[Taschenspieler] Kein Kummer, ausser mit Hummer

Ein Reisebericht, ein Taschentest, eine Lebensmittelallergie.

Wir waren also in den USA. Und wie immer, stand am Anfang die Frage, welche Kameras, welche Objektive und welches Zubehör mit auf diese Reise dürfen. Ich hatte allerlei halbgare Ideen im Kopf, was ich dort wohl fotografisch alles machen wollte (am Ende – das hab ich schon angedeutet – ist das Gefühl geblieben, vieles nicht gemacht zu haben und gleichzeitig habe ich 3000 Fotos auf den Karten). Mit im Gepäck hatte ich eine Camslinger ‚Streetomatic +‘ von Cosyspeed. Und natürlich gibt es einen Grund dafür, dass ich schon wieder über eine Tasche von Thomas berichten kann:

Seit Juni gehe ich nicht mehr zu Fuß zur Arbeit, jetzt fahre ich. Mit dem E-Bike. Sehr schnell bin ich auf die Idee gekommen, für den täglichen Kleinkram einfach meine alte Camslinger 160 zu verwenden. Schlüssel, Geldbeutel, Brille, Smartphone und das Bedienteil vom Bike, passt locker alles rein und belastet beim Fahren null. Nichts rutscht auf dem Rücken hoch, nichts schlenkert oder zerrt an der Schulter. Die einzige Merkwürdigkeit besteht darin, dass man Räder und Pferde schon immer von links besteigt. Deswegen muss auch die Tasche nach links, sonst stört sie. Damit ist die Gürtelschnalle dann hinten. Damit kann ich leben, man spürt es kaum. Als ich Thomas Ludwig davon erzählt habe, hat er mir direkt die ‚Streetomatic +‘ zum Test angeboten*. Long Story short: Statt über das Pendeln mit dem Rad wurde das hier nun ein Test als Tasche für die Reisefotografie, für die Stadt, für die Wanderung, für den Strand!

Also zurück zur Amerikareise.  Mein Bordgepäck im Flieger war mein alter Kamerarucksack mit der Pentax DSLR, drei Objektiven, der Samsung DSLM und Akkus, Ladegeräten, Kabeln, Karten, einem Tablet, dem Skizzenbuch und natürlich dem notwendigen Dokumentenkrempel für die ganze Familie. Ich hab mich also echt auf das Nötigste beschränkt. So etwa. Na ja. 🙂 Den Rucksack habe ich auch unterwegs verwendet. Immer wenn ich mich nicht entscheiden konnte, welche Kamera heute richtig wäre. In diesem Satz versteckt sich auch die Crux mit Rucksäcken und Messengerbags: Man drückt sich um Entscheidungen herum. Entschieden relaxter war ich also mit der ‚Streetomatic +‘ auf der Hüfte. Sie macht mich in jeder Hinsicht leicht.

Cape May ist nicht unbedingt eines der Ziele, die Amerikareisende automatisch auf dem Zettel haben. Unser ganzer Aufenthalt in den USA war aber darauf gemünzt, das etwas alltäglichere Amerika zu erleben. Amerikanische Ziele, sozusagen. Das viktorianisch anmutende Städtchen markiert den südlichsten Zipfel von New Jersey. Es war von Anfang an vor allem ein Urlaubsort für wohlhabende Bürger aus New York und Philadelphia und auch heute lebt die 4000-Seelen-Gemeinde vorrangig vom Tourismus. Der dünengesäumte und mit Weltkriegsbunkern gespickte Strand erinnerte mich sehr an Sylt, das Niveau der vor den Häusern geparkten Autos auch. Nur heißer ist es in Cape May und die Architektur strahlt Leichtigkeit und Lässigkeit aus, wo Sylt eher trutzig und gesetzt daher kommt. Trotzdem: Gerade die kleine Fußgängerzone (Washington Street) könnte man mitsamt den klassischen Zuckersachenläden auch mit einem friesischen Städtchen verwechseln. Es ist schön dort. Sehr sogar. Und es gibt leckere Hummersandwiches, speziell bei „Quincy’s Original Lobster Rolls“ . Dass Hummer irgendwie mit Hausstaubmilben verwand sind, hab ich erst später gelesen. Kreuzallergie. Immerhin hat mir diese Erkenntnis auch einen Einblick in das amerikanische Gesundheitswesen verschafft. Ich weiss jetzt, wie eine „Urgent Care“ von innen aussieht (wie im Film) und funktioniert (auch wie im Film). Und am Ende des Tages hatte Dr. Cramer meinen Kreislauf auch wieder im Griff, es hörte auf am ganzen Körper zu jucken und die Blasen und Flecken auf der Haut gingen auch wieder weg. 😀











Cape May, New Jersey. Der älteste Badeort der Nation.

Vor dem Hummerkummer war noch genug Zeit um zu fotografieren. In einer heißen Stadt macht ein Rucksack keinen Spaß. Trotzdem sollte (nicht nur in Cape May) oft meine universellste Kamerakombi mit. Und es ist tatsächlich überhaupt kein Problem, die DSLR mit angesetztem Sigma 18-300 in der der ‚Streetomatic +‘ zu verstauen! Plus Ersatzakku und SD-Karte. Plus Smartphone. Plus Geld und Kreditkarten. Das Paket ist dann nicht mehr leicht, lässt sich aber selbst an langen Tagen immer noch leicht tragen. Weil es nicht an der Schulter um am Rücken zerrt. Noch viel lockerer wird es, wenn nur die Spiegellose dran (und drin) ist. Wie das dann ‚von außen‘ aussieht, kann man auf den Bildern sehen, die unsere Freunde oder meine Kinder von mir gemacht haben: In meinen Augen sieht die Tasche aus veganem Leder (formerly known as ‚Kunstleder‘) einfach im besten Sinne unauffällig aus. Und zwar unabhängig davon, ob man jetzt durch New York schlendert oder in Turnschuhen zwischen Boulderfelsen herumklettert. Ich bin ein großer Fan des Magnetverschlusses mit dem Sicherungsgummi. Der kommt fast an den (für mich unerreichten) Verschluss der originalen Camslinger 105 und 160 heran. Und beim Sicherheitscheck (den es in den USA selbst in Bibliotheken und Museen gibt) verzweifeln die Sicherheitsleute daran. Das lässt hoffen, was Taschendiebe angeht.

Und so schafft die Tasche das wichtigste: Dass man den Kopf nicht bei der Technik und nicht mal bei seinen ’sieben Sachen‘ haben muss. Dass man spontan und mobil bleibt. Ein Griff und die Kamera ist da. Und genau so schnell sind die Hände auch wieder frei. So schlederten wir nicht nur durch Cape May. Auch in Washington war es brütend heiss. Ein Kopf der nicht bei der Technik ist (und dem die Hitze zusetzt), kann natürlich auch mal auf leicht unbeholfene Ideen verfallen, wie man zum Beispiel eine partielle Sonnenfinsternis fotografieren könnte. Macht aber nix, wenn dank der schnellen Tasche später die Kamera sofort zur Hand ist, sobald die Natur einem freiwillig mit einer dekorativen Wolke zum gewünschten Foto verhilft. 😉

Die Tasche ist sozusagen das edelste Stück bei Cosyspeed. 129,- EUR sind schon ein Wort. Dafür kommt aber mit der Tasche auch noch das auch komplette Zubehör, bestehend aus der Regenhaube, der Gurtverlängerung (mit der man die Tasche auf der Schulter tragen kann), der Fingerschlaufe und natürlich den 4 Abteiltrennern, um die Tasche so einzurichten, wie man es gerade braucht. Zum Beispiel wenn man nicht mehr reist. Sondern wieder E-Bike fährt. Zur Arbeit :-D.

*Die Tasche für diesen Bericht wurde mir von Cosyspeed kostenlos zur Verfügung gestellt.

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[Pragfriedhof] Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich gerate gerade wieder mal ins Experimentieren. Ich schreibe diesen Artikel handschriftlich auf einem kleinen iPad pro. Ein erstaunliches Gerät. Das iPad pro hat einen hervorragenden Monitor. Einen besseren habe ich persönlich noch nie gesehen. Nicht als Tablet und nicht einmal auf einem Schreibtisch. Die Farben und die Tonwerte passen ohne Kalibrierung. Und bei jedem Licht.

Die Benutzung mit dem Pencil ist endlich so intuitiv, wie ich mir das immer schon gewünscht habe. Dank der App „Stylus“ schreibe ich meine Gedenken in fast der gleichen Weise auf, wie ich das bisher nur in einem Notizbuch konnte. Von Hand eben. In meiner unverstellten Handschrift. Einfach so. Mit der App „Tayasui Sketches“ zeichne ich fast wie auf Papier, aquarelliere, skizziere, schmiere, markiere, egal. Das alles geht zum ersten Mal fast wie „echt“, fast wie mit Stiften, Pinseln und Papier. Das hat mich auf dumme Gedanken gebracht.

Ich fotografiere nur wenig zur Zeit. Nach einem Grund dafür muss ich nicht lange suchen. Es ist keine „Sinnkrise“ oder „kreative Pause“, die mich davon abhielte, es  ist schlichtweg der Rest meines alltäglichen Lebens. Der Bauboom hat mich fest im Giff, die Familie verdient den Löwenanteil der übrigen Zeit. Das ist so und es ist gut so.

Der dumme Gedanke? Das Ding macht auch Fotos! Das iPad ist ein alltäglicher Begleiter, fast wie das iPhone. Es begleitet mich auf Baustellen, es begleitet mich in der U-Bahn, und jetzt ist es kurz vor elf und es liegt immer noch auf meinem Schoß. Klar, da spielt der Reiz des Neuen mit hinein aber das ändert wenig daran, dass man dieses Ding einfach besser finden muss als so ein mini Telefon (-display). Die Kamera des iPad nimmt Bilder in 12 MP auf. Sie verwendet ein Objektiv mit immerhin f 2.2 Lichtstärke. Die Aufnahmen sind wiedermal eine sichtbare Generation besser als bei meinem iPhone 6 .

Ja, ich weiss wie es aussieht, wenn Leute mit Tablets fotografieren. Bescheuert. Aber das ist die Aussensicht der Sache. Von „innen“ sieht es anders aus. Von „innen“ ist das iPad erst mal ein Sucher im Format der Mattscheibe einer Großformatkamera. Aber voll tageslichttauglich. Von „innen“ ist es eine Kamera mit eingebauter Entwicklung. Auf Wunsch auch im RAW-Format. Entwicklung mit einem Top-Monitor und schnellen Tools.
Ich habe begonnen, ganz bewusst auch mit dem iPad zu fotografieren. Ich werde dafür meine Kameras nicht aufgeben oder weglegen. Aber ich werde akzeptieren, dass das iPad mir neue Impulse gibt. Hier sind einige erste Bilder. Und nun könnt ihr schimpfen und öffentlich den Kopf schütteln. Ich hätte das vor kurzem noch getan.

PS: Natürlich kann das weg. Das ist der Aluminiumanteil des Daches eines Abbruchgebäudes, das ich gerade ‚wegräumen ‚ lasse um Platz für Wohnungen zu machen… 😉

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[The big twin] Cosyspeed Streetomatic

Seit letztem Jahr benutze ich eine Cosyspeed Camslinger. Die immer noch unkonventionelle Tasche hängt wie ein Revolverholster unter der Hüfte und bietet lässig genug Platz für eine kleine spiegellose Kamera mit Zubehör. Kamera und Zubehör sind schneller griffbereit als in einem Rucksack und sind besser geschützt als etwa eine nackte Kamera am Sunsniper Gurt (den ich trotzdem auch regelmäßig verwende). Noch aus dem Urlaub an der Nordsee hatte ich letztes Jahr darüber geschrieben, warum das so ist, was diese Tasche für mich so besonders macht und was man an ihr noch verbessern könnte. Aus meiner Sicht.

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-5

So habe ich Thomas Ludwig kennengelernt. Thomas ist der Mann hinter Cosyspeed. Er hatte meinen Artikel gelesen, kommentiert, mir irgendwann mit einem verlorenen Teil der Tasche aus der Patsche geholfen und mir nun angeboten, seine neueste Tasche auszuprobieren. Was mich alles sehr freut! Das hier ist also kein ‚gear acquisition syndrome‘-Artikel, denn ich habe nichts gekauft. Die Tasche war geliehen.

‚Speedomatic‘ heißt die neue Tasche und richtet sich ganz bewusst an die nächst größere Kameragattung: Spiegellose mit elektronischem Sucher, kleine Spiegelreflexkameras oder eine der guten neuen Bridgekameras, die es nun wieder gibt. Meine ältere Camslinger konnte man mit dem eigenwilligen und einzigartigen, rundumlaufenden Klettsystem auch für diese Kameras passend ‚dick‘ machen, die Streetomatic ist es ganz ohne diese Verstellmöglichkeiten. Dünn ‚kann‘ sie also nicht: sie bleibt immer der ‚dicke Zwilling‘.

Die neue, unveränderliche Größe hat Vor- und Nachteile: Klar, die Tasche ist größer und sie ist sogar leichter. Aber leider ist sie eben auch größer und leichter. 😉 Ernsthaft: Das Ding ist so riesig, dass man problemlos selbst eine 2-äugige 6×6 mit Zubehör hineinbekäme. Das möchte ich dann aber nicht mehr an der Hüfte tragen. Und leer ist sie so leicht, dass – zumindest gefühlt – ein Stück der Robustheit eingebüßt wurde. Ob das sich tatsächlich negativ auswirkt, müsste man über eine längere Zeit testen. Tatsache ist, dass man bei Cosyspeed natürlich auch in dieser Tasche steife Zwischenlagen zwischen Futter und Obermaterial nähen lässt. Vermutlich also wirklich nur Gefühlssache.

Wo wir beim Fühlen sind: Das neue Obermaterial und das Futter fühlen sich sehr sehr angenehm an, der Deckel wird von 2 sehr weichen und anschmiegsamen Seitenklappen eingefasst, die sich beim Schließen der Tasche widerstandslos über die Kamera falten. Seitlich an der Tasche befinden sich nun jeweils zusätzlich Außentaschen. In die eine passt ein Smartphone, in die andere zum Beispiel Filter, Akkus und Speicherkarten. Die Tasche ist in Blau oder Khaki zu haben, in diesen Farben wird sie zum Retrolook vieler aktueller Kameras passen. ‚Mein‘ Exemplar war schwarz. Es handelt sich dabei um eine Sonderserie, die den Namen von Thomas Leuthard trägt. Der schweizer Straßenfotograf hat Wert darauf gelegt, auch alle grünen Cosyspeed-Etiketten wegzulassen um die Tasche unauffälliger zu machen. Ich persönlich finde das schade. Für mich gehören diese dezenten Markierungen zum optischen Erscheinungsbild der Marke. Mehr sogar, als das aufgestickte Logo.

Und es gibt noch etwas, das für mich zum Markenkern von Cosyspeed gehört: der unkonventionelle ‚Zug-Druck-Knopf‘ des ersten Modells. Ihn gibt es bei der Streetomatic leider nicht mehr. Stattdessen findet sich dort – auch Retro – eine Schnalle wie vor 40 Jahren an meinem Schulranzen. Sie ist sehr praktisch, ohne Zweifel. Aber im Vorserienmodell klapperte sie hörbar beim Gehen. Thomas hat mir auf Nachfrage versichert, dass das Klappern bei der Auslieferung der Tasche im Januar behoben sein wird.

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-3

[Cosyspeed Streetomatic] Big Twin-1


Die ‚Streetomatic‘ ist ein Indiegogo-projekt, das noch wenige Tage (bis 15. Oktober) läuft. Der Grundpreis beträgt dort nur 55,- EUR (blau / khaki). Später wird sie dann ’normal‘ vertrieben und wird knapp 70,- EUR kosten. Die Thomas Leuthard-Version ist 10,- EUR teurer. Dieser Mehrpreis fließt aber komplett in ein Straßenkinderprojekt in Burundi. Super! Die Tasche kommt natürlich mit einigen Klett-Trennwänden zur inneren Organisation, mit der typischen ‚Fingerschlaufe‘ von Cosyspeed, mit der man die Kamera besonders leicht und sicher aus der Tasche angeln kann und mit einem Regencover nach Duschhaubenprizip, das wohl am ehesten für wirklich heftigen Regen gedacht sein wird. An den Inhalt der Tasche kommt man dann allerdingss nicht mehr ran. Die Preise machen klar, dass die Tasche nicht zuletzt auch als preiswerterer Einstieg gedacht ist. Meine ’normale‘ Camslinger 160 kostet aktuell knapp 90 EUR.

Mein Fazit: Die ‚Streetomatic‘ kommt mit Außentaschen, Farbgebung, Material und Details (Schnalle) insgesamt deutlich ‚traditioneller‘ daher als die älteren Cosyspeed-Modelle. Mir persönlich gefällt das funktionelle, moderne Design der ‚Camslinger‘ aber immer noch besser. Der neue ‚dicke Zwilling‘ ( 😉 ) bietet dafür zu einem deutlich niedrigen Preis einen tollen Gegenwert und ohne Einschränkung den gleichen Tragekomfort! Wenn man die Tasche als Slingtasche verwendet (eine Gurtverlängerung gibt es dazu inzwischen auch zu kaufen), kann ich mir gut vorstellen, dass der leichte Retrostil sogar unauffälliger und modischer wirkt. Die Größe der Tasche sehe ich ein wenig kritisch. Klar, es passt viel rein. Wenn man aber nur eine kleine Kamera transportieren will, ist die Tasche aber eindeutig zu groß. Und wenn man die Größe ausnutzt, wäre sie mir wohl zu schwer: Meine Experimente, die K-5 an der Hüfte zu tragen habe ich jedenfalls wieder eingestellt. Ich schätze, für eine FZ1000, eine Fuji X T10, Olympus OM-D oder Sony A7 wäre die Tasche wohl perfekt. Alles was leichter als eine K-5 aber größer als eine NX 300 ist 😉

[Below the waste] Was sich zu lesen lohnt

Ja, es gibt mich noch und ja, ich beschäftige mich täglich mit Fotografie. Dass ich seit einiger Zeit nur sporadisch poste, hat eine Vielzahl von Gründen. Manche lachen mich schon beim Frühstück an, manche sind … Weiterlesen →