[Ein alter Karton Neues] Farbkasten

[Ein alter Karton Neues] Farbkasten-2

 

Foveon. Ein Zauberwort. Meine zweite Kamera aus der Kiste hat einen Foveon-Sensor. Und ist fast 10 Jahre alt. Die Polaroid X530.

Die X530 ist eine Kuriosum der Kamerageschichte. 2004, im Jahr ihrer Ankündigung, steckte Polaroid bereits seit 3 Jahren im amerikanischen Insolvenzverfahren. Welchen Anteil die alte Firma Polaroid an der X530 überhaupt hat, ist daher schwer zu sagen. Recht sicher ist dagegen, dass man die X530 in Hong Kong fertigen ließ. Und dass es dabei ein ernstes Problem mit der Qualitätssicherung gab. Die Kamera wurde mit recht großer medialer Aufmerksamkeit angekündigt – und noch vor dem Erscheinen wieder vom Markt genommen. Zu verheerend fielen die Testergebnisse aus. Eine quälend langsame, schlecht verarbeitete Kamera ohne Design und mit mäßiger Bildqualität.

Jahre vergingen, die X530 geriet in Vergessenheit. Bis 2012 plötzlich ein größerer Posten der Kameras für sehr kleines Geld fabrikneu (aber natürlich 7-8 Jahre alt) den Weg in das große Auktionshaus fand, auf welchen Wegen auch immer. Da überwog dann auch bei mir die Neugier. Die Neugier auf den Foveon.

Die große Mehrzahl der heute erhältlichen Kameras hat Sensoren nach dem Bayer-Prinzip: Über dem Sensor liegt ein Gitter aus Farbfiltern, so dass jeder Bildpunkt entweder nur rotes, grünes oder blaues Licht aufzeichnet. Die endgültigen Farben im Bild werden aus diesen Daten interpoliert. Die Farben sind also sozusagen ‚unschärfer‘ als die Helligkeiten im Bild. Foveon (heute im Besitz von Sigma) ging einen anderen Weg. Wie bei chemischem Farbfilm entstehen die Farben in 3 Schichten übereinander. Jeder Bildpunkt bringt also gleich alle drei Farbwerte mit. Farbe und Helligkeit sind identisch hoch (oder niedrig) aufgelöst. Inkonsequenterweise rechnet Foveon die so ermittelten Pixel dann allerdings wieder auf das 3-fache Bildformat hoch, um mit den Megapixelzahlen der Konkurrenz mithalten zu können. Na ja.

Die X530 war – soweit ich weiß – der einzige Versuch, die Foveon-Technik auf einem kleinen (1/1,7″) Kompaktkamerasensor unterzubringen. 1,5 Megapixel hat man da drauf bekommen. Und 4,5 Megapixel hat man behauptet und wollte man verkaufen.

Viel habe ich in den 2 Jahren mit dieser Kamera nicht gemacht. Die anfängliche Neugier war schnell befriedigt, noch schneller war der völlig überlagerte Akku hinüber (ein Schicksal, das noch viele unserer Spielzeuge in Zukunft teilen werden). Ein Sammlerstück. Nicht wegen seines Aussehens sondern wegen seiner mutigen Technik. Und seines grandiosen Scheiterns. Nun habe ich die Kamera mit einem neuen Akku wiederbelebt, eine kompatible SD-Karte gefunden (war gar nicht so einfach) und bin aufs Neue gespannt. Farbe war immer ein Thema von Polaroid. Farbe war auch das große Thema der Foveon-Technik. Farbe wird mein Ding für die nächsten drei Wochen.

[Ein alter Karton Neues] Farbkasten-1

 

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, es fehlen die Sensor-Innovationen! Der Foveon Sensor könnte es sein, wäre er ISO-technisch stärker. Der aktuelle Trend ist das Weglassen des AA-Filters und „noch-mehr“ Megapixel. Eine saubere Kombination aus vernünftigen Vollformat-Sensor (ca. 16-20 MP) mit einer sehr gut korrigierten Festbrennweite (20mm, 50mm, 85mm / f1,8) ohne CAs und mit vernünftigen Kontrasten wäre mir da viel mehr Wert als die 36MP-ohne-AA-maxi-what-ever! Der Umstieg von CMOS nach CCD war auch nicht der Brüller. Irgendwie fehle so mal der richtige (technik-)Boost am Markt. Oder?

  2. Umgekehrt, Oli. Von CCD nach CMOS. Aber ich weiss, was Du meinst. Nur sehe ich das ein bisschen anders. In meinen Augen gibt es derzeit (wieder) ein eher breites Spektrum an Technologien. Der ‚Foveon‘ ist am Markt und funktioniert. Der CCD ist am Aussterben, das stimmt. Den CMOS gibt es mit Bayer-Filter oder mit dem EXR-Konzept. Oder, wenn man das Kleingeld mitbringt auch ganz ohne Farbfilter. Weg muss man vielleicht von der Vorstellung, die mittlerweile mehrfach zweistelligem Megapixelzahlen 1:1 nutzen zu wollen. Da fehlt mir die Innovation, was man mit diesem Datenwust noch cleveres anstellen könnte. Die Dynamik erweitern, minimierte Kameras bauen (die Nokia 1020 finde ich sensationell):

    Wann baut eigentlich Ricoh keine Kamera Mittelformatsensor und einem festen 35/1.4er Objektiv davor? Das entspricht einem starken Weitwinkel an MF (Cropfaktor 0.7, somit ca 24 mm äquiv. KB), einem ‚life-is-thirtyfive-Weitwinkel‘, wenn man das Bild auf KB beschneidet, einem 50er an APS-C (CF 1,5), einem Portrait-85er wenn man bis auf den Ausschnitt eines mFT-Sensors schnippelt (CF 2). Wenn man jetzt umgekehrt sagt, dort will man noch 8 MP haben, dann bedeutet das, der Mittelformatsensor müsste im ganzen so etwa bei 50 MP liegen. Das ist etwa das, was wir heute schon haben.

    Wo stehen die KB-Sensoren gerade? 36 MP? Das wären etwa 70 MP auf Mittelformat. Damit wären wir beim mFT-Ausschnitt bereits bei 9 MP. Oder man überlegt gleich, was passiert, wenn man die Pixeldichte eines aktuellen mFT-Sensors auf MF aufbläst: Da kommen dann wenigstens 90 MP raus. Es it ja offensichtlich, dass die völlig überflüssig sind. Man könnte sie aber wunderbar in der Kamera auf ein festes MP-Maß runterrechnen und bekäme traumhafte Bilddateien mit Details bis zum Abwinken. Die dann beispelsweise mit fix 12 MP auf die Karte wandern. Ach, ich spinne halt einfach gerne rum… 😉

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.