[angedockt] Ein Doppeltest

Manchmal gehe ich ziemlich weite Wege bis zu einem (zumindest scheinbar) profanen Ergebnis. Ich kann gar nicht so richtig sagen, wie lange ich mich schon mit dem Gedanken an ein neues Teleobjektiv herumschlage. Lange. Ich … Weiterlesen →

[clixxie Retropix] Sofortbilder mit Wartezeit 

Polaroid. Der Name hat nur wenig an Klang eingebüßt. Polaroid steht für Sofortbilder wie Tempo für Papiertaschentücher. Wie schön war das damals. Bei Parties oder Feiern ging die Kamera von Hand zu Hand oder von … Weiterlesen →

[Pragfriedhof] Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich gerate gerade wieder mal ins Experimentieren. Ich schreibe diesen Artikel handschriftlich auf einem kleinen iPad pro. Ein erstaunliches Gerät. Das iPad pro hat einen hervorragenden Monitor. Einen besseren habe ich persönlich noch nie gesehen. Nicht als Tablet und nicht einmal auf einem Schreibtisch. Die Farben und die Tonwerte passen ohne Kalibrierung. Und bei jedem Licht.

Die Benutzung mit dem Pencil ist endlich so intuitiv, wie ich mir das immer schon gewünscht habe. Dank der App „Stylus“ schreibe ich meine Gedenken in fast der gleichen Weise auf, wie ich das bisher nur in einem Notizbuch konnte. Von Hand eben. In meiner unverstellten Handschrift. Einfach so. Mit der App „Tayasui Sketches“ zeichne ich fast wie auf Papier, aquarelliere, skizziere, schmiere, markiere, egal. Das alles geht zum ersten Mal fast wie „echt“, fast wie mit Stiften, Pinseln und Papier. Das hat mich auf dumme Gedanken gebracht.

Ich fotografiere nur wenig zur Zeit. Nach einem Grund dafür muss ich nicht lange suchen. Es ist keine „Sinnkrise“ oder „kreative Pause“, die mich davon abhielte, es  ist schlichtweg der Rest meines alltäglichen Lebens. Der Bauboom hat mich fest im Giff, die Familie verdient den Löwenanteil der übrigen Zeit. Das ist so und es ist gut so.

Der dumme Gedanke? Das Ding macht auch Fotos! Das iPad ist ein alltäglicher Begleiter, fast wie das iPhone. Es begleitet mich auf Baustellen, es begleitet mich in der U-Bahn, und jetzt ist es kurz vor elf und es liegt immer noch auf meinem Schoß. Klar, da spielt der Reiz des Neuen mit hinein aber das ändert wenig daran, dass man dieses Ding einfach besser finden muss als so ein mini Telefon (-display). Die Kamera des iPad nimmt Bilder in 12 MP auf. Sie verwendet ein Objektiv mit immerhin f 2.2 Lichtstärke. Die Aufnahmen sind wiedermal eine sichtbare Generation besser als bei meinem iPhone 6 .

Ja, ich weiss wie es aussieht, wenn Leute mit Tablets fotografieren. Bescheuert. Aber das ist die Aussensicht der Sache. Von „innen“ sieht es anders aus. Von „innen“ ist das iPad erst mal ein Sucher im Format der Mattscheibe einer Großformatkamera. Aber voll tageslichttauglich. Von „innen“ ist es eine Kamera mit eingebauter Entwicklung. Auf Wunsch auch im RAW-Format. Entwicklung mit einem Top-Monitor und schnellen Tools.
Ich habe begonnen, ganz bewusst auch mit dem iPad zu fotografieren. Ich werde dafür meine Kameras nicht aufgeben oder weglegen. Aber ich werde akzeptieren, dass das iPad mir neue Impulse gibt. Hier sind einige erste Bilder. Und nun könnt ihr schimpfen und öffentlich den Kopf schütteln. Ich hätte das vor kurzem noch getan.

PS: Natürlich kann das weg. Das ist der Aluminiumanteil des Daches eines Abbruchgebäudes, das ich gerade ‚wegräumen ‚ lasse um Platz für Wohnungen zu machen… 😉

[Drucken macht glücklich] Größer drucken macht glücklicher

Die letzten beiden Beiträge drehten sich nun schon um das Entstehen nur eines Bildes und dieser Text tut das auch noch mal. Ich hab es schon oft geschrieben: Bilder müssen auf Papier. In diesem Fall … Weiterlesen →

[Galaxy NX] Zurück in die Zukunft 

Da gab es mal ein Stück Kamerazukunft, das hatte keiner so recht verstanden. Das hinterließ die Testredaktionen ratlos und lag offenbar in den Regalen wie Blei. Es war radikal und irritierend und weit davon, perfekt … Weiterlesen →

[Samsung NX] Ein Abgesang

Nach allem was man in der Presse findet, hat Samsung sein NX Bajonett für spiegellose Kameras aufgegeben. Offiziell hat man sich zwar nur aus einigen (wichtigen) Märkten damit zurückgezogen, so richtig glauben will das aber … Weiterlesen →

[The big twin] Cosyspeed Streetomatic

Seit letztem Jahr benutze ich eine Cosyspeed Camslinger. Die immer noch unkonventionelle Tasche hängt wie ein Revolverholster unter der Hüfte und bietet lässig genug Platz für eine kleine spiegellose Kamera mit Zubehör. Kamera und Zubehör sind schneller griffbereit als in einem Rucksack und sind besser geschützt als etwa eine nackte Kamera am Sunsniper Gurt (den ich trotzdem auch regelmäßig verwende). Noch aus dem Urlaub an der Nordsee hatte ich letztes Jahr darüber geschrieben, warum das so ist, was diese Tasche für mich so besonders macht und was man an ihr noch verbessern könnte. Aus meiner Sicht.

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-5

So habe ich Thomas Ludwig kennengelernt. Thomas ist der Mann hinter Cosyspeed. Er hatte meinen Artikel gelesen, kommentiert, mir irgendwann mit einem verlorenen Teil der Tasche aus der Patsche geholfen und mir nun angeboten, seine neueste Tasche auszuprobieren. Was mich alles sehr freut! Das hier ist also kein ‚gear acquisition syndrome‘-Artikel, denn ich habe nichts gekauft. Die Tasche war geliehen.

‚Speedomatic‘ heißt die neue Tasche und richtet sich ganz bewusst an die nächst größere Kameragattung: Spiegellose mit elektronischem Sucher, kleine Spiegelreflexkameras oder eine der guten neuen Bridgekameras, die es nun wieder gibt. Meine ältere Camslinger konnte man mit dem eigenwilligen und einzigartigen, rundumlaufenden Klettsystem auch für diese Kameras passend ‚dick‘ machen, die Streetomatic ist es ganz ohne diese Verstellmöglichkeiten. Dünn ‚kann‘ sie also nicht: sie bleibt immer der ‚dicke Zwilling‘.

Die neue, unveränderliche Größe hat Vor- und Nachteile: Klar, die Tasche ist größer und sie ist sogar leichter. Aber leider ist sie eben auch größer und leichter. 😉 Ernsthaft: Das Ding ist so riesig, dass man problemlos selbst eine 2-äugige 6×6 mit Zubehör hineinbekäme. Das möchte ich dann aber nicht mehr an der Hüfte tragen. Und leer ist sie so leicht, dass – zumindest gefühlt – ein Stück der Robustheit eingebüßt wurde. Ob das sich tatsächlich negativ auswirkt, müsste man über eine längere Zeit testen. Tatsache ist, dass man bei Cosyspeed natürlich auch in dieser Tasche steife Zwischenlagen zwischen Futter und Obermaterial nähen lässt. Vermutlich also wirklich nur Gefühlssache.

Wo wir beim Fühlen sind: Das neue Obermaterial und das Futter fühlen sich sehr sehr angenehm an, der Deckel wird von 2 sehr weichen und anschmiegsamen Seitenklappen eingefasst, die sich beim Schließen der Tasche widerstandslos über die Kamera falten. Seitlich an der Tasche befinden sich nun jeweils zusätzlich Außentaschen. In die eine passt ein Smartphone, in die andere zum Beispiel Filter, Akkus und Speicherkarten. Die Tasche ist in Blau oder Khaki zu haben, in diesen Farben wird sie zum Retrolook vieler aktueller Kameras passen. ‚Mein‘ Exemplar war schwarz. Es handelt sich dabei um eine Sonderserie, die den Namen von Thomas Leuthard trägt. Der schweizer Straßenfotograf hat Wert darauf gelegt, auch alle grünen Cosyspeed-Etiketten wegzulassen um die Tasche unauffälliger zu machen. Ich persönlich finde das schade. Für mich gehören diese dezenten Markierungen zum optischen Erscheinungsbild der Marke. Mehr sogar, als das aufgestickte Logo.

Und es gibt noch etwas, das für mich zum Markenkern von Cosyspeed gehört: der unkonventionelle ‚Zug-Druck-Knopf‘ des ersten Modells. Ihn gibt es bei der Streetomatic leider nicht mehr. Stattdessen findet sich dort – auch Retro – eine Schnalle wie vor 40 Jahren an meinem Schulranzen. Sie ist sehr praktisch, ohne Zweifel. Aber im Vorserienmodell klapperte sie hörbar beim Gehen. Thomas hat mir auf Nachfrage versichert, dass das Klappern bei der Auslieferung der Tasche im Januar behoben sein wird.

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-3

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-1


Die ‚Streetomatic‘ ist ein Indiegogo-projekt, das noch wenige Tage (bis 15. Oktober) läuft. Der Grundpreis beträgt dort nur 55,- EUR (blau / khaki). Später wird sie dann ’normal‘ vertrieben und wird knapp 70,- EUR kosten. Die Thomas Leuthard-Version ist 10,- EUR teurer. Dieser Mehrpreis fließt aber komplett in ein Straßenkinderprojekt in Burundi. Super! Die Tasche kommt natürlich mit einigen Klett-Trennwänden zur inneren Organisation, mit der typischen ‚Fingerschlaufe‘ von Cosyspeed, mit der man die Kamera besonders leicht und sicher aus der Tasche angeln kann und mit einem Regencover nach Duschhaubenprizip, das wohl am ehesten für wirklich heftigen Regen gedacht sein wird. An den Inhalt der Tasche kommt man dann allerdingss nicht mehr ran. Die Preise machen klar, dass die Tasche nicht zuletzt auch als preiswerterer Einstieg gedacht ist. Meine ’normale‘ Camslinger 160 kostet aktuell knapp 90 EUR.

Mein Fazit: Die ‚Streetomatic‘ kommt mit Außentaschen, Farbgebung, Material und Details (Schnalle) insgesamt deutlich ‚traditioneller‘ daher als die älteren Cosyspeed-Modelle. Mir persönlich gefällt das funktionelle, moderne Design der ‚Camslinger‘ aber immer noch besser. Der neue ‚dicke Zwilling‘ ( 😉 ) bietet dafür zu einem deutlich niedrigen Preis einen tollen Gegenwert und ohne Einschränkung den gleichen Tragekomfort! Wenn man die Tasche als Slingtasche verwendet (eine Gurtverlängerung gibt es dazu inzwischen auch zu kaufen), kann ich mir gut vorstellen, dass der leichte Retrostil sogar unauffälliger und modischer wirkt. Die Größe der Tasche sehe ich ein wenig kritisch. Klar, es passt viel rein. Wenn man aber nur eine kleine Kamera transportieren will, ist die Tasche aber eindeutig zu groß. Und wenn man die Größe ausnutzt, wäre sie mir wohl zu schwer: Meine Experimente, die K-5 an der Hüfte zu tragen habe ich jedenfalls wieder eingestellt. Ich schätze, für eine FZ1000, eine Fuji X T10, Olympus OM-D oder Sony A7 wäre die Tasche wohl perfekt. Alles was leichter als eine K-5 aber größer als eine NX 300 ist 😉

[Below the waste] Was sich zu lesen lohnt

Ja, es gibt mich noch und ja, ich beschäftige mich täglich mit Fotografie. Dass ich seit einiger Zeit nur sporadisch poste, hat eine Vielzahl von Gründen. Manche lachen mich schon beim Frühstück an, manche sind … Weiterlesen →

[Samsung 16-50 mm Power Zoom ED OIS] Klein sein ist (nicht) alles

Ich bin ein ‚Opfer‘ des fortschreitenden Drangs zur Miniaturisierung. Manche Leute kaufen sich immer leichtere Bauteile für’s Fahrrad und ich erliege den Verlockungen eines (gerade mal) 1 cm kürzeren Objektivs. Ich habe mir das NX 16-50 PZ ED OIS besorgt. Mich lockt einfach das noch-weniger-dabei-haben, der Stabi, die 16mm ohne Objektivwechsel und der 43er Filterdurchmesser. Der Achromat von Raynox passt da genau drauf, ohne das Plastikklemmdings. Alles schön klein. Kann man immer dabei haben.

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-6-2
Schlingnatter in der Trockenmauer. Das NX 16-50 PZ ED OIS an der Nahgrenze.

Mit dem ‚alten‘ NX 20-50 mm und dem NX 2.4/16 mm habe ich den Brennweitenbereich eigentlich bereits abgedeckt. Und schlimmer noch: Das ‚alte‘ Zoom und die Festbrennweite können gemeinsam eigentlich fast alles besser als das neue Objektiv. Aber das PZ macht halt eine Kompaktkamera aus der NX, erlaubt das Zoomen beim Filmen, hat einen Stabi und feilt somit am ‚rundum-sorglos-Paket‘, das die Kamera ohnehin schon ist. Ich hatte lange mit mir gerungen, stattdessen dem Drang zum NX 1.8/45 mm nachzugeben. Aber da kann ich letztlich auch Altglas adaptieren (Nikon- und Pentax-Adapter habe ich sowieso schon) und Freude am ‚analogen‘ Bildeindruck haben, den solche Kombinationen erzeugen.

Wenn man bei Samsung preiswert kaufen möchte, greift man zu ‚entbundelten‘ Objektiven. Das neue Zoom kam also in einem weißen schmucklosen Karton und etwas Bläschenfolie zu mir. Das war klar und nicht schlimm. Nur fand ich es an der Kamera auch gar nicht mal so richtig toll. Es fühlt sich zwar deutlich hochwertiger an als das NX 20-50. Trotzdem vermittelte es mir schon vom ersten Tag an das Gefühl, dass ich für das Geld schon spannendere Sachen gekauft hab. Aber das war erst der Anfang: Das Objektiv war deutlich dezentriert!

Gekauft habe ich online. Der Austausch des Objektivs war überhaupt kein Problem. Nummer zwei hatte allerdings eine exakt identische Dezentrierung, nur die Ausprägung war etwas geringer. Links oben waren beide flau, unscharf und kontrastarm, die anderen Ecken waren gut. Der Händler Foto Mundus (der logischerweise für die Qualitätsmängel nichts kann) entwickelte sich daraufhin zu einer echten Empfehlung: Der Kontakt per E-Mail funktionierte sehr schnell, sehr freundlich und sehr kundenorientiert: Ohne Murren wurde auch das zweite NX 16-50 mm umgetauscht. Nun (auf meine Anregung, um einen Chargenfehler auszuschließen) sogar gegen ein weiß-silbernes, das bei Foto Mundus eigentlich zum fast doppelten Preis in der Liste steht. Dieses dritte Objektiv ‚passt‘ jetzt. Also: Foto-Mundus hat das jedenfalls gut gemacht. Kann ich empfehlen.

[G.A.S.] NX 16-50 PZ ED OIS-2

Das weiße 16-50 passt optisch überraschend gut zum braunen Gehäuse meiner NX 300. Der Zoom- und Fokusring ist silbern, der ausfahrende Teil des Tubus ist silbern, das Weiß ist eher perlmutt, insgesamt wirkt das selbstverständlicher als man denkt. Ich habe das Objektiv gekauft um möglichst klein zu werden. Das ist gelungen. Aber ich mag den Fly-by-wire-Zoom nicht. Das fühlt sich einfach besch … eiden an. Das Objektiv ist gut. Es ist praktisch. Es kann das, was ich wollte. Es ersetzt mir mit dem aufgeschraubten Raynox 150 gleich noch ein Makro. Es macht ein ungeheuer schlankes Kameratäschchen. Es entlockt den Umstehenden ein interessiertes ‚Ohh?!‘. Aber es bedient sich zum Abgewöhnen. Null Sex-Appeal. Synthetisch.

Der Zoom arbeitet über eine Tastenwippe am Objektiv und über den Objektivring. Die Tasten sind für mein Empfinden aber an der falschen Stelle. Weder bei der klassischen Kamerahaltung (linke Hand am Objektiv) noch bei dem Gebrauch der Kamera ‚vor dem Bauch‘ lassen sich die Tasten intuitiv bedienen. Also muss man sich mit dem Objektivring behelfen. Der allerdings, verleitet durch sein zögerliches Ansprechen dazu, immer entweder mit 16 oder mit 50 mm zu fotografieren. So gut diese Ringe in Verbindung mit der iFn-Funktion arbeiten, so unerträglich finde ich sie beim Zoomen oder Fokussieren.

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-2-16
16 mm

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-2-50
50 mm

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-1-16
16 mm

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-1-50
50 mm

4 Testbilder bei gutem Licht. Viel besser wird’s nicht. Alles per Lightroom aus dem RAW und in voller Größe (bei flickr) 😉

Die Abbildungsleistung des Objektivs würde ich nach den ersten Wochen Testphase mit ’schwankend‘ umschreiben. Manchmal macht das Ding Bilder, die in nichts dem ausgezeichneten NX 20-50 nachstehen. Manchmal sind die Bilder aber auch merkwürdig unscharf. ‚Weich‘ wäre dabei gar nicht mal die beste Umschreibung, denn die nicht deaktivierbare (!) aber dennoch offensichtliche Korrektur, die dem Objektiv selbst im RAW (über Lightroom) zuteil wird, zerstört eine eventuell vorhandene natürliche Weichheit. Es ist schwer zu beschreiben. Am Monitor in 1:1-Darstellung sieht die diese gelegentliche Unschärfe nicht gut aus. Im Druck ist sie eher irrelevant: Da ist es wieder, das Kompaktkameragefühl.

[GAS] NX 16-50 PZ ED OIS-0437_cr
Typisches unscharfes Bild (Ausschnitt 1:1) trotz 1/80 Sekunden Belichtungszeit und Stabi

Warum das Objektiv mal besser und mal schlechter abbildet? Ich nehme fast an, dass der Stabilisator da irgendwie eine Rolle spielt, denn eine direkte Beziehung zur Blende oder zur Brennweite habe ich noch nicht gefunden. Ist also nur eine Vermutung.

Mein Fazit? Ja, ich werde das Objektiv behalten und verwenden. Es wird vermutlich sogar mein ‚Standard‘ auf dieser Kamera. Es erweist sich aber auf’s Neue, dass die NX besonders dann Spaß macht, wenn sie ein altes adaptiertes Glas vor dem Sensor trägt. Das NX 16-50 PZ ED OIS ist ein Objektiv für alle Fälle. Wenn es schnell gehen muss oder wenn es nicht so wichtig ist. Es liefert manchmal eine sehr gute Bildqualität und manchmal eine, die nur ‚in Ordnung‘ ist. Die Bedienung ist synthetisch, der Bildeindruck ist es gelegentlich auch. Vielleicht ist das kein Wunder, angesichts der Miniaturisierung. Dieses Objektiv macht einen jedenfalls nicht zu einem besseren Fotografen. Jedes 20,- EUR-Altglas am Adapter führt zu mehr Bewusstheit und Achtsamkeit beim Fotografieren.

[iPhone 6] Hydra und Cortex – Wege zum besseren Bild?

Das iPhone 6 hat eine gute Kamera. Nicht atemberaubend aber gut. Wie schon immer bei Apple sind die Bilder von einer narbigen Körnigkeit, die nicht unangenehm ist. Eine Art von digitalem Korn, wenn man es gut meint. Die Kamera ist bei allem Lob, mit dem das iPhone gerne überschüttet wird, alles andere perfekt. Selbst bei den ISO 32, die die Kamera-App so oft als möglich verwendet. Sie bleibt eine Smartphone-Kamera.

Verschiedene Apps versprechen dennoch Abhilfe gegen das Korn. Und sie versprechen noch mehr. Nicht nur besser sollen die Bilder werden (besonders im Dunkeln), sie sollen auch noch höher auflösen. Sagenhafte 32 Megapixel spuckt die App ‚Hydra‘ aus, immerhin 12 sind es bei ‚Cortex Camera‘. Wie geht das?

Beide Apps nutzen Mehrfachbelichtungen. So um die 10 sind es bei bei ‚Cortex Camera‘, bei ‚Hydra‘ sind es auch mal 40 Aufnahmen und mehr, die zu einer Bilddatei zusammengerechnet werden. Die Ergebnisse sind teilweise verblüffend. Teilweise.

‚Hydra‘ ist eine sehr junge App. Der Versionszähler steht erst bei 1.1.1. ‚Hydra‘ bietet diverse Einstellungen an. Neben einigen HDR-Funktionen und einer Zoomfunktion, die ich mangels Interesse nur oberflächlich getestet habe, gibt es einen Modus für ‚LoLight‘ und einen für ‚HiRes‘. ‚LoLight‘ bietet Auflösungen von 3, 8 und 12 Megapixel, bei ‚HiRes‘ geht es mit 12, 16 und 32 Megapixeln weiter. Die Bildverarbeitung der beiden Modi unterscheidet sich spürbar voneinander.

‚LoLight‘ in der App ‚Hydra‘ liefert tendenziell etwas weichere Ergebnisse, weitgehend ohne Störungen und Artefakte. In diesem Modus soll die Kamera während der Aufnahme möglichst ruhig gehalten werden, idealerweise auf einem Stativ. Bewegte Motive führen zu dezenten Geisterbildern, in diesen Bereichen scheint die erste Teilaufnahme verwendet zu werden, um das Geschehen einzufrieren. Die Unschärfe wird aus weichgezeichneten Resten der weiteren Aufnahmen erzeugt, ähnlich wie bei ‚Slow Shutter Cam‘ (der App mit der ich meine ‚Lichtpfützen und Schattenseen‘ fotografiert hatte).  Der Bildeindruck ähnelt außerdem entfernt einer Aufnahme mit Blitz auf den ersten Verschlussvorhang: Ein vorbeifahrendes Auto ’schiebt‘ sozusagen einen Bewegungsschweif vor sich her. Der Effekt ist zwar nicht sehr ausgeprägt aber meist sehr unerwünscht. Oft möchte man Bewegung genau umgekehrt darstellen. Mit gezogenem Schweif. Im Gegensatz zu ‚Slow Shutter Cam‘ kann man das bei ‚Hydra‘ aber nicht beeinflussen.

1:1 Ausschnitt aus einem auf 200% (32 MP) extrapolierten Bild aus dem iPhone 6 vs. Hydra HiRes 32 MP

‚HiRes‘ geht anders zu Werke. Dort sind die Aufnahmen verblüffend scharf und detailreich, obwohl man die Kamera bei einer Gesamtbelichtungszeit von mehreren Sekunden unmöglich ruhig halten kann und das ausdrücklich auch gar nicht soll (auch ein Stativ ist unerwünscht). Die Aufnahmen sind scharf. Oder sie sind völlig wertlos: Sobald sich etwas im Bild bewegt hinterlässt das in den Aufnahmen Artefakte in Form von auffälligen Punktrastern. Ein Bild mit solchen Artefakten ist mit vernünftigem Aufwand nicht zu retten. ‚Hydra‘ ‚HiRes‘ ist also etwas für Architektur ohne Menschen, Landschaften ohne Wind oder einfach für Stillleben aller Art. Im täglichen Gebrauch eine recht drastische Einschränkung. Ich habe es praktisch nie (!) geschafft, im ‚echten Leben‘ ein hochauflösendes Bild mit der App zu fotografieren, das überall frei von Artefakten wäre.

1zu1 Ausschnitt aus 32MP

Artefakte an bewegten Bildteilen (1:1 aus 32 MP)

Und gleichzeitig ist es so, dass ein gelungenes Bild / ein gelungener Bildteil mit ‚Hydra‘ verblüfft. Spätestens wenn man eine 32 MP-Aufnahme am heimischen Rechner wieder auf 8 bis 12 MP herunterrechnet,stellt man fest dass von der groben Struktur eines iPhone-Bildes nichts mehr zu sehen ist. Kanten erscheinen nicht mehr fransig, Flächen nicht mehr flach. Das Bild gewinnt deutlich an Plastizität, Detail und Auflösung.

1:1 Bildausschnitte bei gutem Licht

Die zweite App ist ‚Cortex Camera‘. Sie ist schon deutlich länger auf dem Markt und richtet sich vorranging an den Gebrauch bei schlechtem Licht. Trotzdem gibt sie die Bilder nicht mit den physikalisch vorhandenen 8 Megapixeln sondern mit 12 MP aus. Wahlweise auch ohne jpg-Kompression als PNG. Der Bildeindruck gleicht eher dem der ‚LoLight‘-Funktion von ‚Hydra‘, gruselige Artefakte muss man also nicht fürchten. Auch die Bewegungsunschärfe beherrscht ‚Cortex Camera‘ besser und ist damit sehr alltagstauglich. Details gewinnt sie vor allem bei schlechtem Licht. So wie es ja auch beschrieben wird. Dann ist sie in meinen Augen auch ‚Hydra‘ deutlich überlegen.

Beide Apps sind etwas für die ruhigen Momente des Lebens. Bewegte Motive sind ihnen fremd. Trotzdem sind sie – mindestens bei schlechtem Licht – in der einen oder anderen Situation sehr hilfreich und helfen dabei, Bilder mit dem Handy einzusammeln, für die man eigentlich gerne eine bessere Kamera dabei hätte. Sie schieben wieder ein wenig an den Grenzen, die das iPhone setzt. Und das machen sie gut. Wenn man weiß, was sie nicht können: Bilder mit 32 Megapixeln aufnehmen zum Beispiel.

1:1 Bildausschnitte bei Dunkelheit

Mein Fazit: ‚Hydra‘ will viel. Eine spannende App mit großem Potenzial. Im Moment ist es eine App für Experimentierfreudige. Auf die Ergebnisse im Modus ‚HiRes‘ kann man sich nicht verlassen. Fast alle Bilder haben kleine Partien mit üblen Artefakten. ‚LoLight‘ ist besser. Leider nicht besser als ‚Cortex Camera‘. ‚Cortex Camera‘ ist nämlich eine einfache, reife App für die dunklen Momente im Leben mit einem iPhone. Die kann was.