gut, denn wenn man etwas einstellt, dann denkt man mindestens unbewusst darüber nach. Man steuert selbst. Wie man Auto fährt. Das ist gut.

  3. Ich sehe schon. Demnächst hältst du eine analoge Kleinbildkamera in der Hand und bist glücklich. 😉

  4. Den Wunsch nach einer kompakten Immerdabei-Kombi mit möglichst hoher Qualität können wohl viele nachvollziehen, ich auch. Bei mir war es ein Panasonic 12-32mm Pancake Zoom auf einer MFT Kamera. Ich habe mich letztendlich nicht mit der durchschnittlichen Bildqualität zugunsten der flexiblen Brennweite im kompakten Gewand zugrieden geben können und mich für eine Pancake Festbrennweite entschieden.

    Wie immer ist Dein Bericht unterhaltsam geschrieben, macht mir Spaß. Ich habe mich nur gefragt, wann er denn endlich mal ein Bild von seiner Kamera-Objektiv-Kombi zeigt, besonders aufgrund der mutigen Farbzusammenstellung. Reichst Du da noch etwas nach? Ich würde mich freuen!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.